Marienstatuen säumen die Straßen und Gassen im Beiruter Vorort Dura. Er ist unschwer als christliches Viertel zu erkennen und er ist kleinbürgerlich. Wen die Bewohner hier nicht mögen, ist Schiitenführer Hassan Nasrallah . Sie fürchten den sprachgewaltigen Hisbollah-Chef vor allem wegen seiner Qualitäten als Menschenfänger. Seine schiitische Partei und Miliz schafft es wie kaum eine andere Fraktion im Libanon , Anhänger auf die Straße zu bringen.

Und doch sitzen die Anwohner von Dura am Abend des 18. Juli alle um die Fernseher und lauschen angestrengt dem der Hisbollah nahestehenden Satellitensender Al-Manar. In Angesicht des Bürgerkrieges in Syrien erwarten sie gespannt eine Rede von Nasrallah. Zuletzt war es um den Politiker ruhig geworden, seit Revolutionen und Aufstände die arabische Welt erschüttern. Dass Nasrallah seinem politischen Unterstützer Baschar al-Assad die Treue hält, ist für die Anwesenden hier klares politisches Kalkül: "Das neue Syrien würde einen Keil zwischen die Hisbollah und den Iran treiben. Die wichtigsten Versorgungslinien würden zusammenbrechen", beschreibt Patrick Manolli, einer der Jugendlichen in Dura, die Lage der Hisbollah.

Der Bürgerkrieg in Syrien dominiert gegenwärtig die libanesische Innenpolitik und die Gespräche der Bürger. Das Schicksal des Libanon ist seit jeher eng mit dem Geschehen des großen Nachbarn Syrien verwoben. Die Jahrzehnte des Bürgerkrieges zwischen 1975 und 1990 haben die Religionen im Libanon voneinander getrennt. Aus ganzen Landstrichen wurden die jeweiligen Minderheiten, ob sie nun Sunniten, maronitische Christen oder Schiiten waren, vertrieben, auch die Viertel der Hauptstadt Beirut sind unter den Glaubensrichtungen aufgeteilt.

Verhärtete politische Fronten

Und die Angst ist wieder da . Nachdem es in den vergangenen Monaten bereits mehrfach zu Schießereien zwischen Assad-Gegnern und -Unterstützern in der nördlich gelegenen Stadt Tripoli gekommen war, verhärten sich inzwischen auch die Fronten zwischen den beiden Parteibündnissen, dem pro-syrischen "8. März" und jenem der Syrien-Gegner, dem "14. März", wobei Ersteres die aktuelle Regierung stellt.

Beide Fraktionen waren 2005 entstanden, als die libanesische Zedern-Revolution die fast 30 Jahre andauernde syrische Militärpräsenz im Libanon beendete. Während Patrick mit gekünstelter Stimme und erhobenen Zeigefinger den moralisierenden Predigtstil Nasrallahs imitiert, preist das Original in seiner Rede die Tapferkeit der am Mittwoch bei dem Attentat in Damaskus ums Leben gekommenen syrischen Generäle. Sie seien Waffenbrüder im Kampf gegen Israel gewesen: "Syrien riskierte sein Bestehen und sein politisches System für den libanesischen Widerstand."

Ansagen wie diese blockieren seit Wochen die libanesische Innenpolitik, die aufgrund knapper Mehrheitsverhältnisse ein fragiles Konstrukt ist. Samir Geagea, Parteichef der christlichen Lebanese Forces und einer der Wortführer im Bündnis 14. März, bezeichnet seine Gegner von der Hisbollah und den Syrischen Sozialnationalisten (SSNP) inzwischen nur noch als "Werkzeuge Assads". Geagea hofft, aus dem Lavieren anderer Parteien politischen Profit schlagen zu können. Im aktuellen Parlament hat die Lebanese Forces aber nur acht von 128 Sitzen. Doch kürzlich konnten sie eine in den Medien des Landes stark beachtete Nachwahl in einem Vorort von Tripoli gegen einen pro-syrischen Kandidaten gewinnen – für Geagea ein gutes Omen für die Parlamentswahlen im kommenden Jahr.