Anti-Assad-Demonstration in Sermeen nahe der nordsyrischen Stadt Idlib © Reuters

Die syrischen Revolution ist jetzt im fünfzehnten Monat. An manchen Tagen sieht es so aus, als sei kein Ende in Sicht. An anderen Tagen gewinnt ein Gefühl von Optimismus die Oberhand. Zum großen Teil wird unsere Gemütslage von der internationalen Gemeinschaft und den Erklärungen führender Politiker bestimmt. Die weltweite Verurteilung von Assads Brutalität trägt dazu bei, die Stimmung zu heben. Doch haben Worte am Ende leider keine Kraft, denn auf eine internationale Verurteilung folgt stets ein Aktivist X verhaftet oder Aktivist Y getötet. Aus unserer Sicht werden unsere potenziellen politischen Führer, Politiker und Denker vom Assad-Regime systematisch ausgeschaltet.

Ungeachtet des ständigen Beschusses, willkürlicher Festnahmen und unvorstellbarer Folter ist die syrische Opposition kreativ geblieben. Man zitiert das Sprichwort "Notwendigkeit ist die Mutter der Erfindung", was in Syrien in der Tat zutrifft. Einst waren Twitter, Facebook und YouTube Hilfsmittel der Aktivisten. Assads rigoroses Vorgehen gegen jedwede Kommunikation und die tatkräftige Unterstützung durch den Iran haben den Aktivisten die Nutzung des Internets jedoch erheblich erschwert. Dem Regime auch technologisch stets einen Schritt voraus zu sein, ist keine einfache Aufgabe.

Dennoch verstehen es die Aktivisten, die Technik zu nutzen, um Nachrichten zu verbreiten, Gemeinschaften zu mobilisieren und dafür zu sorgen, dass Syrien auf den Titelseiten der großen Zeitungen und Zeitschriften bleibt. Allerdings können sie das auf Dauer nicht allein leisten. Die internationale Gemeinschaft kann und sollte mit modernen Kommunikationsmitteln und Anti-Überwachungstechnik helfen.

Angst vor Haft größer als vor dem Tod

Für Aktivisten, die verhaftet werden, weil ihre Gespräche abgehört und ihre Korrespondenz mitgelesen wurde, ist die Angst vor Inhaftierung weitaus größer als die Angst vor dem Tod selbst. In der Haft können Informationen und Passwörter herausgepresst und Fingernägel, Zähne und Augen herausgerissen werden. Ja, die Angst vor Inhaftierung hat bei vielen mutigen Demonstranten die Angst vor dem Tod verdrängt.

Zahlreiche Vertreter der internationalen Gemeinschaft haben Assads Gewalt verbal verurteilt. Die Erklärungen kommen häufiger, die Äußerungen werden eindringlicher. Und doch haben Begriffe wie "empört", "entsetzt" und "entrüstet" für Assad keine Bedeutung. Er hat internationalen Plänen, die zu einer politischen Lösung der Krise führen sollten, systematisch zugestimmt und hat ebenso systematisch gegen sie verstoßen. Der gemeinsame Plan von UN und Arabischer Liga, dessen Umsetzung von Kofi Annan überwacht werden sollte, ist das jüngste Beispiel hierfür. Den Staatenlenkern muss es daher erlaubt sein, mehr Druck auf jene Staaten auszuüben, die Assad unterstützen.

Warum wird Russlands jüngste Waffenlieferung im Wert von 100 Millionen US-Dollar hingenommen? Verhängen wir doch Sanktionen gegen Russland, damit der Strom der Geschütze, die ganze Dörfer in Schutt und Asche legen, versiegt. Venezuelas Zusicherung, Assad weiterhin mit Dieselkraftstoff zu versorgen, trägt nur dazu bei, die Gewalt des Regimes aufrechtzuerhalten. Sanktionen gegen Venezuela könnten dem Assad-Regime die Luft abschnüren und dem Zusammenbruch einen Schritt näher bringen.