Der erste militärische Konflikt der neuen arabischen Aufstände fand in Libyen statt. Deshalb werden heute auch dessen Parallelen zum Krieg in Syrien herangezogen. Doch der bessere Vergleich ist eigentlich Irak . Was in Syrien passiert , kann nicht in einer Sommeroffensive mit etwas Luftunterstützung der Nato und der arabischen Freunde beendet werden. Hier ist ein Bürgerkrieg in vollem Ausmaß entbrannt. Er wird möglicherweise noch länger, blutiger und verheerender als der im Irak seit 2003.

Der Leiter der letzten UN-Mission in Syrien, General Robert Mood, hat Recht mit der Warnung, dass ein Kollaps des syrischen Staates Folgen haben kann "wie der Untergang des osmanischen Reichs". Selbst mit dem Fall von Assad könnte dieser Krieg nicht vorbei sein. Vielleicht geht er dann auch erst richtig los. Und das liegt daran, dass sich in Syrien drei große Konflikte überlagern. Ein nationaler, der am Anfang herrschte, dann ein regionaler und ein weltpolitischer Konflikt.

In Syrien kämpfen die Truppen des Herrschers Baschar al-Assad und die mit ihm verbündeten Syrer gegen die syrischen Rebellen und weite Teile der sunnitischen Mehrheitsbevölkerung. Auf der Weltbühne im Sicherheitsrat der UN ringt der Westen unter Führung der Vereinigten Staaten mit den Chinesen und Russen, die jede Verurteilung und Bestrafung ihres Verbündeten Assad blockieren. Diese Gegensätze müssen sich nicht Jahre hinziehen. Doch der dritte Konflikt – der regionale – ist der folgenschwerste: Er kann noch lange dauern.

Längst sind beide Staaten militärisch engagiert

Syrien ist zum Schlachtfeld der beiden großen Antipoden der Region geworden: Die beiden islamistischen Staaten Saudi-Arabien und der Iran befehden sich seit Jahrzehnten. Hier in Riad die Schutzmacht der Sunniten und der heiligen Stätten des Islam. Dort in Teheran die Vormacht der Schiiten. Hier das konservative Königshaus al Saud, dort die revolutionär-islamische Diktatur der Mullahs. Die beiden Energiegroßmächte am Golf ringen seit langer Zeit um die Vormacht im Mittleren Osten. Schauplätze sind die Golfregion, der Libanon , Palästina , Jemen , seit 2003 der Irak und nun Syrien.

Für den Iran ist Assads Syrien der neben Irak einzige freundschaftlich gesonnene arabische Staat, Bindeglied zwischen Irak und Libanon und Anlegesteg am Mittelmeer. Für Saudi-Arabien ist Assads Sturz die große Chance, den Iran entscheidend zu schwächen. Man möchte selbst in Syrien Schutzmacht der Sunniten werden, die fast drei Viertel der Bevölkerung stellen.

Längst sind beide Staaten militärisch engagiert. Iran beliefert Assad mit Waffen aller Art, Raketen sind auch darunter. In Syrien kämpfen iranische Milizen Seit an Seit mit Regierungstruppen, iranische Militärberater sind seit langem im Land. Seitdem Assad ganze Städte bombardiert, reagiert Saudi-Arabien mit der Aufrüstung der Opposition. Es ist nicht bewiesen, dass Riad Waffen schickt, aber gesichert, dass viel Geld für Waffen fließt. Wie effektiv das sein kann, zeigt sich noch heute in Afghanistan , wo radikale Milizen über 20 Jahre nach der Aufrüstung durch Saudis und Amerikaner immer noch genug zum Schießen haben.