KorruptionsverdachtAshraf ist neuer Regierungschef in Pakistan

Der Ersatzkandidat Ashraf ist zum neuen pakistanischen Premier gewählt worden. Die Wahl ist umstritten, da Ashraf wie der Erstnominierte der Korruption beschuldigt wird. von afp und dpa

Pakistans neuer Regierungschef: Raja Pervez Ashraf in Islamabad

Pakistans neuer Regierungschef: Raja Pervez Ashraf in Islamabad  |  © Aamir Qureshi/AFP/Getty Images

Das pakistanische Parlament hat Raja Pervez Ashraf mit großer Mehrheit zum Nachfolger des entmachteten Regierungschefs Yousuf Raza Gilani gewählt. 211 der 342 Abgeordneten stimmten laut Parlamentspräsidentin Fehmida Mirza für den Kandidaten der regierenden Pakistanischen Volkspartei (PPP).

Zunächst hatte die PPP in Abstimmung mit ihren Koalitionspartnern den Textilminister Makhdoom Shahabuddin für das Spitzenamt vorgesehen. Gegen ihn wurde jedoch ein Haftbefehl wegen Korruptionsverdacht erlassen, sodass Ashraf zum Ersatzkandidaten bestimmt wurde. Der einzige verbliebene Bewerber der Opposition hatte aufgrund der parlamentarischen Mehrheit des Regierungslagers keine Chance.

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Auch Ashraf wird Korruption vorgeworfen

Ashraf gehört wie Präsident Asif Ali Zardari und sein Vorgänger Gilani der PPP an und gilt als enger Vertrauter des Präsidenten. In der Regierung seines Vorgängers hatte er zwei Kabinettsposten inne. Nach dem Wahlsieg 2008 wurde er zunächst Minister für Wasser und Energie. Später versetzte ihn Gilani ins Ressort für Informationstechnologie.

Seine Wahl gilt als umstritten, da sich Ashraf ebenfalls mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert sieht. Kritiker werfen ihm zudem vor, als Energieminister Bestechungsgelder angenommen zu haben und zu wenig gegen die Energiekrise des Landes getan zu haben. Die Justiz ermittelt. Ashraf sagte zu, sich um die Energiekrise zu kümmern. "Die Energiekrise zu lösen, hat oberste Priorität."

Der vorherige Regierungschef Gilani war am Dienstag seines Amtes erhoben worden. Im April war er wegen Missachtung des Gerichts verurteilt und schließlich zum Rücktritt gezwungen worden. In seiner Funktion als Regierungschef hatte Gilani sich geweigert, die Behörden in der Schweiz um die Wiederaufnahme eines Geldwäscheverfahrens gegen Präsident Zardari zu bitten. Zardari soll in den neunziger Jahren mit seiner Frau, der ermordeten Ex-Regierungschefin Benazir Bhutto , Bestechungsgelder auf Schweizer Konten geschafft haben. Sollte Ashraf den Beschluss ebenfalls ignorieren, könnte auch er deswegen angeklagt und verurteilt werden.

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Leserkommentare
  1. ... einen Politiker ohne Korruptionsverdacht?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
  • Schlagworte Asif Ali Zardari | Benazir Bhutto | Regierungschef | Behörde | Justiz | Opposition
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