Syrien-KriegFrieden gibt es nur mit Teheran

In Syrien kämpfen die Regionalmächte Saudi-Arabien und Iran um die Vorherrschaft. Assads Sturz würde deshalb den Krieg noch lange nicht beenden.

Krieg in Syrien: Marat al-Numan in der Nord-Provinz Idlib, 27. Juli 2012

Krieg in Syrien: Marat al-Numan in der Nord-Provinz Idlib, 27. Juli 2012

Der erste militärische Konflikt der neuen arabischen Aufstände fand in Libyen statt. Deshalb werden heute auch dessen Parallelen zum Krieg in Syrien herangezogen. Doch der bessere Vergleich ist eigentlich Irak. Was in Syrien passiert, kann nicht in einer Sommeroffensive mit etwas Luftunterstützung der Nato und der arabischen Freunde beendet werden. Hier ist ein Bürgerkrieg in vollem Ausmaß entbrannt. Er wird möglicherweise noch länger, blutiger und verheerender als der im Irak seit 2003.

Der Leiter der letzten UN-Mission in Syrien, General Robert Mood, hat Recht mit der Warnung, dass ein Kollaps des syrischen Staates Folgen haben kann "wie der Untergang des osmanischen Reichs". Selbst mit dem Fall von Assad könnte dieser Krieg nicht vorbei sein. Vielleicht geht er dann auch erst richtig los. Und das liegt daran, dass sich in Syrien drei große Konflikte überlagern. Ein nationaler, der am Anfang herrschte, dann ein regionaler und ein weltpolitischer Konflikt.

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In Syrien kämpfen die Truppen des Herrschers Baschar al-Assad und die mit ihm verbündeten Syrer gegen die syrischen Rebellen und weite Teile der sunnitischen Mehrheitsbevölkerung. Auf der Weltbühne im Sicherheitsrat der UN ringt der Westen unter Führung der Vereinigten Staaten mit den Chinesen und Russen, die jede Verurteilung und Bestrafung ihres Verbündeten Assad blockieren. Diese Gegensätze müssen sich nicht Jahre hinziehen. Doch der dritte Konflikt – der regionale – ist der folgenschwerste: Er kann noch lange dauern.

Längst sind beide Staaten militärisch engagiert

Syrien ist zum Schlachtfeld der beiden großen Antipoden der Region geworden: Die beiden islamistischen Staaten Saudi-Arabien und der Iran befehden sich seit Jahrzehnten. Hier in Riad die Schutzmacht der Sunniten und der heiligen Stätten des Islam. Dort in Teheran die Vormacht der Schiiten. Hier das konservative Königshaus al Saud, dort die revolutionär-islamische Diktatur der Mullahs. Die beiden Energiegroßmächte am Golf ringen seit langer Zeit um die Vormacht im Mittleren Osten. Schauplätze sind die Golfregion, der Libanon, Palästina, Jemen, seit 2003 der Irak und nun Syrien.

Für den Iran ist Assads Syrien der neben Irak einzige freundschaftlich gesonnene arabische Staat, Bindeglied zwischen Irak und Libanon und Anlegesteg am Mittelmeer. Für Saudi-Arabien ist Assads Sturz die große Chance, den Iran entscheidend zu schwächen. Man möchte selbst in Syrien Schutzmacht der Sunniten werden, die fast drei Viertel der Bevölkerung stellen.

Längst sind beide Staaten militärisch engagiert. Iran beliefert Assad mit Waffen aller Art, Raketen sind auch darunter. In Syrien kämpfen iranische Milizen Seit an Seit mit Regierungstruppen, iranische Militärberater sind seit langem im Land. Seitdem Assad ganze Städte bombardiert, reagiert Saudi-Arabien mit der Aufrüstung der Opposition. Es ist nicht bewiesen, dass Riad Waffen schickt, aber gesichert, dass viel Geld für Waffen fließt. Wie effektiv das sein kann, zeigt sich noch heute in Afghanistan, wo radikale Milizen über 20 Jahre nach der Aufrüstung durch Saudis und Amerikaner immer noch genug zum Schießen haben.

Leserkommentare
  1. Schön, dass sich die Zeit jetzt auch mal vermehrt mit den beiden Mächten im Hintergrund beschäftigt. Also Iran UND Saudi-Arabien.
    Bisher fiel aus propagandistischen Gründen ja immer gerne Saudi-Arabien weg, die ebenso fleißig dabei sind auf Kosten der syrischen Bevölkerung in diesem Konflikt Öl ins Feuer zu gießen. Es reichte, wenn man mit dem Finger auf den ewigen Feind Iran als einzig Schuldigen zeigt.

    Ich wünsche mir mehr solcher ausgewogenen Berichte. Im Ausland wird das Thema ja auch schon seit geraumer Zeit aufgegriffen.

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    Naja, von einigen Mitforisten habe ich eher Gegenteiliges gelsen. Die meisten führten immer nur Saudi-Arabien und natürlich die bösen USA als "Öl-Gießer" an und arrangierten ganze Zeitlinien und Hintergründe neu um ihr Weltbild gefestigt zu sehen

    • Karst
    • 30.07.2012 um 14:01 Uhr

    So ausgewogen ist das auch nicht, nur mal so als Beispiel:

    "Hier das konservative Königshaus al Saud, dort die revolutionär-islamische Diktatur der Mullahs."

    Ich muss den Übergang von Saudi-Arabien von einem totalitären und fundamentalistischen Verbrecherregime zu einem "konservativen Königshaus" verpasst haben.

    Man kann gegen Iran haben was man will, aber die Saudis spielen bei Menschenrechtsverbrechen und der Beschneidung sämtlicher Freiheiten in einer GANZ anderen Liga.

    Dennoch ist es schön, dass der Konflikt zwischen SA und Iran endlich thematisiert wird. Allerdings muss SA endlich offen als das dargestellt werden, was es ist: eine noch sehr viel grausamere Diktatur als es Iran jemals war.

    • Bashu
    • 30.07.2012 um 14:18 Uhr

    Schön zu sehen, dass es neben den zahlreichen flachen Artikel mit "Assad der Schlächter" Rhetorik endlich einen Beitrag, der den Konflikt als das entblößt, was er im Kern ist: Ein regionaler und internationaler Konflikt, in dem Assad und die Opposition vielleicht wenig mehr als Bauern auf einem Schachbrett sind.

    Positiv, einen Artikel zu sehen, dass die übergeordnete regionale Situation in Szene rückt.

    KSA und Iran an einen Verhandlungstisch zu bringen bringt zwar die Gefahr eines Abbruchs und daher eine Eskalation der Lage.

    Jedoch birgt diese Verhandlung auch die Chance, jahrzehnte- und z.T. auch jahrhundertelang währende Sunniten-Schi'iten-Konflikte ein für allemal aus dem Weg zu räumen und dadurch endlich für mehr Stabilität in der Region zu sorgen.

    Besser treffen sie sich früher als später, dann ist eine Deeskalations-Strategie noch denkbar und hoffentlich auch umsetzbar.

    Man kann es ihnen nur wünschen: dabei viel Erfolg!

    Naja, von einigen Mitforisten habe ich eher Gegenteiliges gelsen. Die meisten führten immer nur Saudi-Arabien und natürlich die bösen USA als "Öl-Gießer" an und arrangierten ganze Zeitlinien und Hintergründe neu um ihr Weltbild gefestigt zu sehen

    • Karst
    • 30.07.2012 um 14:01 Uhr

    So ausgewogen ist das auch nicht, nur mal so als Beispiel:

    "Hier das konservative Königshaus al Saud, dort die revolutionär-islamische Diktatur der Mullahs."

    Ich muss den Übergang von Saudi-Arabien von einem totalitären und fundamentalistischen Verbrecherregime zu einem "konservativen Königshaus" verpasst haben.

    Man kann gegen Iran haben was man will, aber die Saudis spielen bei Menschenrechtsverbrechen und der Beschneidung sämtlicher Freiheiten in einer GANZ anderen Liga.

    Dennoch ist es schön, dass der Konflikt zwischen SA und Iran endlich thematisiert wird. Allerdings muss SA endlich offen als das dargestellt werden, was es ist: eine noch sehr viel grausamere Diktatur als es Iran jemals war.

    • Bashu
    • 30.07.2012 um 14:18 Uhr

    Schön zu sehen, dass es neben den zahlreichen flachen Artikel mit "Assad der Schlächter" Rhetorik endlich einen Beitrag, der den Konflikt als das entblößt, was er im Kern ist: Ein regionaler und internationaler Konflikt, in dem Assad und die Opposition vielleicht wenig mehr als Bauern auf einem Schachbrett sind.

    Positiv, einen Artikel zu sehen, dass die übergeordnete regionale Situation in Szene rückt.

    KSA und Iran an einen Verhandlungstisch zu bringen bringt zwar die Gefahr eines Abbruchs und daher eine Eskalation der Lage.

    Jedoch birgt diese Verhandlung auch die Chance, jahrzehnte- und z.T. auch jahrhundertelang währende Sunniten-Schi'iten-Konflikte ein für allemal aus dem Weg zu räumen und dadurch endlich für mehr Stabilität in der Region zu sorgen.

    Besser treffen sie sich früher als später, dann ist eine Deeskalations-Strategie noch denkbar und hoffentlich auch umsetzbar.

    Man kann es ihnen nur wünschen: dabei viel Erfolg!

  2. "In Syrien kämpfen die Regionalmächte Saudi-Arabien und Iran um die Vorherrschaft."

    Assad lebt doch noch, Herr Thumann, und der scheint sich des Sterbens hartnäckig zu verweigern.

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    Die Frage ist nur wie lange noch?
    Die Antwort ist (hoffentlich) nicht mehr lange!

    Die Frage ist nur wie lange noch?
    Die Antwort ist (hoffentlich) nicht mehr lange!

    • gquell
    • 30.07.2012 um 12:48 Uhr

    In den Medien wird immer von den "syrischen Rebellen" gesprochen. Das es sich bei den Rebellen um ausländischen Söldner handelt, wird hier gern verschwiegen.
    Es ist auch nicht richtig, daß Saudi-Arabien erst seit die Offensive der Assad-Truppen Erfolge zeigt, die terrorischen Rebellen unterstützt, das erfolgte schon vorher. Hier wird Ursache und Wirkung umgedreht.

    Wer wirklich eine friedliche Lösung wünscht, der stoppt die Waffenlieferungen und Unterstützung aus dem Ausland mit sofortiger Wirkung. Wenn die Nachbarländer die Grenzen schließen, versiegt der Strom von Menschen, Geld, Waffen und Material nach Syrien. Und wenn die Söldner keinen Lohn für ihre Terrorarbeit mehr erhalten, verschwinden diese. Was dann noch übrigbleibt sind radikale Vertreter, die aus religösen Gründen Terror ausüben.

    Und danach lassen wir Syrien einfach seinen eigenen Weg finden.

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    Woher wissen Sie eigentlich, dass es sich bei den "Rebellen" mehrheitlich um ausländische Söldner handelt? Das es ausländische Söldner in Syrien gibt, möchte ich dabei gar nicht bestreiten, aber nicht alle, die gegen Assad kämpfen oder, besser gesagt, sich gegen die von ihm veranlasste Unterdrückung wehren und sich dabei auch ausländischer Waffen bedienen oder Unterstützung aus dem Ausland annehmen, sind Söldner. Sie geben lediglich eine von der syrischen Propaganda gerne immer wieder verbreitete Propagandabehauptung wieder. Eine statistische Erhebung über die Teilnehmer am bewaffneten Aufstand und deren Zugehörigkeit zu den verschiedenen Lagern wird ja wohl kaum möglich sein. Und wenn irgendwo ein Dutzend Islamisten lokalisiert werden, die sich den Aufstand zunutze machen wollen, dann wird gleich die ganze Opposition - leider z.T. auch von der hiesigen Presse - mit diesen in einen Topf geworfen. Ihren Wunsch, die Waffenlieferungen zu stoppen, könnte ich unterschreiben, solange dies wirklich für alle, auch für Russland, gilt.

    Woher wissen Sie eigentlich, dass es sich bei den "Rebellen" mehrheitlich um ausländische Söldner handelt? Das es ausländische Söldner in Syrien gibt, möchte ich dabei gar nicht bestreiten, aber nicht alle, die gegen Assad kämpfen oder, besser gesagt, sich gegen die von ihm veranlasste Unterdrückung wehren und sich dabei auch ausländischer Waffen bedienen oder Unterstützung aus dem Ausland annehmen, sind Söldner. Sie geben lediglich eine von der syrischen Propaganda gerne immer wieder verbreitete Propagandabehauptung wieder. Eine statistische Erhebung über die Teilnehmer am bewaffneten Aufstand und deren Zugehörigkeit zu den verschiedenen Lagern wird ja wohl kaum möglich sein. Und wenn irgendwo ein Dutzend Islamisten lokalisiert werden, die sich den Aufstand zunutze machen wollen, dann wird gleich die ganze Opposition - leider z.T. auch von der hiesigen Presse - mit diesen in einen Topf geworfen. Ihren Wunsch, die Waffenlieferungen zu stoppen, könnte ich unterschreiben, solange dies wirklich für alle, auch für Russland, gilt.

  3. Syrer vertreiben Feinde aus Aleppo

    Die 11. und 18. Division der syrischen Armee haben die Millionenstadt Aleppo und einige ihrer Randbezirke, wo sich NATO-”Rebellen” versteckt hatten, seit Freitag eingekreist. Verschiedene Quellen berichten, die Regierungsfeinde zögen sich nun wegen der überlegenen Feuerkraft der syrischen Armee aus Aleppo zurück.

    Gegen die bewaffneten Oppositionskämpfer sind [in Aleppo] nicht nur die regulären Streitkräfte angetreten. Gegen die Feinde Assads kämpfen hier auch Kurden sowie verschiedene arabische Stämme. Die Kämpfe in Aleppo stellen somit einen richtigen Bürgerkrieg dar.abischer oder anderer ausländischer Nationalität.

    Wieder syrischer TV-Sender geblockt

    Im Zuge der westlichen “Meinungs- und Pressefreiheit” wurde eine weitere Frequenz von Addounia TV auf dem Nilesat-Satelliten geblockt. Das hat einen einfachen Grund. Der Westen erfindet täglich den Zusammenbruch der syrischen Regierung neu, Syrien berichtet die Fakten über die Schlappe der NATO-Schergen in Aleppo.
    Syrien stark genug jedes Körnchen Erde zu verteidigen.

    Der syrische Außenminister Walid al-Moallem
    “Heute sage ich Euch, dass Syrien stärker ist und unsere Entschlossenheit, sich der Intrige entgegenzustellen ist stärker. Wir haben dies im Felde seit dem Mittwoch bewiesen, als sie für die „Schlacht von Damaskus“ planten. Die Gruppen von Terroristen waren dort in weniger als einer Woche besiegt und der Kampf verloren, so zogen sie nach Aleppo, wo sie mit Sicherheit scheitern.”

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    Ihren Beitrag kann man wirklich nicht für ernst nehmen. Was Sie machen, ist das gleiche, was immer der westlichen Journaille vorgeworfen wird, die Verbreitung billiger Polemik und in diesem Fall syrischen Propagandamaterial. Objektivität und kritisches Auseinandersetzen sieht anders aus. Sie gehen mit Ihrem Beitrag ja noch nicht einmal, aus meiner Sicht gelungenen Artikel ein. Vermutlich haben Sie den Artikel noch nicht einmal gelesen.

    Ihren Beitrag kann man wirklich nicht für ernst nehmen. Was Sie machen, ist das gleiche, was immer der westlichen Journaille vorgeworfen wird, die Verbreitung billiger Polemik und in diesem Fall syrischen Propagandamaterial. Objektivität und kritisches Auseinandersetzen sieht anders aus. Sie gehen mit Ihrem Beitrag ja noch nicht einmal, aus meiner Sicht gelungenen Artikel ein. Vermutlich haben Sie den Artikel noch nicht einmal gelesen.

  4. Naja, von einigen Mitforisten habe ich eher Gegenteiliges gelsen. Die meisten führten immer nur Saudi-Arabien und natürlich die bösen USA als "Öl-Gießer" an und arrangierten ganze Zeitlinien und Hintergründe neu um ihr Weltbild gefestigt zu sehen

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Saudis und Iraner"
  5. 6. Syrien

    Mir macht das Land große Sorge. Das kann gefährlich eskalieren.

    2 Leserempfehlungen
  6. Die Frage ist nur wie lange noch?
    Die Antwort ist (hoffentlich) nicht mehr lange!

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Ruhig, gaaanz ruhig..."
    • Ayreon
    • 30.07.2012 um 13:02 Uhr

    Der Vollständigkeit halber.

    2 Leserempfehlungen

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