China : Zehntausende demonstrieren in Hongkong

Seit 15 Jahren gehört Hongkong zu China. Anlässlich des Jahrestages haben Zehntausende gegen den Einfluss der Volksrepublik und den Besuch von Präsident Hu protestiert.
Demonstranten in einer Hongkonger Straße ©REUTERS/Bobby Yip

In Honkong haben Zehntausende gegen Chinas Herrschaft über die Finanzmetropole protestiert, die vor genau 15 Jahren von Großbritannien an die Volksrepublik übergeben worden war. Viele Bürger Hongkongs fühlen sich seither in ihren Rechten beschränkt . Hongkong genießt zwar weitgehend Autonomie von Peking . Auch genießt die Bevölkerung angestammte Rechte, worunter unter anderem die eigene Währung, ein eigenes Rechtssystem und eine in der Volksrepublik nicht denkbare Pressefreiheit fallen.

Anlass für die Proteste war nicht nur der Jahrestag, sondern auch der Besuch des chinesischen Präsidenten Hu Jintao, der anlässlich der Amtseinführung von Hongkongs neuem Regierungschef Leung Chun Ying angereist war. Die Machtübergabe an den Millionär Leung ließ die Menschen erneut den Einfluss der Volksrepublik spüren.

Chinas Präsident Hu versicherte in einer Rede, die Politik der Zentralregierung in Peking unter dem Motto "ein Land, zwei Systeme" bleibe "unerschütterlich". Diese Politik sieht vor, dass die Bevölkerung von Hongkong die angestammten Rechte behält. Der Regierungschef von Hongkong wird nicht direkt vom Volk, sondern von den 1.200 Mitgliedern eines Wahlgremiums gewählt. Für 2017 hat Peking zwar direkte Wahlen versprochen. Allerdings will sich die chinesische Regierung das Recht vorbehalten, Einspruch gegen Kandidaten zu erheben.

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Kommentare

24 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Hongkong

"In Honkong haben Zehntausende gegen Chinas Herrschaft über die Finanzmetropole protestiert."

Hier ist, denke ich, ein Missverständnis. Die meisten Demonstranten in Hongkong haben weniger mit "Chinas Herrschaft" ein Problem, sondern eher ein Problenm mit einer Herrschaft der "KPCh".Chinesischer Patriotismus ist in Hongkong durchaus verbreitet, sowie eine Identifizierung mit China als Nation.Anders in Taiwan.Das heisst: Hongkong-Chinesen interessieren sich schon stark für die Vorgänge in China, auch fordern die Demonstranten eine Aufklärung des Massakers in Peking vor 23 Jahren.Dieses starke Interesse für die Zukunft sowie eine Demokratisierung des ganzen Chinas ist in Taiwan nicht mehr so zu beobachten, weil dort die Leute Festlandchina immer mehr als "Ausland" betrachten.
Die KPCh hat in den letzten jahren durchaus versucht, ein Gesetz in Hongkong einzuführen, das die Presse-und Meinungsfreiheit einschränken sollte, zum Glück ist das dank lautstarker Proteste in Hongkong vorerst verhindert worden.Dies hat aber die Hongkong-Chinesen ziemlich wachgeschüttelt.
Dass die KPCh-Regierung schon immer versucht hat, die wahlen in Hongkong zugunsten Pekings zu beeinflussen, ist auch kein Geheimnis.
"Diese Politik sieht vor, dass die Bevölkerung von Hongkong die angestammten Rechte behält"
Laut Vertrag gilt diese Politik 50 Jahre. 15 Jahre sind schon um. Nach 35 Jahren wird Hongkong wohl auch den Sonderstatus verlieren.Kann die Nervösität der Hongkong-Chinesen daher durchaus verstehen.

Ja, die Nervosität kann man verstehen....

....und ebenfalls, dass sie demonstrieren. Wenn allerdings sie Demonstrationen sich im Reich der Mitte vereinen, so kann es leicht sein, dass die KPCh in 35 Jahren nicht mehr die Führung hat. Die Zahl der Unruhen ist auch am steigen.

Man wird sehen, aber es gibt eine relativ gute Wahrscheinlichkeit, dass die internen Spannungen die Systemstabilität gefährden.

Parallelen zwischen Kaiserwahl und Wahlen in China

Wahlen in Hong Kong sind an sich schon faszinierend.
Nur die Hälfte der Abgeordneten wird gewählt, der Rest wird durch Peking bestimmt. Die von Peking bestimmten Abgeordneten sind die Reichen und Mächtigen Hong Kongs. Entsprechend ist sichergestellt, dass diese "Eliten" sich gegenüber Peking loyal verhalten, denn durch Peking bekommen sie zu zusätzlichem Einfluss.

Für mich gibt es einige parallelen im heutigen China zu dem Feudalsystem in Deutschland vor 1000 Jahren. Auch damals hat eine kleine Schicht von Adligen und Mächtigen den Kaiser unter sich erwählt.
Die Machtspiele damals sind denen bei der Wahl des Generalsekretär/Staatsoberhaupts in China oder Chief Executives in Hong Kong sehr ähnlich.