Widerstand : Syriens Opposition wählt Kurden zum Chef

Der neue Vorsitzende des Syrischen Nationalrats soll das Oppositionsbündnis reformieren und den Widerstand gegen Assad koordinieren. Seida gilt als Kompromisskandidat.
Abdel Baset Seida (m.) ist neuer Vorsitzender des oppositionellen, syrischen Nationalrats © Bulent Kilic/AFP/Getty Images

Das Oppositionsbündnis Syrischer Nationalrat (SNC) hat den Kurden Abdel Baset Seida zum neuen Vorsitzenden gewählt. Der im schwedischen Exil lebende Seida löst Burhan Ghaliun ab, der in Paris als Professor lehrt. Seida sei am Samstagabend in Istanbul gewählt worden, teilte der Nationalrat mit.

Ghaliun hatte den Nationalrat seit seiner Gründung im Oktober 2011 geführt. Ihm war vorgeworfen worden, den Kontakt zur Opposition im Land verloren zu haben. Auch sei es ihm nicht gelungen, die unterschiedlichen Gruppierungen im SNC zusammenzuführen.

SNC will Friedensplan durchsetzen

Nach seiner Wahl sagte Seida, Syrien befinde sich am Beginn einer entscheidenden Phase . "Das Regime geht auf sein Ende zu. Die sich häufenden Massaker und die Plünderungen zeigen, dass es um sich schlägt." Es gebe Informationen, wonach die syrische Regierung die Kontrolle über die Hauptstadt Damaskus und andere Städte verloren habe. Weitere Angaben dazu machte er nicht.

Der Nationalrat werde seine Arbeit darauf konzentrieren, "dass die internationale Gemeinschaft eine entschlossene Entscheidung gegen das Regime trifft, das weiterhin Massaker verübt ", sagte Seida. Der Friedensplan des Syrien-Gesandten Kofi Annan werde nicht umgesetzt. Der SNC werde sich dafür einsetzen, dass der Plan nach Kapitel VII der UN-Charta erfolgen solle. So solle die syrische Regierung dazu gebracht werden, ihn umzusetzen, und "alle Optionen" könnten offen gehalten werden. Kapitel VII sieht bei der Bedrohung des Friedens Zwangsmaßnahmen wie Wirtschaftssanktionen oder auch militärische Gewalt vor.

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Kommentare

41 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

SNC und FSA - Spaltkeile des syrischen Volkes

Egal wie sich diese selbsternannten Demokratie- u. Heilsbringer repositioniern und umstrukurieren werden, sie repräsentieren nicht die Mehrheit des syrischen Volkes.

Denn diese hält offensichtlich und trotz der mehrmonatigen blutigen Unruhen zu Ihrem Präsidenten, wohlwissend dass letzendlich auch Doktoren, wie Seida, wohl eher über ein Grosskurdistan und "geordnete religiöse Zustände", als über ein geeintes und zufriedenens syrisches Volk philosphieren werden.

Geschickt

Ihr Kommentar ist sehr geschickt verfasst. Erst die Oppositionsbewegung als "selbsternannte Heilsbringer" bezeichnen, um ihre Ziele zu diffamieren; gleichzeitig eben jene Legitimität abstreiten, auf das sich die Opposition beruft (keine demokratische Mehrheit). Zum krönenden Abschluss die Seperationsängste und Zerstrittenheit der Syrer ansprechen (Großkurdistan; geordnete religiöse Verhältnisse). Und all das in nur einpaar Zeilen. Wahrlich; Sie sind ein Meister auf diesem Gebiet.
Fragt sich nur, wie lange sich die Aleviten Syriens auf die Zerstrittenheit der syrischen Muslime verlassen können. Ich fänd es ungeheuer lustig, wenn die "große Mehrheit" der Presidententreuen plötzlich von der "kleinen Minderheit" Muslimen einen auf den Deckel kriegt (von dem Schlag würde sie sich wahrscheinlich nicht mehr erholen....).

"auf welche Quellen stützen Sie Ihre Meinung?"

Ich stütze mich auf die Untersuchung ortsansässiger Oppositioneller:

Syrische Oppositionelle, die aus der Region kommen, konnten in den vergangenen Tagen aufgrund glaubwürdiger Zeugenaussagen den wahrscheinlichen Tathergang in Hula rekonstruieren. Ihr Ergebnis widerspricht den Behauptungen der Rebellen, die die regimenahen Milizen Schabiha der Tat beschuldigt hatten.(..) Die Kämpfe setzten ein, als sunnitische Rebellen die drei Straßenkontrollen der syrischen Armee um Hula herum angriffen. Die Kontrollpunkte haben die Aufgabe, die alawitischen Dörfer um das überwiegend sunnitische Hula vor Anschlägen zu schützen.Nach Angaben der Augenzeugen habe sich das Massaker in dieser Zeit ereignet. Getötet worden seien nahezu ausschließlich Familien der alawitischen und schiitischen Minderheit Hulas, dessen Bevölkerung zu mehr als neunzig Prozent Sunniten sind. So wurden mehrere Dutzend Mitglieder einer Familie abgeschlachtet, die in den vergangenen Jahren vom sunnitischen zum schiitischen Islam übergetreten sei. Getötet wurden ferner Mitglieder der alawitischen Familie Shomaliya und die Familie eines sunnitischen Parlamentsabgeordneten, weil dieser als Kollaborateur galt. Unmittelbar nach dem Massaker hätten die Täter ihre Opfer gefilmt, sie als sunnitische Opfer ausgegeben und die Videos über Internet verbreitet.
http://m.faz.net/aktuell/...

Amnesty vom 6. Juni 2011

6. Juni 2011 - Amnesty International hat das brutale Vorgehen der syrischen Sicherheitskräfte gegen Protestierende am vergangenen Wochenende scharf kritisiert. Berichten zufolge sollen mehr als 120 Menschen seit Freitag erschossen worden sein - dem wohl blutigsten Wochenende seit dem Ausbruch der Proteste Mitte März.

Amnesty International hat die Namen von 986 Todesopfern, die Berichten zufolge von Sicherheitskräften im Zuge der Demonstrationen in den vergangenen elf Wochen getötet wurden, registriert. Tausende wurden festgenommen, viele ohne Kontakt zur Außenwelt in Haft gehalten. Folter in Gewahrsam ist weitverbreitet, freigelassene Gefangene berichteten der Organisation über schwere Schläge, Folter und Erniedrigungen sowie alarmierende Haftbedingungen. Amnesty hat die Namen von 17 Gefangenen registriert, die offenbar an den Folgen schwerer Folter gestorben sind.

darüber hat Amnesty schon 2011 berichtet --
und das hat sich zu Ihnen noch immer nicht herumgesprochen?

Die junge Welt identifiziert

als Täter des massakers von Houla die berüchtigten ShabiHa Milizen:

"""Das hinter den Massakern stehende Kalkül ist so zwingend wie simpel: Das Regime Assads will die UN-Mission als Papiertiger vorführen. Die Uno wird, so lautet die Botschaft, keinem Demonstranten helfen können, wenn es hart auf hart kommt. Die zweite Botschaft des Gemetzels zielt auf die seit 15 Monaten konsequent betriebene Umwandlung der Proteste gegen die Diktatur in einen Bürgerkrieg entlang konfessioneller und ethnischer Grenzen. In der Region von Houla leben Sunniten und Alawiten. Die Bewohner der alawitischen Dörfer rings um die vom Massaker erschütterten sunnitischen Siedlungen können sich nun ausrechnen, wie ihr Schicksal wohl aussehen würde, wenn die Armee Assads nicht mehr da wäre. Es waren ihre Dörfer, aus deren Richtung die vornehmlich alawitischen Shabiba-Milizionäre des Regimes kamen. Wenn es eine perfide politische Kunst des Assad-Regimes gibt, dann liegt sie in dieser gnadenlosen Fragmentierung einer Gesellschaft. Jede Drohung mit dem Chaos, das der Propaganda des Regimes zufolge nach dessen Sturz sofort ausbrechen würde, illustriert man mit einem Massaker.""""

http://jungle-world.com/a...

Also ich zumindest möchte nun erst ein wenig recherchieren

Ihr Amnesty International Zitat stützt meine vorher geäusserte Skepsis bezüglich der zenobis Behauptungen, und ich halte Amnesty für einen glaubwürdigsten Zeugen schlechthin, da sie sich bekanntermassen nicht auf einzelne Quellen verlassen sondern sehr glaubwürdig und nachhaltig auch nach abweichenden Zeugen/Quellen ermitteln.
Nicht in diesen Reigen würde ich aber die 'junge welt', diese stehen (sorry, zumindest für mich) außerhalb der seriösen quellen von taz bis FAZ. Für meinen Teil werde ich versuchen, den FAZ-Artikel zu verifizieren bzw. zu falsifizieren.

MercifulSister

[...]
und in Verlautbarungen der russischen Regierung. Lawrow und Putin haben politisch kein Interesse daran, die Shabiha als Mörder in Houla zu identifizieren - weil die Identifikation der Assad Mörder einer Desavouierung ihrer eigenen Politik gleichkommen würde.

Russland - beschäftigt mit dem Eiertanz zwischen Waffeneporten für Assad - und der offiziellen Lawrow Propaganda "auf der Suche nach einer friedlichen Lösung" die Assad allerdings mit täglichen Massakern unterläuft --
würde sich ja selber den Boden unter den Füssen wegziehen, wenn eingestanden würde, das die Shabiha dafür verantwortlich ist.

Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Beleidigungen. Danke, die Redaktion/mk

AI ist nicht allwissend

Täuschen sie sich da nicht MercifulSister, AI wurde schon des öfteren der Falschaussagen überführt. Auch AI ist auf Aussagen anderer angewiesen und wurde schon mehrfach zu Propagandazwecken missbraucht.
Das Interessante an dem Artikel ist ja, dass es sich um Unteruchungsergebnisse Oppositioneller handelt, die nun wirklich keine Veranlassung haben, Assad in Schutz zu nehmen.

Was meinen sie, wird sich die westliche Welt bei Assad entschuldigen, werden die Medien Buße tun, die ohne Kenntnis der Lage einseitig Assad verurteilt haben? Wird Ban Ki Moon zurücktreten, der ebenfalls Assad einseitig für das Massaker verantwortlich gemacht hat?

Na dann sollten Sie sich auch

für Ihre nicht bewiesenen Behauptungen entschuldigen.
Wird Zeit.

Resumen:

1. Der Artikel in der jungen Welt stammt vom 31.5. - der eindeutig der Shabiha das Masskaer zuschreibt.

2. Ansonsten - die Aussagen der UN sind eindeutig - wo sind denn Ihre Argumente, die entkräften, das Assads Shabiha hinter dem Massaker steckt?

Orginal Zitat aus denm UN Bericht:

""While a small proportion of the deaths appeared to have resulted from artillery and tank rounds used against the villages, the U.N. later announced that most of the massacre's victims had been "summarily executed in two separate incidents""......

das heißt: ein Teil der Opfer in Houla wurde durch Bombenangriffe der Assadmilitärs getötet.

Diese Aussage ist eindeutig in der Schuldzuweisung: Die Rebellen oder der SNC besitz keine großkalibrigen Waffen.
Wer sollte es sonst gewesen sein Als Assdmilitärs - die das Stadtviertel noch dazu abgeriegelt hatten?

Daraus abgeleitet: Es ist bewiesen, das der Teil der Opfer, die Durch Artelleriebeschuß ermordet wurde, eindeutig Assad zuzuschreiben ist -laut UN bericht.

3. Während des Bombardements war das Stadtteil hermetisch abgeriegelt - damit niemand flüchten konnte.
Wer hätte dann die Möglichkeit gehabt - die Sperren der Assadmilitärs zu durchbrechen - um das Massker zu begehen?

Also wird zeit, das Sie sich für Ihre falschen Infos entschuldigen.

UN Bericht

According to the U.N. investigation, of the 108 confirmed dead, "fewer than 20" were killed by tank and artillery fire.

Most of the remainder were killed in "summary executions", and "entire families were shot in their houses" in the village of Taldo.

The Local Coordination Committees, a network of opposition activists inside Syria, stated that the attack by the military was preceded by mortar shelling of the town, which in itself left entire families dead.

Activists stated that they had attempted to contact U.N. monitors during the night of the massacre, but the monitors refused to come.

Nach dem UN - Bericht hatten die Betroffenen in der Nacht des Massakers versucht, Kontakt zu den UN Beobachtern aufzunehmen - ohne Erfolg. Die Beobachter hatten abgelehnt,
- aus welchen Gründen auch immer, in dem Stadtteil zu kontrollieren.

Darstellung des Houla Massakers
mit 80 Quellen und staatlichen Reaktionen
http://en.wikipedia.org/w...

Fragen

erst einmal möchte ich dem Kommentar #1 Recht geben.

Bei mir ergeben sich hier jetzt einige Fragen:
1. Womit bestreitet Herr Seida momentan seinen Lebensunterhalt?
2. Was berechtigt Herrn Seida und natürlich auch den SNC im Namen des syrischen Volkes zu sprechen, wenn Sie noch nicht einmal die "Opposition" vetreten?
3. Was meint Herr Seida mit der Einlassung: "dass die internationale Gemeinschaft eine entschlossene Entscheidung gegen das Regime trifft, das weiterhin Massaker verübt"? Ist das die Aufforderung an ausländische Truppen, die Ziele von Herrn Seida und des nichtlegitimierten SNC in Syrien mit Gewalt durchzusetzen?

Für eine Beantwortung der Fragen wäre ich dankbar, da sich bei mir immer mehr die Auffassung festsetzt, dass hier nun wirklich nicht das Volk Syriens im Mittelpunkt steht. Ich glaube, dass der Ansatz des Herrn Lawrow der richtige ist: Alle an einen Tisch - auch der Iran - und eine gemeinsame Lösung finden.

Meiner Meinung nach ist es mehr als deutlich, dass in Syrien ein Bürgerkrieg tobt, der auf der einen Seite den Staat Syrien hat und auf der anderen Seite ein "Wolfsrudel", welches auch mal seinen Nachbarn totbeißt, weil gerade nichts anderes zum Fressen da ist. Wölfe haben aber wenigstens ein gemeinsames Ziel!

@4: Antworten

1.) Der Sinn der Frage womit Herr Seida seinen Lebensunterhalthalt verdient erschließt sich mir nicht so ganz, er lebt im schwedischen Exil (swissinfo.ch), vermutlich verdient er ihn mit Arbeit... (sollten Sie Erkenntnisse haben, daß er seinen Lebensunterhalt durch eine Three Letter Organisation bestreitet, so seien Sie doch so nett und teilen uns Ihre Erkenntnisse mit).

2.) mmmh, ich würde vermuten, daß er zumindest im Interesse aller derjenigen spricht, die es fragwürdig halten, wenn mit Artillerie auf Stadtviertel im eigenen Land geschossen wird, und dies allen Erstes als Aufrechterhaltung der Ordnung gerechtfertigt wird...

3.) Das ist die berechtigte Forderung all derer, die wie in der Wikipedia (http://de.wikipedia.org/w...) Zitat:"Es hat aber de facto ein Einparteiensystem, da eine Partei, die syrische Baath-Partei, das gesamte politische System des Landes dominiert. Formal jedoch befindet sie sich in einer Koalition mit kleineren Blockparteien. Praktisch trägt die syrische Regierung Züge einer Diktatur.[22][23][24]" die Legitimation von Herrn Assad *ein wenig* in Zweifel ziehen.

Merciful Sister