Schwedische Ermittler"In einem Kernkraftwerk darf es keinen Sprengstoff geben"

Die Polizei in Schweden rätselt, wie Sprengmaterial in das wichtigste Kernkraftwerk des Landes gelangen konnte. Klar ist: Der Fall hat einen kriminellen Hintergrund.

Das schwedische AKW Ringhals

Das schwedische AKW Ringhals

Weil es rund 20 Prozent des gesamten schwedischen Stroms produziert, gilt das Kernkraftwerk Ringhals als wichtigste Energiequelle des Landes. Obwohl das Werk in der südwestschwedischen Provinz Hallands län rund 60 Kilometer südlich von Göteborg die ansonsten prächtige Natur abrupt unterbricht, ist es seit Jahren unumgänglich für die Schweden geworden. Auch über mehrere Zwischenfälle in dem KKW wurde hinweggesehen.

Bereits 2006 kam es zu einer Explosion im Block 3 des Kernkraftwerkes, ein Jahr später wurden mehrere betrunkene Arbeiter auf dem Gelände gefasst. Allein in den ersten sechs Monaten des Jahres 2009 wurden 60 Zwischenfälle auf dem Werksgelände gemeldet, unter ihnen zwei der höchsten Gefahrenkategorie.

Anzeige

Das entdeckte Sprengmittel alarmiert nun jedoch die schwedische Öffentlichkeit. Der Sprengsatz war am Mittwochnachmittag von Spürhunden an einem Gabelstapler auf dem KKW-Gelände in der Gemeinde Varberg gefunden worden. Laut Angaben des Kraftwerkbetreibers war er an einem Feuerlöscher befestigt, der unter der obersten Treppe des Staplers hing. Die Sprengvorrichtung soll so groß "wie eine kleine Faust" gewesen sein, sagte Kraftwerksprecher Gösta Larsen.

Das Fahrzeug soll bereits von Montag bis Mittwoch in der inneren Schutzzone des Kernkraftwerkes gestanden haben. Entdeckt wurde der Sprengsatz, nachdem der Stapler einen Lastwagen in der äußeren Werkszone entladen hatte und zurück in die Schutzzone gefahren sei, sagte Larsen. Der Gabelstapler wurde von einer Fremdfirma angemietet, die Fahrerin jedoch ist eine Mitarbeiterin des AKW Ringhals.

AKW-Mitarbeiter wurden verhört

Die Polizei sicherte das Gelände weiträumig ab und suchte am Donnerstag auf dem 100 Hektar großen Werksgelände nach weiteren Sprengsätzen. Auch die Mitarbeiter wurden verhört. Zunächst ging die Polizei laut Angaben des Svenska Dagbladet von Sabotage aus, auch Fahrlässigkeit und Schlamperei wird für möglich gehalten. Die Ermittler wollen sich aber noch nicht auf ein Motiv festlegen. Polizeisprecher Ingmar Nilja sagte: "Es wurde ein Verbrechen begangen. Es gab ein Sprengmittel auf dem Gelände in Ringhals, und da darf es keinen Sprengstoff geben."

Alles deute daraufhin, dass der Sprengsatz innerhalb des Geländes an dem Feuerlöscher befestigt worden sei, stellte AKW-Sprecher Larsen fest. Ein Explosionsrisiko habe es zu keiner Zeit gegeben, weil der Sprengstoff über keinen Zündmechanismus verfügt habe. Dennoch gab es zunächst Spekulationen. "Dieses Ereignis setzt bestimmte Gedankengänge in Bewegung", sagte Larsen. Von einem möglichen terroristischen Hintergrund wurde nicht gesprochen.

Der Fund bringt die Betreiber nun in Erklärungsnot. Das AKW Ringhals wird von einer Aktiengesellschaft betrieben, die sich zu siebzig Prozent in der Hand des schwedischen Energiekonzerns Vattenfall befindet. "Wir sehen keine unmittelbar logische Erklärung dafür, warum es diese Sprengmittel in Ringhals gab", sagte Sprecher Larsen.

Leserkommentare
  1. Die Kühlung der Abklingbecken kaputt machen (..öhh, zum Beispiel.., öhh..
    JA! mit Sprengstoff!) und dann sechs Tage verhindern das die jemand repariert...
    ...und das Abklingbecken brennt ab wie die Großmutter aller Magnesiumfakeln und der Rauch enthält das ganze schöne Strahlungsinventar-

    Aber das kann nicht passieren, wie sollte z.B. der Sprengstoff auf das Gelände gelangen, völlig unmöglich.

    6 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "ich sag nur: Sechs Tage.

    Die Kühlung der Abklingbecken kaputt machen"

    Naja, vielleicht können Sie dann noch gleich ähnliche Ideen für Gegner von Bahnstrecken, Autoverkehr [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/ls

    "ich sag nur: Sechs Tage.

    Die Kühlung der Abklingbecken kaputt machen"

    Naja, vielleicht können Sie dann noch gleich ähnliche Ideen für Gegner von Bahnstrecken, Autoverkehr [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/ls

  2. denn ein Kernkraftwerk IST Sprengstoff!

    Ähnliches habe ich früher schon mal gehört: "Ihr sollt keine Götzen neben mir haben."

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Ihr sollt keine Götzen neben mir haben."
    ---------------------------------------------
    ...will sagen "ich bin der einzige Götze?"

    "Ihr sollt keine Götzen neben mir haben."
    ---------------------------------------------
    ...will sagen "ich bin der einzige Götze?"

  3. ...dass wir Alteingesessene wie Sie haben, die immer zu wissen glauben auf jede Frage eine richtige Antwort parat zu haben.
    Vielleicht sollten Sie sich bei der schwedischen Kriminalpolizei melden und Ihren Verdacht äußern.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Was 'n Glück,..."
  4. ...dass die heutigen terroristischen Weltverbesserer so durch und durch pazifistisch sind.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...dass wir Alteingesessene wie Sie haben, die immer zu wissen glauben auf jede Frage eine richtige Antwort parat zu haben.
    Vielleicht sollten Sie sich bei der schwedischen Kriminalpolizei melden und Ihren Verdacht äußern.

    ...dass wir Alteingesessene wie Sie haben, die immer zu wissen glauben auf jede Frage eine richtige Antwort parat zu haben.
    Vielleicht sollten Sie sich bei der schwedischen Kriminalpolizei melden und Ihren Verdacht äußern.

  5. Immer wieder erstaunlich was trotz sogenannter Sicherheitsvorschriften möglich ist.
    Die Politiker werden die AKWs dennoch solange laufen lassen bis sie platzen. Und irgendwann "klappts" wieder.

    3 Leserempfehlungen
  6. Ähnlich terroristischen Tierschutzgruppen ( Ställe abfackeln etc. ) scheinen nun wahrscheinlich auch Teile der Antiatomkraftbewegung im Kampf gegen nukleare Energieproduktion terroristische Gewalt zumindestens androhen zu wollen.

    Ein Witz übrigens, wenn sich ausgerechnet Greenpeace darauf beruft unbehelligt Kühltürme auf KKW-Geländen besetzen zu dürfen und sich nun andererseits beklagt, daß auf unbefugte Personen innerhalb der Sicherheitszone nicht sofort geschossen wird.

    3 Leserempfehlungen
  7. Ja, ganz zufaellig war der Sprengstoff an einem Feuerloescher angebracht - ist ja der uebliche Lagerungs- und Transportstandard. Auch wird Sprengstoff natuerlich immer langfristig in betankten Fahrzeugen gelagert um das Risikio zu verringern. Zur weiteren Erhoehung der Sicherheit muessen diese Fahrzeuge moeglichst in industriellen Anlagen eingesetzt werden; als ideal haben sich hierbei Kernkraftwerke erwiesen.

    Offensichtlich handelt es sich um einen Sprengsatz. Dass keine Zuender vorhanden waren wirft Fragen auf, aber zu mutmassen das waere Zufall (Ach was mach ich nu? Hm, Ich klemms mal eben hinter den Feuerloescher hier..) ist grotesk.

    3 Leserempfehlungen
  8. ...werden wir wohl diese Kernkraftscharaden ertragen müssen. Dann endlich wird die Technologie rasant genug gewachsen sein und wir werden in einer Post-Knappheitsgesellschaft unbegrenzt saubere und sichere Energie haben.

    Bis dahin gilt: Durchhalten!

    mit solidarischem Gruß,
    besorgter_mitbuerger

    2 Leserempfehlungen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service