AfghanistanMehr als 20 Tote bei Talibanangriff

Radikale Islamisten haben ein Hotel nahe Kabul überfallen. Afghanische Polizisten töteten die Angreifer, im Gefecht starben auch mehrere Hotelangestellte. von dpa

Rauch über dem Spozmai-Hotel 25 Kilometer westlich von Kabul

Rauch über dem Spozmai-Hotel 25 Kilometer westlich von Kabul  |  © Omar Sobhani/Reuters

Die Polizei in Kabul hat einen Angriff auf ein Hotel nahe Kabul nach zwölf Stunden beendet. Mindestens 26 Menschen starben bei dem Einsatz, darunter die sieben beteiligten Aufständischen eines Terrorkommandos der Taliban. Auch 15 Zivilisten, drei Wachleute und ein Polizist seien bei den mehrstündigen Gefechten am Freitag getötet worden, sagte der örtliche Polizeichef.

Nach Polizeiangaben war das Taliban-Kommando gegen Mitternacht in das Ausflugshotel nahe der afghanischen Hauptstadt eingedrungen. "Zunächst hat die Polizei aus Angst um die Sicherheit der Gäste nicht eingegriffen", sagte der Polizeichef. Insgesamt hätten sich zwischen 350 und 450 Menschen in dem Anwesen aufgehalten, als es attackiert wurde. Einige wurden vorübergehend als Geiseln genommen. "Die Aufständischen haben die Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbraucht", sagte ein Sprecher des Innenministeriums.

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Erst am frühen Morgen habe der Einsatz begonnen, sagte der Polizeichef. Die Polizei habe das Hotel umstellt und evakuiert. Anschließend hätten sich die Aufständischen heftige Schusswechsel mit afghanischen Sicherheitskräften und Nato-Soldaten geliefert. Ein Sprecher der Internationalen Schutztruppe Isaf bestätigte, dass die Afghanen von ausländische Truppen unterstützt wurden. Der Einsatz sei jedoch von den einheimischen Kräften geführt worden.

Die radikal-islamischen Taliban bekannten sich zu dem Angriff. Er habe Afghanen und Ausländern gegolten, die das Hotel für "wilde Partys" missbrauchten, hieß es. Das an einem See gelegene Kargah ist ein beliebtes Ausflugsziel rund 20 Kilometer westlich von Kabul. Afghanen verbringen dort gern den arbeitsfreien Freitag.

Westerwelle verurteilt Gewalt

Außenminister Guido Westerwelle verurteilte die Tat und bedauerte den Verlust von Menschenleben. Deutschland werde seine Politik in Afghanistan aber nicht ändern, versicherte er bei einem Besuch im südindischen Bangalore . "Der Terror wird uns nicht davon abbringen, für eine bessere, friedliche Zukunft für Afghanistan zu arbeiten."

Zuletzt hatte es in Afghanistan verstärkt Anschläge gegeben. Am Mittwoch hatte sich ein Selbstmordattentäter auf einem Markt im Osten des Landes neben einer Nato-Patrouille in die Luft gesprengt. Dabei waren mindestens drei US-Soldaten und zahlreiche afghanische Zivilisten getötet worden. Anfang Juni waren bei einem Doppelanschlag im südlichen Kandahar mindestens 25 Menschen ums Leben gekommen.

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Leserkommentare
    • TDU
    • 22. Juni 2012 8:53 Uhr

    Was soll man dazu sagen zu dieser Begründung. Moralischen Lebenswandel mit Mord und Totschlag durchsetzen wollen. Also Abzug und sich selbst überlassen, damit keiner mehr Vorwände hat und sie die "Sache" Kultur unter sich ausmachen können.

    Und dann eine klare und "offensive" Absage an alle Angehörige jeglicher Religion und Weltanschauung, die solche Verhältnisse im Westen etablieren wollen. Zur Freiheit gehört die Unmoral wie die Moral. Wenn Politik zu etwas taugt, dann dazu, die Verhältnisse friedlich aus zu tarieren, wie es (noch) im Westen funktioniert.

    Aber auch hier gibt es zunehmend politische Tendenzen zur Bevormundung des friedlichen Menschen, um das angeblich existierende absolut "Gute" her zustellen. Da wird zwar nicht mit miliärischen Mitteln gearbeitet, aber versucht entsprechendes Druckpotential durch fiskalische und binnenpoltische Entscheidungen auf zubauen.

    3 Leserempfehlungen
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    nur mit Gewalt durchzusetzen, da Menschen Freude an Genuss und Leichtigkeit haben, wenn sie die Gelegenheit haben, diese in welcher Form auch immer zu leben.

    Verhindern kann ein solches glücklich machendes Lebensgefühl nur Angst vor Konsequenzen, wobei das nie bis in letzte Konsequenz klappt, wie sich in allen Zeiten gezeigt hat.

    Schade, dass die Moralwächter nie auszusterben scheinen und so viel Leid über Menschen in vielen Regionen der Welt bringen.

  1. nur mit Gewalt durchzusetzen, da Menschen Freude an Genuss und Leichtigkeit haben, wenn sie die Gelegenheit haben, diese in welcher Form auch immer zu leben.

    Verhindern kann ein solches glücklich machendes Lebensgefühl nur Angst vor Konsequenzen, wobei das nie bis in letzte Konsequenz klappt, wie sich in allen Zeiten gezeigt hat.

    Schade, dass die Moralwächter nie auszusterben scheinen und so viel Leid über Menschen in vielen Regionen der Welt bringen.

    Antwort auf "Bevormundung"
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    hinterlistiger Angriff plus Mord und Totschlag auf unbewaffnete Hotelgäste ist amoralisch hoch drei.

  2. Raus aus der Gegend bitte und warten.........US kann ja seine Drohnen einstzen, eventeuel wird dann auch mal geklärt wer haftet, wie diese Einsetze gerechtfertigt sind, welchem Recht sie überhaupt unterliegen, das ist dringend nötig

  3. Sorry für die Fehler, hier ist Nacht.....

    • Calato
    • 22. Juni 2012 10:47 Uhr
    5. Maske

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Spekulationen. Danke. Die Redaktion/kvk

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    • YMB
    • 22. Juni 2012 11:04 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Spekulationen und Provokationen. Danke. Die Redaktion/kvk

  4. ...was jetzt den Westmächten in Afghanistan passiert, ist schon vorher den Sowjets dort passiert. Zwar können die Taleban/Mujaheddin keine offene Feldschlacht gewinnen, aber sie zwermürben und demoralisieren den Gegner, bis dieser sein Engagement von alleine aufgibt.
    In spätestens zwei Jahren wird der offizielle Sieg verkündet, der Krieg wird "afghanisiert" und die fremden Truppen ziehen ab, wie seinerseits die Sowjets über den Pjantsch-Fluss. Dann dauert es nochmal zwei bis drei Jahre und die Taleban sitzen wieder fest im Sattel und an der Macht und das ganze Spiel geht zurück auf Los. Es wird wieder Terrorcamps geben, Leidtragende werden wieder unschuldige Zivilisten auf der ganzen Welt sein, aber vor allem in der näheren Region, insbesondere Zentralasien. Spätestens dann sind wieder die Russen gefragt...und alles nur im Namen eines falschen Glaubens und einer pervertierten Theologie der Taleban.
    Wir ziehen ab um wiederzukommen...

    Eine Leserempfehlung
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    • Bashu
    • 22. Juni 2012 12:28 Uhr

    sind vor allen anderen die Afghanen selbst (die Taliban-Minderheit ausgenommen natürlich), die jahrzehntelangen Kriegen und Zerstörung nun wieder unter das Joch der Taliban zu geraten drohen, und Unterdrückung, Bevormundung und drakonische Strafen für "moralische Untaten" drohen (womit ich nicht sagen will, dass es ihnen unter der NATO blendend ging).

    • YMB
    • 22. Juni 2012 11:04 Uhr
    7. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Spekulationen und Provokationen. Danke. Die Redaktion/kvk

    Antwort auf "Maske"
  5. was können die Taliban bieten was die Sowjets und der Westen nicht konnte?
    Ordnung.
    Klingt pervers, oder?
    Aber ich glaube, das ist genau so, wie mit der Mafia in der Mezzogiorno: wenn man diese besiegen will, muss man selbst zur Mafia werden.
    Ich wünsche der afghanischen Bevölkerung alles Gute und viel Kraft die dunklen Zeiten zu überstehen, und daß die Gotteseiferer für ihre unmenschlichen Taten bei Gott, falls es ihn wirklich gibt, für ihre Taten 10x büßen müssen.

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    Z.B. verfügen sie nicht über die Waffen, mit denen sie große Landstriche verbrennen und dem Erdboden gleich machen können.
    Auf jeden Fall sind die Rezepte aller ausländischen Mächte in Afghanistan bisher alle gescheitert.

    Es gibt mittlerweile überall eine Gleichgültigkeit gegen das Blutvergießen am Hindukusch.
    Außer, wenn ausnahmsweise mal eine Oberschicht in Luxushotels betroffen ist. Dann geht mal wieder ein Aufheulen durch die Politikerkaste und die Journaille.
    So sind Kriege ja auch eigentlich nicht angedacht.
    Das Kanonenfutter und die Hauptleidtragenden haben Unter- und Mittelschicht anzugehören.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Afghanistan | Guido Westerwelle | Ausländer | Anschlag | Außenminister | Gewalt
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