Der griechische Finanzminister und Chef der sozialdemokratischen Pasok , Evangelos Venizelos, hat die Weigerung der radikalen Linken kritisiert, sich an einer Regierung der nationalen Einheit zu beteiligen. Venizelos nannte die "unverantwortlich". Er schlug vor, dass sich die vier wichtigsten Parteien im Parlament in einer Regierung der "nationalen Verantwortung" zusammenschließen. Die Gespräche müssten bis Dienstagabend abgeschlossen sein. Über die Zusammensetzung der Regierung könne man sich leicht einigen.

Das Bündnis der radikalen Linken (Syriza) hatte zuvor angekündigt, nicht an einer Koalitionsregierung teilzunehmen. "Wir werden in der Opposition sein", sagte ihr Chef Alexis Tsipras nach einem Treffen mit dem Vorsitzenden der konservativen Partei Nea Dimokratia, Antonis Samaras. "Wir werden Gegner bleiben", sagte Tsipras . Seine Partei stehe nicht für eine Koalition mit den Sparbefürwortern bereit. Das Linksbündnis mit 71 Sitzen im Parlament werde weiter gegen das mit den internationalen Geldgebern vereinbarte Sparprogramm kämpfen.

Nea Dimokratia (ND) und Pasok, die beide grundsätzlich zu den Sparverpflichtungen stehen, kämen zusammen auf 162 Sitze und könnten noch im Laufe des Donnerstagabend eine pro-europäische Koalitionsregierung bilden – möglicherweise wird auch die gemäßigte Linke an ihr teilnehmen.

ND-Chef Samaras sagte nach einem Gespräch mit Staatspräsident Karolos Papoulias , er wolle so schnell wie möglich eine Regierung des nationalen Konsens zusammenstellen. Die Frage der Regierungsbildung müsse sofort gelöst werden. Er sehe "Spielraum, es zu schaffen". Gemeinsam mit den Parteien, die "an die europäische Orientierung und an den Euro glauben", wolle er eine Regierung zum nationalen Wohl bilden.

Drei Tage Zeit für Regierungsbildung

Papoulias sprach vom "kategorischen Imperativ", rasch eine Regierung zustande zu bringen. Samaras hat für die Regierungsbildung 72 Stunden Zeit. Scheitert er, wäre Syriza-Chef Alexis Tsipras an der Reihe, danach Venizelos. Sollte auch er scheitern, müsste in wenigen Wochen ein drittes Mal gewählt werden. Nach der Wahl vom 6. Mai war eine Regierungsbildung an unterschiedlichen Positionen zum Sparkurs gescheitert.

Die Bundesregierung lehnt die Lockerung der Sparauflagen für Griechenland ab. "Es ist jetzt nicht die Zeit für irgendwelche Rabatte", sagte Vizeregierungssprecher Georg Streiter. Er widersprach auch Überlegungen, den Zeitplan für die Umsetzung der von Griechenland eingegangenen Verpflichtungen zu strecken: "Es macht keinen Sinn, jetzt über Zeitpläne zu spekulieren." Streiter sprach in diesem Zusammenhang von einer Gespensterdebatte.