China-BesuchPutin sucht die Nähe zu Chinas Autokraten

Moskau und Peking zeigen sich wie im Fall Syrien politisch oft einig. Doch Russlands Präsident fürchtet sich gleichzeitig vor dem Einfluss Chinas. von Benedikt Voigt

Hu Jintao und Wladimir Putin (Archivfoto)

Hu Jintao und Wladimir Putin (Archivfoto)   |  © Alexander Nemenov/Pool/Reuters

Dass sich China und Russland politisch gut verstehen, ließ sich im vergangenen Jahr beobachten, als chinesische Wissenschaftler dem damaligen russischen Premierminister Wladimir Putin ihre Version des Friedensnobelpreises für "herausragende Leistungen bei der Bewahrung des Weltfriedens" zuerkannten. Der "Konfuzius Friedenspreis" war in China im Herbst 2010 eilig erfunden worden als Alternative zum Friedensnobelpreis, der aus Sicht der chinesischen Regierung diskreditiert ist seit der Vergabe an den inhaftierten chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo .

Doch ganz überzeugt von der neuen Auszeichnung scheint Wladimir Putin nicht gewesen zu sein: Zur Annahme des Friedenspreises schickte er "zwei russische Babes", wie die Internetnachrichtenseite  shanghaiist.com beobachtete – zwei blonde Studentinnen der Pekinger Fremdsprachen-Universität.

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Am Dienstag allerdings ist Wladimir Putin persönlich nach Peking gereist, diesmal geht es auch um Wichtigeres als dubiose Preisverleihungen. Bei seiner ersten längeren Auslandsreise seit seinem erneuten Amtsantritt will Russlands Präsident die strategische Partnerschaft mit China ausbauen. Die Themen Syrien und Afghanistan stehen ebenso auf der Agenda wie die wirtschaftliche Zusammenarbeit beider Länder vor allem im Energiesektor. Russland ist der weltgrößte Energieproduzent, China der weltgrößte Energieverbraucher. "Präsident Putin und ich haben vereinbart, die Entwicklung der bilateralen Beziehungen weiterhin als diplomatische Priorität zu behandeln", sagte der chinesische Staatschef Hu Jintao nach einem ersten Treffen am Dienstag. Putin erklärte, die Partnerschaft hätte ein "noch nie da gewesenes Niveau" erreicht.

Beide Staaten suchen Einfluss in Afghanistan

Beide Länder unterstützen sich im UN-Sicherheitsrat gegenseitig, wie zuletzt in der Syrien-Frage zu beobachten war. Zweimal haben die beiden ständigen Mitglieder ihr Veto gegen einen Syrien-Beschluss des Sicherheitsrates eingelegt. Dabei folgt China, das keine nennenswerten Interessen in Syrien hat, dem Abstimmungsverhalten Russlands. "Beide Seiten lehnen eine Intervention von außen und einen gewaltsamen Regimewechsel in Syrien ab", erklärte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums Liu Weimin am Dienstag.

Wladimir Putin stärkt mit seinem Besuch auch die Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ), die sich am Mittwoch und Donnerstag in Peking zum Gipfel trifft. Die Organisation ist ein regionaler Zusammenschluss zentral- und ostasiatischer Staaten, der ein Viertel der Weltbevölkerung vertritt und zu dem gegenwärtig neben China und Russland auch Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan und Usbekistan zählen.

Als Beobachter wird der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad anreisen und mit China und Russland wahrscheinlich auch über das iranische Atomprogramm sprechen. Auch der afghanische Präsident Hamid Karsai wird als Beobachter in Peking erwartet. China und Russland dürften versuchen, nach dem Abzug der westlichen Militärallianz 2014 aus Afghanistan ihren Einfluss in dem Land wieder auszuweiten.

Leserkommentare
  1. zwischen den beiden Ländern sind extrem gewachsen, ein guter Anfang um auch noch andere positive Beziehungen zu fördern-

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    Eine Wertegemeinschaft oder sonstwie geartete Symbiose als Gegengewicht zum westlichen Bündnis wird es nicht geben.Und gute wirtschaftliche Beziehungen gibt es auch zwischen den Erzfeinden Taiwan und China oder zwischen China und Japan, die sich auch nicht ganz grün sind.

    • joG
    • 06. Juni 2012 18:27 Uhr

    ...vor 1939 wesentliche Rohstoffimporte aus den USA hatte? Solche Handelsverbindungen sind nicht tragend in ungeordnetem internationalem Umfeld und zerbrechen uU rasch. http://www.worldwariihist...

    Was China und Russland momentan wirklich verbindet, ist die Angst vor internationalem Schutz von Bevölkerungen vor ihren Herrschern.

  2. 2. [...]

    Entfernt. Bitte äußern Sie Sie sich sachlich. Danke, die Redaktion/lv

    • kitoi
    • 06. Juni 2012 16:23 Uhr

    Im ganzen beschreibt Ihr (Tagesspiegel-)Beitrag die Situaation genau so, wie ich Sie kenne. Die Hinwendung nach China ist natürlich auch mit deren Grenzöffnung für Russland zu sehen. Russen fahren nach China in den Urlaub, Russen fahren zum Einkaufen nach China, Russen fahren in chinesische Sanatorien. Ihre japansichen Gebrauchtwagen lassen sie sich dort aufmöbeln. Das Brautkleid meiner russischen Frau für die Berliner Hochzeit stammt auch von einem Markt an der chinesisch-russischen Grenze. Schon Anfang der 90er gab es in den grenznahen chinesischen Städten Stadtpläne und Straßenbezeichnungen auf Kyrillisch. Selbstverständlich wird in chinesischen grenznahen Läden Russisch gesprochen.

    Kauften Russen früher japanische Autos, kaufen Sie beim Neuwagenkauf chinesische. So traf ich auf meiner Zugfahrt zw. Krasnojarsk und Irkutsk zwei Autohändler, deren Job es war in China Autos auf Bestellung Novosbirsker zu kaufen und von China nach Novosibirsk zu überführen.

    Und gesucht hat Putin Chinas Nähe nicht! Wenn man Putin nicht nach Westen lässt - wo soll er denn hin? Letzte Posse war die westliche Visapolemik für die Putin begleitenden Journalisten beim Besuch in Berlin und Paris. Putins begleitende Journalisten erhielte ein 24h-Visa, weshalb die Pressekonferenz in Paris offensichtlich abgekürzt werden musste.

    Solange die EU sich nach Osten abschottet und auch noch an ihrer Ostgrenze Raketen aufstellt, kann es keine Hinwendung Russlands nach Westen geben!

  3. Na endlich !
    Endlich finden Russland und China zueinander , wirtschaftlich, politisch und militärisch , ein Segen für die Welt und für die Menschheit.
    Nach dem Zerfall der Sovietunion und dem Führungsanspruch der USA und Co. auf eine uniploare Weltordnung (NWO) , liegt die Welt bedingt durch permanente Kriege der Westmächte plus Israel in 'Trümmern' und man rettet sich von einem Krieg in den anderen (zZ Syrien).

    Nach dem Zerfall der SU :

    1.und 2. Golfkrieg , Balkankrieg , Kuweitkrieg , Afgahinstankrieg , Irakkrieg , Libanonkrieg , Gazakrieg , Libyenkrieg , Pakistan , Jemen , Sudan , Somalia etc.
    Man kann nur hoffen , dass sich das Fenster für die unipolare und unilaterale Weltordnung schliesst und durch Multipolarität ersetzt wird.
    Ich persönlich wünsche beiden Grossmächten , Russland und China ( hoffentlich auch Indien , Brasilien etc.) dem Wahsinn der permanenten Kriegen eine Ende zu bereiten und sich den wirklichen Problemen der Menschheit zu widmen.

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    • xy1
    • 07. Juni 2012 13:41 Uhr

    "Ich persönlich wünsche beiden Grossmächten , Russland und China ( hoffentlich auch Indien , Brasilien etc.) dem Wahsinn der permanenten Kriegen eine Ende zu bereiten und sich den wirklichen Problemen der Menschheit zu widmen."
    Wie schön das alles klingt.
    Gibt es irgendwelche konkrete Hinweise oder Ansätze wie sich diese so menschenfreundlichen Mächte den wirklichen Problemen der Menschheit zu widmen gedenken?

  4. Peking - China und Russland sind sich mit den anderen vier Mitgliedern der Shanghaier Kooperationsorganisation in ihrer Zurückhaltung im Syrien-Konflikt einig. Zum Abschluss ihres Gipfels in Peking will die Gemeinschaft ein Dokument dazu annehmen. Alle Seiten teilten ähnliche Positionen, sagte Russlands SCO-Gesandter Kirill Barsky nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Itar-Tass in Peking. Neben Russland und China gehören Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan und Usbekistan zur SCO-Gruppe.
    ----------
    http://www.welt.de/newsti...

  5. In 2014 ist die NATO raus aus Afghanistan.
    Russland vertieft seine Beziehungen zum Reich der Mitte, das in 10 Jahren die USA alt Weltmacht Nr.1 ablösen wird.
    Putin hat 10 Jahre vergeblich um die Gunst von EUROPA gebuhlt, jetzt geht er auf seine asiatischen Nachbarländer zu.
    Russland ist das rohstoffreichste und energiereichste Land der Welt und die VRChina das industriell dynamischteste Land auf dem Erdenrund.
    Gleichzeitig bauen die USA/NATO einen Raketenschirm von Europa über die Türkei, den Golfstaaten zu den ASEAN Ländern rüber bis Australien-Philippinen-Südkorea-Japan und verlegen 60% ihrer strategischen Militärmacht in den Pazifik, um Russland und die VRChina internat. einzudämmen.
    Heute ist Parallel Kriegsminister der USA Panetta in Indien, um die Inder in die neue Phalnx mit einzuladen und als asiatische Großmacht gegen China in den Wettbewerb zu schicken.
    Also die aggressive Krigs- und Friedensmacht USA versucht offen Russland und China herauszufordern.
    Panetta:"Weder wir noch China sind naiv, um die Beziehungen richtig einzuschätzen!"
    Es ist gut das Russland und VRChina sich strategisch in diesem Umfeld mit weiteren Zentralasiaten-Länderen neu organisieren.
    Der neue asiatische Block wird von den USA nicht leicht zu knacken sein, auch wenn die USA mit Romney weiter aufrüsten werden und einen Krieg anstreben wie so oft in den letzten Jahrzehnten.

  6. Israhell-NATO-Unbrauchbare Staaten von Amerika einzudämmen ist Solidarität. Und die wird es jetzt geben. CHina wird allein aus seiner Position als Kreditgeber, verstärkt den Ton angeben können. Iran handelt Öl erfolgreich in anderen Währungen worauf die USA einen verzweifelten Hetz, Terror und Finanzkrieg gegen den Iran begonnen haben und ihn zuguterletzt aus dem Zahlungssystem SWIFT ausgeswschlosseh haben. Nun haben die BRIC-Staaten angekündigt ein eigenes Zahlungssystem einzuführen. Auch der Cyberterreor Israels und der USA halfen nichts. Der Iran wollte an seiner Ölbörse in Euro handeln, doch US-Lakai Europa ist in seiner Hörigkeit in seinen eigenes Verderben gelaufen und wird nun, genau deswegen den Euro verlieren. Die chinesische Führung und die russische, genau wie die iranische sind um das maß was sie weniger demokratisch sind, unabhängiger und rationaler.
    Der Deutschen Politik kann man nur katastrophale Dummheit attestieren. Ähnliche komplette Unfähigkeit hat zum Ermächtigungsgesetz vom 24.März 1933 geführt und in einer Katastrophe geendet.

  7. dass sie zuerst den Euro killt und später nach Nordamerika übergreift. Dann hätte sich Europa vielleicht auch vor den USA des korrupten Bankensystems entledigt und bereinigt den zuerst den Neuanfang gewagt. Dann könnte man auch einen Neuanfang mit Ländern wie Rußland wagen und dem Iran dessen Bankensystem sich als krisensicher erwiesen hat. Wer China immernoch nicht als Wirtschaftsmacht Nummer 1 erkannt hat erliegt US-Propaganda und macht mit chinesischem Understatement Bekanntschaft. Deutschland kann es sich nicht mehr leisten allem fremdenfeindlich zu begegnen wo nicht USA oder Israel draufsteht.

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    Messerscharfe Kommentare mine.marie , Bravo.
    Sie haben Recht. Was ist nur mit Deutschland los ?
    Es ist jammerschade beobachten zu muessen wie Deutschland sturtracks in die 'Katastrophe' schlittert und niemand weit und breit zu sehen ist , der das Steuer noch rumreisst.

    Im Orient sagt man dazu:

    "Diese Karavane erreicht ihr Ziel ganz sicher NICHT !"

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