Grenzkonflikt in SyrienTürkei beruft Nato-Krisensitzung ein

Syrien soll im internationalen Luftraum einen türkischen Kampfjet abgeschossen haben. Ankara will sich jetzt mit der Nato beraten. Mittlerweile wurde das Wrack gefunden. von afp, dpa und reuters

Der türkische Außenminister Ahmed Davutoğlu nach einem Treffen mit Generälen zur Lage in Syrien

Der türkische Außenminister Ahmed Davutoğlu nach einem Treffen mit Generälen zur Lage in Syrien  |  © DEM ALTAN/getty images

Nach dem Abschuss eines türkischen Kampfjets durch die syrische Armee schaltet die Türkei die Nato ein. Außenminister Ahmed Davutoğlu sagte, seine Regierung werde die Nato-Partner wegen des Vorfalls konsultieren. Für Dienstag sei eine Krisensitzung geplant, teilte eine Sprecherin der Nato mit. Laut eines Vertreters der spanischen Regierung befassen sich die EU-Außenminister damit bereits am Montag.

Davutoğlu warf Syrien vor, das türkische Flugzeug in internationalem Luftraum abgeschossen zu haben. Zudem habe es keine Warnung gegeben. Die F4 Phantom habe sich auf einem Ausbildungsflug befunden und keinen Geheimauftrag im Zusammenhang mit den bürgerkriegsähnlichen Unruhen in Syrien gehabt. Die Maschine sei zudem unbewaffnet gewesen. Die Maschine sollte nach seinen Aussagen die Radar- und Verteidigungssysteme der Türkei testen. Er räumte jedoch ein , dass diese den Luftraum Syriens dabei aus Versehen für kurze Zeit verletzt haben könnte.

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Die syrische Flugabwehr hatte den Kampfjet am Freitag abgeschossen. Nach Darstellung der Regierung in Damaskus befand sich die schnell und niedrig fliegende Maschine im syrischen Hoheitsgebiet nur einen Kilometer vor der Mittelmeerküste. Dass es sich um ein Flugzeug aus dem Nachbarland handele, sei erst später erkannt worden.

"Man hege keine feindlichen Absichten"

Der Abschuss belastet das ohnehin gereizte Verhältnis zwischen der Türkei und Syrien. Die Regierung in Damaskus wies am Sonntag Medienberichte zurück, man habe sich in Ankara entschuldigt. "Die syrischen Streitkräfte waren über syrischem Gebiet, als sie den Jet abgeschossen haben", sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Damaskus nach Angaben der regierungsnahen Website Syria Now . Man hege aber keine feindlichen Absichten gegen die Türkei. Vielmehr habe die syrische Luftwaffe die Souveränität des Landes verteidigt.

Großbritannien verurteilte das syrische Vorgehen scharf. Außenminister William Hague sagte, dieser ungeheuerliche Vorfall beunruhige ihn sehr. Seine Regierung stehe für eine robuste Reaktion im UN-Sicherheitsrat bereit.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich "tief besorgt". Er sei besorgt über die " möglichen ernsthaften Auswirkungen dieses Vorfalls für die Region", sagte Ban nach Angaben seines Sprechers Martin Nesirky. Ban begrüßte die bisherige Zurückhaltung der Türkei sowie die gemeinsame Suche von türkischen und syrischen Einheiten nach den vermissten türkischen Piloten. Er forderte beide Länder auf, die Situation auch weiterhin diplomatisch anzugehen.

Leserkommentare
    • Plor
    • 24. Juni 2012 14:51 Uhr

    Entfernt. Bitte bleiben Sie konstruktiv. Danke, die Redaktion/se

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    Was besseres haben die Trolle heutzutage nicht mehr auf Lager?

    Oder bist du gar kein Troll, sondern nur jemand, der immer noch an die Massenvernichtungswaffen im Irak glaubt?

  1. Was besseres haben die Trolle heutzutage nicht mehr auf Lager?

    Oder bist du gar kein Troll, sondern nur jemand, der immer noch an die Massenvernichtungswaffen im Irak glaubt?

    Antwort auf "Oh, ja..."
  2. 11. [...]

    Entfernt, da kein konstruktiver Beitrag. Die Redaktion/au.

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    Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde mittlerweile entfernt. Danke, die Redaktion/au.

  3. .
    ... im Sicherheitsrat vor allem Russland UN-Resolutionen gegen Syrien deutlich und rundweg verhindert hat.

    Russland liefert Baschar al Assad auch Hubschrauber und anderes Kriegsgut.

    Die Türkei griffe sicherlich nur im Windschatten der Nato an, zudem löge man sich sicherlich eionen Angriff vorher als "Vergeltung" zurecht.

    Aber ist nicht die Nato gegen die Rote Armee, ausgelöst durch einen dummen Weitpinklerwettbeweb am Ende des Mittelmeeres, ein Traum von einem Szenario für all die Apokalyptiker und ihre Finanziers, hüben wie drüben?

    Es gruselt einem.

    • Thor36
    • 24. Juni 2012 15:02 Uhr

    sich alles heraus nehmen zu dürfen, wird bestraft.

    Die F-4 war also ein Schulungsflugzeug, das unvermittelt in internationalen Gewässern abgeschossen wurde.

    Die Assad Regierung wird immer größenwahnsinniger.

    Das die NATO den Geisteszustand dieses Despoten berät ist folgerichtig.

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    • gquell
    • 24. Juni 2012 16:49 Uhr

    Sowohl die syrische wie auch die türkische Seite haben bestätigt, daß sich das Aufklärungsflugzeug im syrischen Luftraum befand. Laut syrischer Seite flog es sehr niedrig mit hoher Geschwindigkeit. Das legt zumindest die Vermutung nahe, daß es sich keinesfalls um einen Zufall handelte. Meiner Meinung nach war das eine gezielte Provokation.

    • fse69
    • 24. Juni 2012 15:06 Uhr

    "...Es sollte allen Beteiligten bewusst sein, dass in einer Kriesensituation wie im Moment ein solch "versehentliches Überfleigen" unangemessen war und man mit solch einer Reaktion rechnen musste.

    Anscheinend wollte die Türkei hier einfach mal antesten wie Syrien so reagiert ..."

    Ich weiß nicht, ob diese Maschine tatsächlich kurzzeitig im syrischen Luftraum war - das wäre in der Geographie sicherlich auch nichts ungewöhnliches - doch dürfte es weder internationalen Gepflogenheiten noch Recht entsprechen, ein nicht identifiziertes Flugobjekt sofort und ohne jede Vorwarnung abzuschießen. Ich hoffe nur, dass die Russen nicht irgendwie in die Sache involviert sind. In Latakia unterhält Moskau eine Basis.

    Antwort auf "unnötiger Test"
  4. Geht man die Sache nüchtern an, dann wird man den türkischen Generälen empfehlen, in Zukunft Übungsflüge auf dem eigenen Territorium durchführen zu lassen und nicht an der Grenze zu einem Land, wo gerade ein bewaffneter Konflikt stattfindet. Immerhin wissen doch nun alle, daß die syrische Armee zumindest noch in der Lage ist Luftraumverletzungen nicht nur zu erkennen, sondern auch effektiv zu bekämpfen.

    Will man diesen Vorfall zum Anlaß nehmen, um das Assad-Regimes durch eine türkischhörige Regierung zu ersetzen, dürften unsere saudischen Freunde mit ihrem Mix aus Söldnern und Al Qaida alles andere als sehr erfreut darüber sein, wenn man ihnen die Beute vor der Nase wegschnappt. Das könnte schließlich auch den Waffendeal unserer Kanzlerin gefähren, wenn es darum geht, das wieder einmal deutsche Panzer durch den arabischen Wüstensand pflügen dürfen.
    Ich vermute daher, daß die Türken wohl vorerst ihre osmanischen Träumereien einstellen müssen, denn die Saudis mit ihrem Demokratiebündnis haben in Syrien derzeit Vorfahrt.

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    • fse69
    • 24. Juni 2012 15:31 Uhr

    "...dann wird man den türkischen Generälen empfehlen, in Zukunft Übungsflüge auf dem eigenen Territorium durchführen zu lassen und nicht an der Grenze zu einem Land, wo gerade ein bewaffneter Konflikt stattfindet...."

    ... dass die Türken ca. 800 km (!!!) gemeinsame Grenze mit Syrien haben (?).

  5. ..der 10000 seiner Landsmänner töten läßt, fast jeden Tag für neue Verbrechen gegen die Menschlichkeit sorgt ist "größenwahnsinnig genug" einen türkischen Kampfjet abschießen zu lassen. Ca. 10% der Aleviten besitzen in Syrien mit Waffengewalt die Macht und unterdrücken die ca. 90% Sunniten. Dass es nicht eine Ewigkeit gut gehen kann war abzusehen. Ich wünsche Assad und seinen Schergen ein Ende wie Saddam oder Gaddafi. Was besseres hat er nicht verdient..

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    • talwer
    • 24. Juni 2012 17:22 Uhr

    Laut Wikipedia sind es nur 75% Sunniten.
    15% sind Christen und fast alle Assad Anhänger.
    Aber die zählen für die Türkei so wie so nicht.
    Was mit denen geschehen wird bei einem Sieg der von den Saudis und Amis unterstützten Opposition weiß man schon aus der Geschichte mit dem Irak.
    Das reicht.

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