Die katholische Sheshan Kirche in Shanghai © Aly Song/Reuters

China hält möglicherweise einen vatikantreuen Bischof gefangen. Der vom Vatikan ernannte Weihbischof von  Shanghai Thaddeus Ma Daqin soll in der Nähe von Shanghai in einem Priesterseminar unter Arrest stehen. Dies berichtet die britische BBC unter Berufung auf katholische Medien und weitere Quellen. Ma wird seit Samstag vermisst, seitdem er bei seiner Weihe zum Weihbischof von Shanghai seinen Austritt aus der chinesischen Staatskirche verkündet hatte.

Damit spitzt sich der Streit zwischen dem Vatikan und China über Priesterweihen zu. Ma ist der erste Bischof in China, der die Staatskirche verlassen hat. Mas Weihe zum Bischof war vom Vatikan angeordnet und zunächst von China akzeptiert worden. Als Begründung für seinen Austritt gab er bei der Messe vor 1.000 Gläubigen an, dass er wegen seiner neuen Pflichten nicht mehr Mitglied in der Staatskirche sein könne.

Die chinesischen Behörden hätten ihm daraufhin die Ausübung kirchlicher Aufgaben untersagt, sodass er am Sonntag nicht seine erste Messe als Bischof halten konnte, berichtet die South China Morning Post. Dem Bericht zufolge war Ma in Shanghai Vizevorsitzender der dortigen Staatskirche sowie Mitglied im Ständigen Komitee der sogenannten Katholischen Patriotischen Vereinigung.

Laut einem Bericht der katholischen Nachrichtenagentur ucanews meldete sich Ma bei Priestern und Nonnen aus Shanghai mit einer Textnachricht. Er schrieb demnach, dass er erschöpft sei, eine Pause brauche und sich zurückgezogen habe.

Konflikte um Priesterweihen

Dem Austritt Mas aus der Katholischen Patriotischen Vereinigung ging ein Streit zwischen China und dem Vatikan um die Ernennung eines Bischofs voraus. Die Staatskirche hatte am Freitag gegen den Willen des Heiligen Stuhls den Pater Yue Fusheng zum Bischof von Harbin ernannt. Der Vatikan wertete die Weihe als illegitim und drohte mit der Exkommunizierung teilnehmender Priester.

In den vergangenen Jahren gab es zwischen China und dem Vatikan immer wieder Konflikte um Priesterweihen, die nicht vom Papst genehmigt wurden. In China gehören die etwa fünf Millionen Katholiken staatlich registrierten Kirchen oder nicht anerkannten Untergrund-Kirchen an, die dem Papst treu sind.

Der Vatikan versucht seit 2007, die katholische Kirche in China mithilfe einer Kommission unter seiner Führung zu einen. Zugleich fordert er von Peking , Repressalien gegen Priester und Bischöfe der römischen Kirche zu unterlassen. China und der Vatikan unterhalten seit dem Jahr 1951 keine diplomatischen Beziehungen mehr. Hauptgrund dafür ist die Anerkennung Taiwans durch den Heiligen Stuhl.