Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat die geplante Abschlusserklärung für den heute beginnenden UN-Nachhaltigkeitsgipfel in Rio de Janeiro kritisiert. Das Gipfeltreffen sei gescheitert, sagte der politische Direktor von Greenpeace International, Daniel Mittler – vor allem in den Bereichen Gerechtigkeit, Umwelt und Ökonomie. Der vorliegende 49 Seiten umfassende Entwurf gebe keine Antwort auf die ökologischen Krisen der Welt.

Nach tagelangen Verhandlungen über den Entwurf für die Abschlussdeklaration hatten die Delegationen einen von Brasilien vorgelegten Text angenommen. Dieser  wird den knapp 120 Staats- und Regierungschefs, die zu dem Gipfel in Rio erwartet werden, zur Ratifizierung vorgelegt. Bundesumweltminister Peter Altmaier ( CDU ) äußerte sich zwar irritiert über den "sehr überraschenden Vorstoß" Brasiliens, sagte aber, dass der Text einen Weg aufzeige, den er "vorsichtig als denkbar" bezeichnen würde. 

Altmaier soll kämpfen

Grünen-FraktionschefinRenate Künast forderte den Umweltminister auf, trotz des Kompromissentwurfs für die Abschlussdeklaration beim Umweltgipfel um echte Fortschritte zu kämpfen. "Der Gipfel darf nicht scheitern, sondern muss konkrete Ergebnisse bringen", sagte Künast. Leere Floskeln könne man sich angesichts der weltweiten Probleme nicht leisten. "Ich will Peter Altmaier kämpfen sehen, statt sich schon vor Beginn der Konferenz überrumpeln zu lassen."

Konkret mahnte sie wirksame Schritte an gegen die Überfischung der Ozeane und gegen den zunehmenden Mangel an Ackerland. Zudem forderte Künast, dass das UN-Umweltprogramm Unep eine echte Sonderorganisation werde. "Gleichzeitig müssen die Industrieländer endlich zu ihren Versprechen stehen und die vielfach zugesagte Entwicklungshilfe leisten", sagte die Grünen-Politikerin.

Europäer wollten alternative Version

Zuvor hatte Uneinigkeit über den vom Gastgeberland ausgearbeiteten Text geherrscht. Die Europäer hatten ihn als zu schwach bezeichnet und eine alternative Version gefordert. Verschiedene Nichtregierungsorganisationen hatten den Entwurf mit dem Titel "Die Zukunft, die wir wollen" scharf kritisiert und als Misserfolg bezeichnet.

Greenpeace-Direktor Mittler sagte, dies seien nicht die Grundlagen, mit denen sich Wirtschaften ankurbeln oder Menschen aus der Armut führen ließen: "Jetzt werden wir einzig als eine Maschine gesehen, die die Erde verbrennt, die Ozeane leert und tropische Pflanzen zerstört." Einzig der Plan zur Rettung der Ozeane sei als positives Ergebnis der Verhandlungen zu bewerten.