Südchinesisches MeerChina demonstriert seine Macht mit einem Fischerdorf

Der Streit um die Paracel- und Spratly-Inseln im südchinesischen Meer ist alt. Doch China will jetzt mehr Einfluss nehmen – und macht ein Dorf zur Präfektur. von 

Vietnamesisches Propagandabild über die Spratly-Inseln

Vietnamesisches Propagandabild über die Spratly-Inseln in einer Ausstellung in der nordvietnamesischen Hafenstadt Hai Phong  |  © Reuters

Es sind kleine Inseln im Südchinesischen Meer, oft nur Felsen und Riffe, und doch haben sie das Potenzial für militärische Scharmützel. Der letzte Akt in diesem schwelenden Dauerstreit um Macht und Rohstoffe: Sansha-City, ein größeres Fischerdorf mit rund 1.000 Einwohnern. Am Montag bekam es einen chinesischen Bürgermeister .

Das wäre ein unbedeutendes Ereignis, wenn Sansha nicht zu der international Paracel genannten Inselgruppe gehören würde. Zusammen mit den Spratly-Inseln bilden sie im Südchinesischen Meer eine der großen Konfliktzonen des 21. Jahrhunderts, sie liegen entlang wichtiger Schifffahrtsrouten, im Untergrund werden riesige Gas- und Ölvorkommen vermutet, an denen der Exportgigant China strategisches Interesse hat. Teile dieser Inselgruppen werden von den Asean-Mitgliedern Vietnam , Brunei , Malaysia, den Philippinen sowie Taiwan beansprucht.

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Die Paracel-Inseln werden seit 1974 von Peking kontrolliert. Doch Vietnam ließ Ende vergangenen Monats ein Gesetz verabschieden, das die Inseln zum Territorium Hanois erklärt. Pekings Antwort folgte prompt: Sansha wurde zu einer Präfektur der chinesischen Südprovinz Hainan gemacht. Diese Mini-Präfektur beinhaltet danach die von China Xisha und Nansha genannten Paracel- und Spratly-Inseln sowie die umliegenden, rohstoffreichen Gewässer.

Wer darf die Ölfelder ausbeuten?

Damit nicht genug, beschloss Chinas mächtige Zentrale Militärkommission am Sonntag die Verlegung von Soldaten nach Sansha und am Montag die Bildung einer Sicherheitszone um die Inselgruppe. Ein eindeutiges Herrschafts- und Machtsignal – demonstriert an einem Inselörtchen, das gerade mal eine Post, eine Bank, einen Supermarkt und eine Krankenstation hat.

Südchina-Karte
Südchina-Karte

China, die Paracel- und Spratly-Inselgruppen sowie die Senkaku-Inseln bei Japan. Für eine große Karte klicken Sie bitte auf die Grafik.  |  © Anne Gerdes/ Zeit-Grafik

Die Verwaltungseingemeindung Sanshas durch Peking kam nicht überraschend, Auslöser für eine sofortige Umsetzung waren aber mit Sicherheit die gesetzlich formulierten Ansprüche Vietnams. So sind es zurzeit vor allem gegenseitige Provokationen anstatt umfassender Verhandlungen, die die Territorialkonflikte der Region beherrschen. Beispielhaft dafür steht auch, dass der chinesische Ölriese China National Offshore Oil Corporation (CNOOC) praktisch parallel zur Eingemeindung Sanshas internationalen Investoren Beteiligungen zur Exploration von Öl vor der Küste Vietnams angeboten hat.

Das führte zu erheblichen Irritationen, am 26. Juni legte das vietnamesische Außenministerium Protest ein. Hanoi beansprucht die Ausbeute der Flächen für sich und beruft sich dabei auf die sogenannte Ausschließliche Wirtschaftszone nach dem UN-Seerechtsübereinkommen (Unclos), die sich 200 Seemeilen ins Meer erstreckt. Zudem werden einige Felder laut dem vietnamesischen Energieunternehmen Petrovietnam bereits zusammen mit Exxon , Gasprom und der indischen ONGC Videsh ausgebeutet.

Leserkommentare
  1. dass sich vietnam und china seit ende des vietnam krieges noch nie sonderlich grün waren

  2. Was wünschen sich denn die Bürger, die auf den Inseln leben?

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    musste ich doch schmunzeln...

    • scoty
    • 24. Juli 2012 19:21 Uhr

    und Europa kommt nicht aus der Krise raus.

    Den Satz finde ich toll:

    " Doch gleichzeitig ist China eben der wichtigste Handelspartner geworden, das macht gerade kleinere Staaten gefügig "

    weitere Staaten folgen ganz sicher, z.B. in Afrika.

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    Die Sprathly-Inseln sind wohl erst der Anfang des erneuten Expansionsstrebens der Chinesen. Nach Tibet und Hong-Kong im letzten Jahrhundert wohlgemerkt. Mich wuerde es nicht im Geringsten ueberraschen, wenn China bald auch eigene Kolonien in Afrika errichten wuerde. Natuerlich unter formaler Wahrung der Souveraenitaet dieser Gebiete, wohl aber mit Militaerstuetzpunkten und Regierungen, die von China finanziell unterstuetzt werden.

    Mitunter beschleicht mich der Verdacht, dass auch Griechenland bald in die Einfluss-Sphaere der Chinesen geraten koennte.

    "China greift sich alles unter die Nagel" - holt es sich nicht einfach nur ein bisschen von dem zurück, was ihm von Europa in den Kolonialphasen abgenommen wurde...
    Soweit ich weiß war das komplette Vietnam Gebiet vor dem Eintreffen der Franzosen ein chinesisches Protektorat / Tributstaat, und ein großer Teil im Norden auch Chinesisches Staatsgebiet.

  3. musste ich doch schmunzeln...

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    mich würde es interessieren um den Beitrag besser einstufen zu können.

  4. mich würde es interessieren um den Beitrag besser einstufen zu können.

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  5. Die Sprathly-Inseln sind wohl erst der Anfang des erneuten Expansionsstrebens der Chinesen. Nach Tibet und Hong-Kong im letzten Jahrhundert wohlgemerkt. Mich wuerde es nicht im Geringsten ueberraschen, wenn China bald auch eigene Kolonien in Afrika errichten wuerde. Natuerlich unter formaler Wahrung der Souveraenitaet dieser Gebiete, wohl aber mit Militaerstuetzpunkten und Regierungen, die von China finanziell unterstuetzt werden.

    Mitunter beschleicht mich der Verdacht, dass auch Griechenland bald in die Einfluss-Sphaere der Chinesen geraten koennte.

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    Ich empfehle grundlegende Geschichtskenntnisse bevor ihnen noch unsinnigere Beispiele für angebliche chinesische Expansionsgelüste einfallen...
    Wie wärs mit Macao oder Quingdao? ;)

    Die USA haben 600 Militärstützpunkte weltweit u.a. auch direkt vor der Haustür Chinas. Aus ihren Ausführungen kann geschlossen werden, dass die USA eine Kolonialmacht sind. Bedarf das nicht auch ihrer Kritik, die bisher gänzlich ausgeblieben ist.

    • NDM
    • 24. Juli 2012 20:57 Uhr
    7. Kurios

    China und Vietnam sind doch beides kommunistische Staaten. Wo ist denn die berühmte internationale Solidarität und die Brüderlichkeit der kommunistischen Internationalen geblieben? Oh. Ich lese gerade, dass beide Länder gar keinem einschlägigen internationalen Zusammenschluss angehören. Komische Kommunisten. Sie sind sehr nationalistisch orientiert, heutzutage.

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    • Pangea
    • 24. Juli 2012 21:37 Uhr

    Liebe/r NDM,

    der Kommunismus ist seit annähernd 20 Jahren beinahe Geschichte.

    sie dürfen nicht bloß springer lesen!
    geschichte und Fakten ist was anderes!

    • Pangea
    • 24. Juli 2012 21:37 Uhr

    Liebe/r NDM,

    der Kommunismus ist seit annähernd 20 Jahren beinahe Geschichte.

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    Antwort auf "Kurios"
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    Wie kann etwas Geschichte sein, was es bisher nie gab?

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  • Schlagworte China | Benigno Aquino | Exxon | Militärflugzeug | Philippinen | Vietnam
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