Deserteure : Syrischer General flüchtet mit 38 Soldaten in die Türkei

Die Loyalität vieler Soldaten zu Syriens Armee schwindet: Vor wenigen Tagen desertierte ein Pilot mit seinem Kampfjet, jetzt verlassen ranghohe Militärs ihre Posten.

Aus der syrischen Armee setzen sich ranghohe Militärs ab: Nach Angaben des türkischen Staatsfernsehens sind ein syrischer General, zwei Oberste, zwei Majore und ein Leutnant in die Türkei geflohen. Mit ihnen seien 33 weitere Soldaten übergelaufen.

Der türkische Privatsender CNN Türk berichtete zudem, die ranghohen Militärs hätten ihre Familien aus Syrien mitgebracht. Es handle sich daher um insgesamt 224 Flüchtlinge. Die Gruppe soll in der vergangenen Nacht über die nördliche Grenze Syriens in die Türkei geflüchtet sein.

Erst in der vergangenen Woche war ein syrischer Pilot mit einem Kampfjet aus Syrien geflogen. Er landete in der jordanischen Hauptstadt Amman und erhielt in dem Land politisches Asyl.

Das bereits angespannte Verhältnis von Türkei und Syrien belastet zudem ein weiterer Vorfall aus der vergangenen Woche: Die syrische Luftabwehr hatte vor der Küste über dem Meer ein türkisches Kampfflugzeug abgeschossen, weil es angeblich in syrischen Luftraum eingedrungen war. Wie nun bekannt wurde, erfasste das syrische Radar auch ein Suchflugzeug der türkischen Armee. Als die Besatzung der Maschine dies registrierte, drehte sie ab, wie europäische Diplomaten in Ankara schilderten. Das Flugzeug sollte eigentlich die Absturzstelle des Militärjets anfliegen.

Dringlichkeitssitzung angesetzt

Die Türkei gehört zu den schärfsten Kritikern des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, seitdem dieser mit militärischer Gewalt gegen die Opposition vorgeht. Die Regierung in Ankara informierte Vertreter von EU- und Nato-Staaten über den Abschuss. Das Verteidigungsbündnis lud für Dienstag zu einer Dringlichkeitssitzung . Artikel vier des Nato-Vertrags sieht dies vor, wenn ein Mitglied die "Unversehrtheit des Gebiets" bedroht sieht.

Die Nato-Führung hat aber wiederholt klar gemacht, dass das Bündnis nicht militärisch in den Bürgerkrieg in Syrien eingreifen will. Nato-Vertreter wie der britische Außenminister William Hague und sein niederländischer Kollege Uri Rosenthal bekräftigten dies auch im Hinblick auf den Abschuss.

Wegen der anhaltenden Gewalt in Syrien verschärften die EU-Außenminister aber die Strafmaßnahmen. EU-Diplomaten zufolge setzten sie eine weitere syrische Person auf ihre Sanktionsliste. Vermögenssperren und Einreiseverboten gelten nunmehr auch für das Außen- und das Verteidigungsministerium und vier weitere Institutionen unter anderem aus dem Bank- und Telekommunikationsbereich. Die EU hatte seit Beginn des Konflikts bereits mehr als 120 Personen und 50 Firmen und Institutionen auf ihre Schwarze Liste gesetzt.

Seit Beginn des Aufstands gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad im März 2011 sind nach UN-Angaben mehr als 10.000 Menschen getötet worden. Unter den Rebellen befinden sich Tausende Deserteure.

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Kommentare

55 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

Leider noch zu wenige

Wenn ein richtig großer Teil der Armee sich gegen Assad stellen würde, könnte der Konflikt schneller und vor allem mit weniger Toten enden, da Assad und seine Familie das wissen würden, das sie keine Chance mehr hätten und in ein anderes Land fliehen würden. Leider wird das nie passieren, da der Großteil der Armee von Assads Familienangehörigen geführt wird.

Übrigens sollte man aufhören Assad als einzigen "bösen" in Syrien hinzustellen. Ein mal alleine kann kein Land führen. Er braucht immer Unterstützer und Sympathisanten. Und nicht jede einzelne Bombardierung wird von Assad selbst befohlen. Das tun Generäle(welche wahrscheinlich Assads Familie angehören) in der Armee selbstständig.

Ich kann mir nicht helfen

Aber die Erklärung, dass sie es satt waren, sich weiter an dem Gemetzel Assads unter seinen eigenen Bürgern zu beteiligen, erscheint mir wesentlich wahrscheinlicher, als dass diese Leute aus Angst vor einem hier immer als wahrscheinlich angenommenen Angriffskrieg der Amerikaner gegen Syrien flüchten.

Das erstere passiert nämlich seit über einem Jahr und das zweite wird fast eben so lange zwar täglich herbei beschworen, hat sich aber bisher nicht eingestellt.

Ihre Erklärung hinkt

denn viele der Deserteure scheinen sich ja dem "Widerstand" anzuschließen. (Mal angenommen, wir glauben dass das keine propagandistische Lüge des Westens ist...)

Wären sie einfach kriegsmüde oder hätten lediglich Angst um ihr Leben oder angst vor den Amerikanern, würde sie sich ins Ausland absetzen und DORT BLEIBEN.
Nun GEHEN SIE ZURÜCK und ihr Leben ist durch die Gefechte viel mehr und konkreter bedroht als durch die Möglichkeit, dass die USA irgendwann eingreifen würden.

Ich bin nicht für Schwarzweißmalerei und die Rolle des Westens ist sicher keine gute hier, zumal er den Konflikt durch Waffenlieferungen an die Aufständischen nur blutiger werden lässt, aber das irgendwelche Kräfte des Regimes (vielleicht nicht Assad selbst) Gräueltaten verüben lassen halte ich für ausreichend stichhaltig.

Kommt darauf an

wie Sie einen Angriffskrieg definieren.

Für mich fängt ein Angriffskrieg dort an, wo man gezielte Pläne für dessen Enstehung ausarbeitet:

http://www.youtube.com/wa...

Ob das Ganze dann erst mal in einem "secret war" oder als extern finanzierter "Low intensity conflict"

http://en.wikipedia.org/w...

vor sich hinschmort und dann im Bedarfsfall medial aufgeputscht und zum brutalen "humanitären Einsatz" wird, sei dahingestellt.

Wie ein Vorkommentator schon richtig vermerkt hat. Jeder der das nicht erkennt bzw. erkennen will und mit ins Kriegstreiberhorn bläst, macht sich mitschuldig.

Danke für den link

Das zeichnet aus ausgewogeneres Bild und zeigt, wer sich im Syrien Konflikt noch so die Finger schmutzig macht.

Trotzdem: Können Sie sich vorstellen, dass ganze Einsatztruppen der deutschen Bundeswehr zu den Taliban überlaufen, weil die ihnen mehr Gehalt bieten? Und die deutschen Soldaten dann die eigenen Leute erschießen? Zumal in der syrischen Armee Deserteure erschossen werden, man desertiert also nich einfach mal so aus Karrieregründen, das ist ein lebensbedrohliches Unterfangen.

Also ich bin offen für alles, aber ich finde das nicht völlig überzeugend. Ich denke die Wahrheit steckt in der Mitte, nicht in einem der beiden Extreme die hier beargumentiert werden.

@Bashu

Sicher ist das Geld nicht der einzige Grund. Da kommen sicher mehrere Sachen zusammen. Wenn die FSA jetzt den regulären Soldaten täglich erzählt, dass das Regime bald fällt und die Situation im Lande durch die Sanktionen immer schwieriger wird - dann reicht das zusammen mit einem Bündel Petrodollars sicherlich aus.

Aber dass die Soldaten desertieren, damit sie keine Kinder mehr töten müssen halte ich für Blödsinn. Ich glaube die meisten Morde an Zivilisten gehen in letzter Zeit auf die Kappe der Milizen.

Wer Soldat ist und flieht begeht Fahnenflucht und riskiert im Krieg sein Leben. das ist in den meisten Ländern der Welt so. Die Milizen allerdings zwingen Zivilisten zum Kämpfen gegen Assad und hindern sie daran vor Angriffen Gefahrenzonen zu verlassen (z.B. Homs). Sowas ist wirklich barbarisch.

Gerne noch was!

Sie kennen Syrien und die Syrer nicht. Der Vergleich mit den deutschen Soldaten hinkt dazu gewaltig.

Wenn die Amerikaner dereinst vielleicht Europas überdrüssig wären und wir syrische Verhältnisse in Deutschland bekämen, dann könnten auch Sie sich bestimmt deutsche Generäle vorstellen, die für Geld nach Amerika liefen und sei es übers Wasser.

Denen wäre dann Deutschland zu ihren Zeiten vielleicht zu liberal gewesen? Nur für Ihr Verständnis.