SyrienAuswärtiges Amt schätzt Aussicht auf politische Lösung als gering ein

Berlin verschärft gegenüber Assad den Ton. "Die Lage ist schrecklich", sagt Merkel, "die Zeit läuft ab", lässt Westerwelle wissen. Praktisch bleibt es bei Appellen.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) bei einer Pressekonferenz in Beirut

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) bei einer Pressekonferenz in Beirut

Die Bundesregierung hat auf das neue Massaker in Syrien reagiert. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) dringt auf schärfere Sanktionen gegen die Regierung in Damaskus. Es seien "stärkere politische und diplomatische Maßnahmen" des UN-Sicherheitsrates notwendig, sagte er nach einem Treffen mit dem libanesischen Ministerpräsidenten Nadschib Mikati in Beirut. Deutschland strebe dabei nicht-militärische Maßnahmen nach Kapitel VII der UN-Charta an.

Dazu gehören in erster Linie für alle Mitgliedstaaten verbindliche Sanktionen gegen die Regierung von Syriens Präsident Baschar al-Assad für weitere Verstöße gegen den Friedensplan des Syrien-Sondergesandten Kofi Annan, erläuterte Westerwelle. Er appellierte in dem Zusammenhang vor allem an Russland, "dem Assad-Regime seine schützende Hand zu entziehen".

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Das Massaker, bei dem Regierungstruppen und mit ihnen verbündete Milizen nach Angaben der Opposition am Mittwoch in zwei Dörfern in der Provinz Hama Dutzende Menschen getötet hatten, verurteilte Westerwelle in Beirut "auf das Schärfste". In Syrien nähmen Gewalt und Grausamkeiten zu, die UN-Beobachter würden bei ihrer Arbeit behindert: "Die Verantwortung für all das liegt beim syrischen Regime." Westerwelles Sprecher sagte in Berlin: "Die Zeit für die Umsetzung einer politischen Lösung läuft nach Einschätzung des Außenministers nach den jüngsten Gesprächen ab. Sie läuft nicht nur ab, angesichts der eskalierenden Lage kann man sogar sagen, dass sie rennt."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wandte sich mit einem dringenden Appell an den UN-Sicherheitsrat: "Die Lage in Syrien ist schrecklich." Es müsse alles daran gesetzt werden, "eine politische Lösung zu finden, um endlich den Menschen wieder die notwendige Sicherheit zu geben". Regierungssprecher Steffen Seibert sagte: "Es sind wieder viele Menschen – wahrscheinlich mindestens 80 – ermordet worden, darunter viele Frauen und Kinder, und man muss sagen: zum Teil bestialisch ermordet worden." Eine Regierung, die solche Taten zulasse, habe jede Legitimität verspielt. Ohne einen Rücktritt Assads sei eine politische Lösung des Konflikts undenkbar.

"Fünf Granaten pro Minute"

Oppositionelle berichteten von Angriffen in der Unruheprovinz Homs: "Assads Truppen versuchen, Al-Chalidija im Norden der Provinz aus zwei verschiedenen Richtungen zu stürmen. Die revolutionären Kämpfer bieten ihnen mit allen verfügbaren Mitteln die Stirn", sagte der Aktivist Omar Homsi der Nachrichtenagentur dpa. Die in London ansässige Oppositionsgruppe Syrian Observatory for Human Rights teilte mit, zahlreiche Granaten der Assad-Armee seien in Al-Chalidija eingeschlagen, und zwar "fünf pro Minute".

Bei zwei Anschlägen sind am Freitag mindestens sieben Menschen getötet worden. Bei einem Angriff auf eine Polizeistation in der nördlichen Provinz Idlib seien fünf Menschen getötet worden, teilte die Londoner Oppositionsgruppe mit. Ob es sich dabei um Polizisten handelte, war zunächst unklar. Am Rande der Hauptstadt Damaskus starben nach Angaben derselben Quelle mindestens zwei Sicherheitsleute durch eine Sprengfalle.

Lévy hält Militäreinsatz für einfacher als in Libyen

Eine Militärintervention in Syrien wäre nach Ansicht des französischen Philosophen Bernard-Henri Lévy einfacher als in Libyen. In einem Interview der Zeitung Le Parisien nannte er dafür drei Gründe. Die Arabische Liga sei "noch entschlossener" als im Fall Libyens, den syrischen Staatschef Assad loszuwerden. Mit der Türkei gebe es zweitens einen mächtigen regionalen Bündnispartner, der für eine solche Intervention bereitstehe. Drittens sei Libyens gestürzter Staatschef Muammar al-Gaddafi verrückt gewesen: "Assad dagegen ist es nicht, und es ist nicht ausgeschlossen, dass ihn schon eine minimale Intervention, ein Zeichen zum Nachdenken bewegt."

Lévy, der sich in der Libyen-Krise bei Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy erfolgreich für ein militärisches Eingreifen stark gemacht hatte, hat auch dessen Nachfolger François Hollande zum Eingreifen aufgefordert. Der neue Präsident verlangt dafür aber ein Mandat der Vereinten Nationen. Im UN-Sicherheitsrat stehen bisher die Vetomächte Russland und China gegen jede militärische Einmischung in Syrien.

 
Leserkommentare
  1. Die Meldung ist ja vom gestrigen Tage und das wahre Geschehen dürfte auch der Bundesregierung längst bekannt sein und trotzdem macht sie weiter, die Schuldigen zu unterstützen und die Opferseite zu erniedrigen.

    "Die Bundesregierung hat auf das neue Massaker in Syrien reagiert. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) dringt auf schärfere Sanktionen gegen die Regierung in Damaskus."

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    bekannt sein"

    In der Tat, wenn einem das nicht zu denken gibt, kann vermutlich nichts mehr den Glauben an die Wahrhaftigkeit der Regierung erschüttern.

    bekannt sein"

    In der Tat, wenn einem das nicht zu denken gibt, kann vermutlich nichts mehr den Glauben an die Wahrhaftigkeit der Regierung erschüttern.

  2. "Vermutlich wird er daher auch sterben müssen oder mit Glück nach Den Haag kommen."

    Ich glaube, Sie irren sich. Ich bin überzeugt daß die Mehrheit des Volks hinter Assad steht und es werden täglich mehr.
    Das Geschrei des Westens ist nur ein Zeichen dafür, daß die TERRORISTEN mit dem Rücken zur Wand stehen. Man versucht von denen zu retten was noch zu retten ist. Man ist dies Katar und Saudi-Arabien schuldig.

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    • joG
    • 09.06.2012 um 9:20 Uhr

    ....oder falsch liegen. Aber es ist egal, ob die Mehrheit überwältigend oder knapp zum Diktator steht. Massen mord ist auch einem populären Diktator nicht erlaubt. Auch dann nicht, wenn der Populus die Morde fordert wie im ehemaligen Jugoslawien oder sie nur still schweigend duldet wie im Dritten Reich.

    Die Wahrscheinlichkeit, dass er in Freiheit überlebt ist stark gesunken, als die ersten Demonstranten starben. Seither sinkt sie stetig. Nur Asyl in einem anderen autokratischen Staat wie Russland oder so böte sich an, wenn er einer Strafe entgehen will. Die Weltgemeinschaft kann ihn eigentlich nicht ohne Strafe lassen. Das würde den Gerichtshof völlig delegitimieren und das ist eine der Grundpfeiler der Legitimität der UNO.

    • joG
    • 09.06.2012 um 9:20 Uhr

    ....oder falsch liegen. Aber es ist egal, ob die Mehrheit überwältigend oder knapp zum Diktator steht. Massen mord ist auch einem populären Diktator nicht erlaubt. Auch dann nicht, wenn der Populus die Morde fordert wie im ehemaligen Jugoslawien oder sie nur still schweigend duldet wie im Dritten Reich.

    Die Wahrscheinlichkeit, dass er in Freiheit überlebt ist stark gesunken, als die ersten Demonstranten starben. Seither sinkt sie stetig. Nur Asyl in einem anderen autokratischen Staat wie Russland oder so böte sich an, wenn er einer Strafe entgehen will. Die Weltgemeinschaft kann ihn eigentlich nicht ohne Strafe lassen. Das würde den Gerichtshof völlig delegitimieren und das ist eine der Grundpfeiler der Legitimität der UNO.

  3. Die Bundesregierung is leider dazu verdammt Ja zum Krieg zu Sagen. Ein zweites NEIN wie zum Krieg gegen Lybien können sich weder Westerwelle noch Merkel leisten.

    Merkel ist in der Klemme wegen Ihrer €-Politik.
    Sagt Sie nein zum Krieg, dann wird sie durch die Kriegs-Presse quasi verissen.

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  4. Merkel und Westerwelle bevorzugen für Syrien eine beliebte Eskalationstaktik: Einkesseln ohne zu kommunizieren. So erreicht man ein Maximum an Leid, an dem man sich hinterher hochziehen möchte. Die Lösung des Konfliktes wäre um einiges zügiger zu erreichen, wenn Russland nicht als alleiniger konstruktiver Akteur auftreten müsste. Hat einer von dein beiden eigentlich schonmal Kontakt zur syrischen Regierung aufgenommen? Eine Leitung müsste ja liegen...

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  5. bekannt sein"

    In der Tat, wenn einem das nicht zu denken gibt, kann vermutlich nichts mehr den Glauben an die Wahrhaftigkeit der Regierung erschüttern.

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  6. was nicht geht. Mich interessiert, was geht. Und dass Syrien derzeit eine für alle Beteiligten eine vernichtende humanitäre Katastrophe darstellt, das weiß ich bereits. Zuviele bluttrifende Heuchler, gewalttätige Schwätzer und Dünnbrettbohrer.
    Und, nicht dass da einer ist, der glaubt zu wissen ..., wenn alle recht haben, sterben die Kinder.

  7. Der italienische Photograph Marco di Lauro erklärte, dass er sich über die mangelnde Aufsicht von BBC über ihre Nachrichtenquellen wundere. „Ich kam um 3 Uhr morgens nach Hause und öffnete die Webseite von BBC. Auf der ersten Seite stand eine Nachricht über die Ereignisse in Syrien und ich fiel fast vom Stuhl,” sagte er und ergänzte: „Eines meiner Photos von Irak wurde von der BBC benutzt um das gestrige Massaker in Syrien darzustellen und es hieß, dieses Bild sei von einem syrischen Aktivisten gesendet worden. Dabei habe ich selber dieses Photo geschossen und es ist sogar auf meiner eigenen Webseite zu sehen.” ...
    http://www.politaia.org/t...

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  8. Ja es ist wirklich erbaermlich, dass wir von allen Seiten mit Falschinformationen zugeballert werden...die ZEIT haelt weiterhin zu ihrer Quelle (siehe auch Kommentar 7) Syrian Observatory for Human Rights, dabei wurde diese Quelle schon mindesten 20 mal hier im Forum von anderen Kommentatoren als "unglaubwuerdig" ausgegrenzt. Es scheint mir auch ein Krieg der Quellen zu sein und wer welcher Quelle vertraut.
    Sicher scheint mir auf alle Faelle zu sein, dass Assad nicht das einzige Übel ist, die westliche Politiker und die Westliche Presse macht aber, als sei der der einzige Stolperstein, der aus dem Weg geraeumt werden muesse. Ein Regimechange in Syrien wir ein viel groesseres Chaos verbreiten...da die Opposition keineswegs homogen ist, nicht zusammenarbeitet und von Islamischen Terroristen und Banditen unterwandert ist. Das wird schlimmer als im Irak!
    Daher:
    Alle an einen Tisch und die Gewalt/Macht aufteilen!
    inclusive aller äusseren Mächte die sowieso Einfluss nehmen!

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