ÄgyptenUSA drängen Militärrat zur Machtübergabe

Die USA zeigen sich besorgt über den Machtzuwachs der ägyptischen Generäle. Der Militärrat müsse Vertrauen wiederherstellen und seine Befugnisse abgeben.

Ein Ägypter malt die Gesichter von Ex-Präsident Mubarak und Militärrats-Chef Tantawi auf eine Wand in Kairo.

Ein Ägypter malt die Gesichter von Ex-Präsident Mubarak und Militärrats-Chef Tantawi auf eine Wand in Kairo.

Die US-Regierung hat den Obersten Militärrat in Ägypten dazu aufgerufen, seine Versprechen zu erfüllen und die Macht an ein demokratisch gewähltes Parlament abzugeben. Die USA seien über jüngste Schritte besorgt, die anscheinend die Machtbefugnisse des Militärs verlängerten, sagte Außenamtssprecherin Victoria Nuland. "Wir rufen den Obersten Militärrat dazu auf, das Vertrauen des Volkes und das internationale Vertrauen in den demokratischen Übergangsprozess wiederherzustellen."

Das Militär müsse seinen erklärten Verpflichtungen nachkommen und die Macht möglichst bald und dauerhaft an eine zivile Regierung abgeben, sagte Nuland. Ein demokratisch gewähltes Parlament müsse rasch seine Arbeit aufnehmen können und das Land eine Verfassung erhalten, die den Willen des ägyptischen Volkes widerspiegele.

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Der Militärrat hatte in der Nacht zum Montag eine neue Verfassungserklärung veröffentlicht, die die Macht des Präsidenten deutlich begrenzt. Zugleich übertrug sie die Vollmachten des in der Vorwoche aufgelösten Parlaments bis zu Neuwahlen auf die Militärführung. Damit obliegt ihm die Kontrolle über Gesetzgebung und Haushalt. Außerdem gaben sich die Generäle in einem Zusatz zur geltenden Verfassungserklärung ein Vetorecht für die neue Verfassung. Erst nach ihrer Fertigstellung soll demnach ein neues Parlament gewählt werden.

Pentagon zeigt sich besorgt

Auch das US-Verteidigungsministerium äußerte sich "zutiefst besorgt" über die neuesten Entwicklungen in Ägypten. "Wir haben darauf gedrungen und dringen weiterhin darauf, dass das Militär die Macht an zivile, gewählte Stellen abgibt und die universellen Rechte der Bevölkerung sowie das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit respektiert", sagte Pentagonsprecher George Little. 

Angesichts scharfer Kritik der Muslimbrüder und der Opposition, die dem Militärrat einen Putsch vorwarfen, versicherten die regierenden Generäle, der neu gewählte Präsident werde Ende Juni wie vorgesehen alle ihm zustehenden Befugnisse erhalten. Der Staatschef ernenne das Kabinett und entscheide bis zur Wahl eines neuen Parlaments gemeinsam mit dem Militärrat über die vom Kabinett vorgelegten Gesetzesvorschläge.

Das Verfassungsgericht hatte am Donnerstag das Wahlgesetz für die Parlamentswahl weitgehend für ungültig erklärt, woraufhin das Militär am Samstag das von den Islamisten dominierte Parlament auflöste. Die vom Parlament gewählte Verfassungsversammlung soll nach dem Willen des Militärs aber ihre Arbeit fortsetzen, sofern die Justiz sie nicht für illegal erklärt. Für diesen Fall hat sich der Militärrat das Recht gegeben, eine neue Versammlung zu ernennen.
 

 
Leserkommentare
  1. Wenn sie sich doch endlich mal raushalten würden. Sie mischen sich überall ein und hinterlassen Pfusch.

  2. Die USA haben viel mehr Einfluss unter den Radikalen als den Generälen. Warum dies so ist... kann sich jeder selbst beantworten.

  3. unterstützen das Militär mit Millionen von Dollars. Warum keine Sanktionen gegen den Militärrat? Die USA und Ihre Verbündeten sind doch sonst sehr schnell dabei?

    2 Leserempfehlungen
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    • J.S.
    • 19.06.2012 um 10:39 Uhr

    Weil man nun mal nicht erst sanktioniert und danach eine Warnung schickt, sondern genau anders herum.

    • J.S.
    • 19.06.2012 um 10:39 Uhr

    Weil man nun mal nicht erst sanktioniert und danach eine Warnung schickt, sondern genau anders herum.

  4. Entschuldigen Sie mein Unverständnis, aber wie kommen Sie darauf, dass die USA mehr Einfluss unter "Radikalen" als unter den Militärs hätten? Außerdem welche Radikalen? Die Muslimbrüder sind nicht alle radikal - da würde man ihnen Unrecht tun. Zudem war Mubarak ein Freund der USA. Daher dürfte es nahe liegen, dass die Verbindungen zu den Generälen besser sind, als zu neuen politischen Kräften des Landes, die erst nach der Revolution Aufwind bekamen.

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    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Spekulationen. Danke, die Redaktion/mk

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Spekulationen. Danke, die Redaktion/mk

    • J.S.
    • 19.06.2012 um 10:39 Uhr

    Weil man nun mal nicht erst sanktioniert und danach eine Warnung schickt, sondern genau anders herum.

  5. 6. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Spekulationen. Danke, die Redaktion/mk

  6. ...ist ein Teppich von Salafisten-Parlamenten im gesamten mittleren und nahen Osten gworden... mit zuweils verstörenden gesetzesentwürfen:

    http://www.bild.de/news/a...

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    • fatiha
    • 19.06.2012 um 12:38 Uhr

    Was ein marrokanischer sektierer erlaubt haben soll, soll kurze Zeit später als Gesetzesentwurf im Parlamant gelandet sein?

    But sources inside the Egyptian Embassy in London have said the claims were 'completely false', 'forbidden in Islam' and 'could never imagine it happening'.

    The source said the proposal, if it even existed, had not reached the parliament - although it was also admitted it could be the work of an extremist politician.

    Although not officially rebutted, the claims that someone inside Egypt could introduce such a law provoked widespread scepticism.

    Read more: http://www.dailymail.co.u...

    • fatiha
    • 19.06.2012 um 12:38 Uhr

    Was ein marrokanischer sektierer erlaubt haben soll, soll kurze Zeit später als Gesetzesentwurf im Parlamant gelandet sein?

    But sources inside the Egyptian Embassy in London have said the claims were 'completely false', 'forbidden in Islam' and 'could never imagine it happening'.

    The source said the proposal, if it even existed, had not reached the parliament - although it was also admitted it could be the work of an extremist politician.

    Although not officially rebutted, the claims that someone inside Egypt could introduce such a law provoked widespread scepticism.

    Read more: http://www.dailymail.co.u...

  7. Betrachtet man die Entwicklungen in Argentinien zwischen 1945 - ca. 1985 lassen sich sehr viele Gemeinsamkeiten zu Ägypten jetzt feststellen. Es gibt keinen Hebel den Militärrat von der Macht zu trennen, denn welchen Anreiz haben sie, zu verzichten? Wahrscheinlicher ist, dass in den nächsten Monaten wieder Gesetze erlassen werden, die viele Freiheiten einschränken um für Frieden und Ruhe zu sorgen. Das gefährliche an eine Revolution ist nicht die Zeit davor und während dessen, sondern danach.
    Von außen wird man nun jedoch schwer Einfluss nehmen können, auf die weitere Entwicklung, denn welche Druckmittel hat die USA?
    Der Demokratieprozess ist etwas sehr langwieriges, bei dem es noch viele Rückschritte geben wird, aber diesen Weg müssen die Ägypter größtenteils alleine gehen. Man kann nur hoffen, dass es keine neuen Unruhen gibt, welche dann die Basis für verschärfte Gesetze sein könnten.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
  • Kommentare 9
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  • Schlagworte USA | Ägypten | Bevölkerung | Militär | Justiz | Kabinett
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