Nachdem die Hohe Wahlkommission den Wunschkandidaten der Muslimbruderschaft, den charismatischen Millionär Khairat el Schater, wegen seiner Gefängnisstrafe unter Mubarak disqualifiziert hatte, sprang der konservative Apparatschik Mursi als Ersatzmann ein. "Er wehrte sich und wollte nicht, wir mussten ihn hart bedrängen", berichtete ein Mitglied des inneren Führungszirkels über die turbulenten Stunden der Entscheidung. Am Ende unterwarf sich Mursi der Disziplin seines islamistischen Politbüros, dem er selbst viele Jahre angehörte.

Im August 1951 in der Provinz Sharqia im Nildelta geboren, blieb der Bauernsohn seiner Heimat bis heute treu. Bis zuletzt arbeitete er als Professor an der Fakultät für Ingenieurwissenschaften in der Provinzhauptstadt Zagazig. Zwischendurch lebte die Familie auch in Kairo und sieben Jahre in Kalifornien . Zurück in Ägypten machte Mursi rasch Karriere in der Muslimbruderschaft, wurde ihr politischer Sprecher und gründete die "Ägyptische Kommission gegen den Zionismus".

Im Verhältnis zu Israel gilt er als Falke, bezeichnete Israelis als "Killer und Vampire". Im Wahlkampf hatte er meist den radikalen Prediger Safwat el Hegasi dabei, der in Großbritannien Einreiseverbot hat, weil er "terroristische Gewalt verherrlicht". "Wir wollen die Vereinigten Staaten von Arabien mit Jerusalem als Hauptstadt", rief dieser den Anhängern zu. Mit Mursi an der Spitze werde man nach Jerusalem ziehen – und wenn das eine Million Märtyrer koste.