Rauch über den Dächern der Stadt Homs © Shaam News Network/Reuters

Kein diplomatisches Mittel hat bislang die Gewalt in Syrien beenden können. Jeden Tag sterben im Bürgerkrieg Menschen, es gibt Entführungen, Vergewaltigungen, Überfälle. Auf der einen Seite stehen die Armee, die Sicherheitsdienste und die Schabiha-Banden , auf der anderen Seite aufständische Milizen, die lokal kämpfen und unter keinem zentralen Befehl stehen. Ein internationaler Einsatz wie im Falle Libyens erscheint aus vielfältigen Gründen unmöglich, genauso wie ein Friedensschluss zwischen den Kontrahenten. Doch ist in diese scheinbare Aussichtslosigkeit etwas Bewegung gekommen.

Nach einem Bericht des britischen Guardian arbeiten die USA und Großbritannien an einer Lösung, wonach dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad freies Geleit in die Schweiz gewährt werden könnte. Dort solle er dann an einer internationalen Konferenz zum politischen Wandel in Syrien teilnehmen. Kurz zuvor hatte ein ehemaliger syrischer Diplomat unter Regimegegnern den Text eines angeblichen Plans der USA und Russlands verbreitet, der einen Machtwechsel und die Gründung eines Militärrats für eine Übergangszeit vorsieht.

Dem Rat sollen sechs Sunniten und vier Angehörige der alawitischen Minderheit angehören. Andere religiöse und ethnische Minderheiten sollen jeweils einen Vertreter stellen. Die sechs sunnitischen Muslime sollen jeweils zur Hälfte aus der Armee und aus der von Deserteuren gegründeten Freien Syrischen Armee stammen.

Ein weiteres Indiz für mögliche Veränderungen ist eine Erklärung am Rande des G-20-Gipfels im mexikanischen Los Cabos: US-Präsident Barack Obama und der russische Präsident Wladimir Putin erklärten am Dienstag, sie unterstützten in Syrien einen politischen Übergang zu einem "demokratischen und pluralistischen System". Russland ist – mit dem Iran – einer der wenigen internationalen Unterstützer der Assad-Regierung.

Jemen als Vorbild

Zweifellos steht der Ansage der beiden Präsidenten auch noch entgegen, dass beide Regierungen bereits in den Konflikt verwickelt sind. Die US-Regierung scheut zwar davor zurück, selbst Waffen an die Aufständischen zu liefern. Doch Agenten des US-Geheimdienstes CIA kontrollieren laut New York Times vom Süden der Türkei aus, welche Rebellen auf der anderen Seite der Grenze mit Gewehren, Panzerfäusten oder auch Raketenwerfern ausgestattet werden. Und dass Russland dem syrischen Regime Waffen verkauft, ist ohnehin kein Geheimnis.

Doch die zentrale Frage für einen irgendwie gearteten politischen Übergang ist, was aus Präsident Assad und seiner Familie werden soll. Im bislang nicht veröffentlichten Plan wird das nicht erwähnt. Und es gibt auch keinen Anlass dafür, zu hoffen, Assad würde freiwillig zurücktreten. Das hat zuletzt am Donnerstag auch Russlands Außenminister Sergej Lawrow noch einmal betont.

Hinter diesen diplomatischen Bemühungen steckt der Wunsch, den Syrien-Konflikt durch einen gesteuerten und kontrollierten Elitenwechsel zu lösen. Die Idee ist nicht neu, und man kann sicher davon ausgehen, dass sie zumindest in den Kanzleien des Westens favorisiert wird. Ein Vorbild gäbe es mit dem Führungswechsel im Jemen dafür auch. Die Idee basiert auf der Hoffnung, Russlands Präsident Wladimir Putin könne derjenige sein, der Assad und sein Regime zu einem Rücktritt bewegen kann.