Protestierende in Qusair nahe Homs, Ende Mai © Reuters/Handout

Was die Mission des türkischen Kampfjets war und warum Syrien ihn abgeschossen hat , bleibt wohl ein Geheimnis der Militärs beider Seiten. Doch auch die exakten Entwicklungen in Syrien sind schwer zu beurteilen, weil sich eine Art Medienkrieg zwischen staatlicher syrischer Propaganda und Leitmedien wie den arabischen Sendern Al Dschasira und Al Arabija etabliert hat.

Die Sender gehören den Herrscherhäusern von Katar und Saudi-Arabien , die aktiv Partei für die Gegner Assads ergriffen haben und diese mit Waffen beliefern. Mehrere Mitarbeiter des Al-Dschasira -Büros in Beirut haben den Sender verlassen aus Protest gegen die parteiische und unprofessionelle Berichterstattung über Syrien und den Aufstand in Bahrain . Da die syrische Propaganda versucht, die Aufständischen als "Terroristen" darzustellen, wird es immer schwieriger, kritische Berichte über Teile der Opposition zu bringen, ohne als Handlanger des Regimes zu gelten.

Am Anfang des Konfliktes wiesen Medien noch oft darauf hin, dass es schwer sei, objektive Nachrichten zu erhalten, weil keine ausländischen Reporter ins Land gelassen würden. Mittlerweile übernimmt die westliche Politik und Presse oft ohne Einschränkung die Darstellungen bewaffneter Kämpfer vor Ort und der "citizen reporter". Die in Großbritannien ansässige oppositionelle Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte ist die Hauptquelle westlicher Medien bei Berichten über Kämpfe und Tote in Syrien.

Gräueltaten auch von Rebellen

Dabei gibt es andere Stimmen, die davon zeugen, dass mittlerweile auch aufseiten der Opposition zumindest einzelne Gruppen vor Mord, Vergewaltigung und ethnischer Säuberung nicht zurückschrecken. Die Nonne Agnes-Mariam aus dem Jakobs-Kloster bei Homs beschrieb, wie eine junge christlich-orthodoxe Frau von Bewaffneten entführt und tagelang vergewaltigt wurde. Agnes-Mariam war selbst Zeugin, wie in Homs Aufständische zunächst einen Ladenbesitzer ermordeten, der sich geweigert hatte am Streik teilzunehmen. Anschließend hätten die Täter das Opfer per Handy gefilmt und mit dem Kommentar versehen, dass dies eine weitere Gräueltat des Regimes sei.

Der katholische Nachrichtendienst Agenzia Fides berichtet im Juni , Christen in der Stadt Qusair nahe Homs sei von den bewaffneten Rebellen unter General Abdel Salam Harba ein Ultimatum gestellt worden, die Stadt zu verlassen. Jene Christen, die geblieben seien, müssten auf der Straße Muslimen die Vorfahrt gewähren, berichtet die Agentur.

Mehrere britische Journalisten beschuldigen Rebellen, sie absichtlich in Hinterhalte der Armee geführt zu haben. Sie hätten den Tod der Journalisten in Kauf genommen, um die Weltöffentlichkeit gegen das Regime aufzuwiegeln, vermutet Alex Thomson von Channel 4 in seiner Beschreibung des Hergangs. Thomson war bei Hula den verschiedenen Versionen über das Massaker nachgegangen.

Erschienen im Tagesspiegel