Aus der syrischen Armee setzen sich ranghohe Militärs ab: Nach Angaben des türkischen Staatsfernsehens sind ein syrischer General, zwei Oberste, zwei Majore und ein Leutnant in die Türkei geflohen. Mit ihnen seien 33 weitere Soldaten übergelaufen.

Der türkische Privatsender CNN Türk berichtete zudem, die ranghohen Militärs hätten ihre Familien aus Syrien mitgebracht. Es handle sich daher um insgesamt 224 Flüchtlinge. Die Gruppe soll in der vergangenen Nacht über die nördliche Grenze Syriens in die Türkei geflüchtet sein.

Erst in der vergangenen Woche war ein syrischer Pilot mit einem Kampfjet aus Syrien geflogen. Er landete in der jordanischen Hauptstadt Amman und erhielt in dem Land politisches Asyl.

Das bereits angespannte Verhältnis von Türkei und Syrien belastet zudem ein weiterer Vorfall aus der vergangenen Woche: Die syrische Luftabwehr hatte vor der Küste über dem Meer ein türkisches Kampfflugzeug abgeschossen, weil es angeblich in syrischen Luftraum eingedrungen war. Wie nun bekannt wurde, erfasste das syrische Radar auch ein Suchflugzeug der türkischen Armee. Als die Besatzung der Maschine dies registrierte, drehte sie ab, wie europäische Diplomaten in Ankara schilderten. Das Flugzeug sollte eigentlich die Absturzstelle des Militärjets anfliegen.

Dringlichkeitssitzung angesetzt

Die Türkei gehört zu den schärfsten Kritikern des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, seitdem dieser mit militärischer Gewalt gegen die Opposition vorgeht. Die Regierung in Ankara informierte Vertreter von EU- und Nato-Staaten über den Abschuss. Das Verteidigungsbündnis lud für Dienstag zu einer Dringlichkeitssitzung . Artikel vier des Nato-Vertrags sieht dies vor, wenn ein Mitglied die "Unversehrtheit des Gebiets" bedroht sieht.

Die Nato-Führung hat aber wiederholt klar gemacht, dass das Bündnis nicht militärisch in den Bürgerkrieg in Syrien eingreifen will. Nato-Vertreter wie der britische Außenminister William Hague und sein niederländischer Kollege Uri Rosenthal bekräftigten dies auch im Hinblick auf den Abschuss.

Wegen der anhaltenden Gewalt in Syrien verschärften die EU-Außenminister aber die Strafmaßnahmen. EU-Diplomaten zufolge setzten sie eine weitere syrische Person auf ihre Sanktionsliste. Vermögenssperren und Einreiseverboten gelten nunmehr auch für das Außen- und das Verteidigungsministerium und vier weitere Institutionen unter anderem aus dem Bank- und Telekommunikationsbereich. Die EU hatte seit Beginn des Konflikts bereits mehr als 120 Personen und 50 Firmen und Institutionen auf ihre Schwarze Liste gesetzt.

Seit Beginn des Aufstands gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad im März 2011 sind nach UN-Angaben mehr als 10.000 Menschen getötet worden. Unter den Rebellen befinden sich Tausende Deserteure.