Syrien-KriegKeine naiven Resolutionen mehr!

Die UN-Resolutionen zum Frieden während der Olympischen Spiele sind naiv, auch zu Zeiten des Syrien-Krieges. Sie schaden den UN.

Die Flaggen der Olympia-Nationen, London, Juli 2012

Die Flaggen der Olympia-Nationen, London, Juli 2012

In der Antike galt während der Zeit der Olympischen Spiele zwischen den griechischen Stämmen eine strikte Waffenruhe. Die Athleten und Sportbegeisterten sollten vor jeglicher Waffengewalt geschützt bleiben. Dies gebiete der oft beschworene brüderliche olympische Geist. In einer grundsätzlichen Resolution aus dem Jahre 1993 hatte die Generalversammlung der Vereinten Nationen mit Unterstützung des Olympischen Komitees diese Tradition wiederzubeleben versucht.

Pierre Thielbörger

ist Juniorprofessor für Völkerrecht und Humanitäres Völkerrecht an der Ruhr-Universität Bochum.

Darin forderte die Generalversammlung die Mitgliedstaaten dazu auf, den "Olympischen Frieden" ab sieben Tage vor Beginn und bis sieben Tage nach Abschluss der Olympischen Spiele zu bewahren. Seit den Olympischen Spielen in Atlanta im Jahr 1996 hat die Generalversammlung jedes Mal, für Winter- und Sommerspiele gleichermaßen, eine entsprechende Resolution erlassen.

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Vor Kurzem erging die letzte dieser Resolutionen für die Olympischen Sommerspiele in London; sie trägt den bedeutungsschwangeren Namen Building a Peaceful and Better World through Sport and the Olympic Ideal. Zwischen dem Beginn der Olympischen Spiele am 27. Juli 2012 und dem Ende der Paralympischen Spiele am 9. September 2012 werden alle Staaten ermahnt, die Waffen ruhen zu lassen. Die Resolution wurde im Vereinigten Königreich als besonderer Erfolg gefeiert. Denn erstmals hatten alle 193 Mitgliedsstaaten eine Resolution der Generalversammlung zum Olympischen Frieden tunterzeichnet.

Ein Boykott Syriens wäre ein Fehler

Dies ist aber nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite erlebt die Welt zurzeit einen Bürgerkrieg in Syrien wie man ihn sich brutaler kaum vorstellen kann. Zudem besitzt das Regime in Damaskus chemische Waffen. Durch das grenznahe Zusammenziehen dieser Waffen verstößt Syrien auch gegen geltendes Völkerrecht. Denn darin liegt eindeutig eine faktische Drohung mit Gewalt, die die Charta der Vereinten Nationen genauso verbietet wie die tatsächliche Ausübung von Gewalt.

Fast zeitgleich ist auch der dritte Versuch, im Sicherheitsrat eine Resolution zur Abhilfe der Lage in Syrien zu verabschieden, am Veto Russlands und Chinas kläglich gescheitert. Die Lage in Syrien spitzt sich dramatisch zu, und die internationale Gemeinschaft muss tatenlos zusehen.

Trotz dieses Bürgerkriegs schickt Syrien nun die größte Delegation seiner Geschichte zu den Olympischen Spielen: 27 Männer und Frauen reisen nach London, davon zehn Athletinnen und Athleten. Manch einer mag sich den Ausschluss oder den selbst auferlegten Boykott Syriens gewünscht haben, nach dem Modell des US-Boykotts der Spiele in Moskau 1980 oder des sowjetischen Boykotts der Spiele in Los Angeles 1984. Solch eine Forderung wäre aber ein Fehler. Denn einerseits würden so die Athleten bestraft, die durch schwierige Trainingsbedingungen und die Sorge um ihr Land schon gestraft genug sind. Andererseits ist Sport eben nur Sport und sollte nicht für Politik missbraucht werden.

Auch die Vereinten Nationen sollten zu dieser Einsicht gelangen und für die Winterspiele 2014 im russischen Sotschi von der Tradition der unsäglichen olympischen Resolutionen abweichen. Langfristig schaden naive Resolutionen der Glaubwürdigkeit der Vereinten Nationen mehr als dass die ernsthafte Hoffnung bestünde, Diktatoren wie Herr Assad ließen dem Sport zuliebe die Waffen auch nur für einige Tage oder Stunden ruhen.

 
Leserkommentare
  1. so lange sie sich von ein par Veto Mächten vorführen läßt. Diese Institution kostet zur Zeit nur einen Haufen Geld, Entscheidungen, Für und Wider, hat sie schon lange nicht mehr getroffen.

    Die "Weltgemeinschaft" läßt sich vom "Sicherheitsrat der UN gängeln und unterstützt damit Waffenhandel und "Unterdrückung Systeme" Weltweit ohne Konsequenzen.

    Die UN war einmal angedacht für die Wahrung von Menschenrechten ein zu stehen, Da gibt es für die "Vollversammlung" einiges zu tun - Wenn man denn will.

    2 Leserempfehlungen
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    Die UN hat einige wichtige Aufgaben, sie dient als institutioneller Puffer zwischen Konfliktparteien, Gesprächsplattform, dem Meinungsaustausch mit nichtinvolvierten Parteien und schlussendlich als weisender Ratgeber.

    Als eine Weltregierung allerdings versagt die UN, aber das ist auch nicht ihre Aufgabe.

    Über die Zusammensetzung des Sicherheitsrates kann man lange debattieren, aber ich bin damit zufrieden, Einflüsse von Religionen würde ich mir dort nicht wünschen, dann lieber ideologische Blöcke im Gleichgewicht, mit diesen Blöcken kann man zumindest auf einer rationalen Ebene arbeiten.

    Die UN hat einige wichtige Aufgaben, sie dient als institutioneller Puffer zwischen Konfliktparteien, Gesprächsplattform, dem Meinungsaustausch mit nichtinvolvierten Parteien und schlussendlich als weisender Ratgeber.

    Als eine Weltregierung allerdings versagt die UN, aber das ist auch nicht ihre Aufgabe.

    Über die Zusammensetzung des Sicherheitsrates kann man lange debattieren, aber ich bin damit zufrieden, Einflüsse von Religionen würde ich mir dort nicht wünschen, dann lieber ideologische Blöcke im Gleichgewicht, mit diesen Blöcken kann man zumindest auf einer rationalen Ebene arbeiten.

    • aram62
    • 29.07.2012 um 9:17 Uhr

    für die Dauer der Olympischen Spiele die Waffen ruhen zu lassen, mag keine praktischen Auswirkungen haben. Naiv ist sie deshalb nicht, gerade in der gegenwärtigen Situation nicht. Der olympische Friede mag ein unerreichbares Ideal sein, ihn zu verschweigen aber, würde bedeuten, vor der grausamen Realtät zu kapitulieren und sich damit abzufinden. Gerade wenn einem die Hände gebunden sind, kann man immer noch den Mund aufmachen.
    Naiv ist vielmehr das bei jeder Gelegenheit heruntergebetete Mantra, man solle Sport nicht mit Politik vermischen. Jedes öffentliche Handeln ist politisch. Mit internationalen Sport-Events wurde und wird ganz gezielt Politik gemacht, dies zu leugnen ist selbst schon wieder Politik.

    4 Leserempfehlungen
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    Ja, es ist naiv, es ist eine einfältig verträumte Vorstellung, dass es Frieden wegen eines Sportereignisses geben könne. Dies ist aber eine Form von Naivität die nicht schadet, eventuell eine Form der Naivität die hilfreich ist.

    Ja, es ist naiv, es ist eine einfältig verträumte Vorstellung, dass es Frieden wegen eines Sportereignisses geben könne. Dies ist aber eine Form von Naivität die nicht schadet, eventuell eine Form der Naivität die hilfreich ist.

    • drusus
    • 29.07.2012 um 9:27 Uhr

    ...Krieg zu verhindern oder auch nur für kurze Zeit die Waffen ruhen zu lassen, muß genutzt werden. Auch Feuerpausen können Menschenleben retten. Nichts ist naiv diesbezüglich.

    Verblendet ist allerdings derjenige der glaubt, mit Waffengewalt in der Region demokratische Verhältnisse schaffen zu wollen.

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    Stimmt schon. Aber die UN-Resolutionen zum olympischen Frieden bewirken ja eben keine Waffenruhe, nirgends, auch nicht für ein paar Stunden. Vielleicht für die paar Minuten, die die verantwortlichen Diktatoren und Generale brauchen, um kurz zu lachen und verächtlich auszuspucken, wenn wieder so eine dieser Träumereien um die Welt geht.

    Stimmt schon. Aber die UN-Resolutionen zum olympischen Frieden bewirken ja eben keine Waffenruhe, nirgends, auch nicht für ein paar Stunden. Vielleicht für die paar Minuten, die die verantwortlichen Diktatoren und Generale brauchen, um kurz zu lachen und verächtlich auszuspucken, wenn wieder so eine dieser Träumereien um die Welt geht.

  2. 4. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/jz

    Eine Leserempfehlung
  3. weil es praktisch bedeutet, WEGZUSEHEN, und sich endlich nicht mehr um Syrien für ein paar Wochen kümmern zu brauchen.

    ENDLICH MAL URLAUB, was?

    Die Olympier sollten diese Botschaft des olymp. Friedens senden. Wenn es die UNO ut, klingt das wie ein sadistischer Karneval.

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  4. Ihr Artikel:
    "Durch das grenznahe Zusammenziehen dieser Waffen verstößt Syrien auch gegen geltendes Völkerrecht. Denn darin liegt eindeutig eine faktische Drohung mit Gewalt, die die Charta der Vereinten Nationen genauso verbietet wie die tatsächliche Ausübung von Gewalt."

    Im Gegenzug dazu der poitische Direktor des israelischen Verteidigungsministeriums:
    "In Israel gab es keine Bestätigung für Berichte syrischer Regierungsgegner, wonach die Armee Chemiewaffen an Flughäfen an der Grenze verlegt haben soll. Diese Behauptungen hätten mit der wirklichen Situation nichts zu tun, sagte der politische Direktor des Verteidigungsministeriums Amos Gilad am Dienstag im Rundfunk. Israel und das Ausland müssten wachsam bleiben, aber „alle nicht-konventionellen Waffen sind unter der Kontrolle des Regimes und die Armee gehorcht weiterhin den Befehlen von (Präsident) Assad“. Quelle: http://www.faz.net/aktuel...

    10 Leserempfehlungen
  5. 7. [...]

    Entfernt. Bitte wenden Sie sich mit Kritik an Moderationsentscheidungen an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/jz

  6. 8. Naiv?

    Ja, es ist naiv, es ist eine einfältig verträumte Vorstellung, dass es Frieden wegen eines Sportereignisses geben könne. Dies ist aber eine Form von Naivität die nicht schadet, eventuell eine Form der Naivität die hilfreich ist.

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