Demonstranten in Tel Aviv © Abir Sultan/dpa

Ein Demonstrant hat auf einem Protestmarsch in Tel Aviv zum Jahrestag der Sozialproteste gegen hohe Lebenshaltungskosten versucht, sich selbst zu verbrennen. Wie die Polizei mitteilte, hatte der Mann sich mit einer brennbaren Flüssigkeit überschüttet und angezündet. Umstehende Demonstranten hätten die Flammen gelöscht. Der Mann sei schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht worden. Ärzte kämpfen nach einem Bericht der israelischen Zeitung Haaretz um das Leben des Mannes.

In einem Abschiedsbrief hatte der Mann geschrieben: "Der Staat hat mich ausgeraubt und mir nichts gelassen“. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bezeichnete den Vorfall als eine "große persönliche Tragödie", wünschte dem Demonstranten gute Besserung und wies das Sozial- und Wohnungsministerium an, die Umstände der Selbstverbrennung des Mannes zu untersuchen.

Insgesamt demonstrierten am Samstagabend in mehreren Städten des Landes Tausende. Nach Angaben der Polizei nahmen an zwei Protestmärschen in Tel Aviv etwa 2.000 Menschen teil. Organisatoren und Teilnehmer nannten weitaus höhere Zahlen. Auch in Jerusalem , Haifa und Beersheva gab es Demonstrationen.

Die soziale Protestbewegung hatte im Juli vergangenen Jahres mit einem Zeltlager auf dem Rothschild Boulevard in Tel Aviv begonnen. Kurz darauf bildeten sich in weiteren israelischen Städten Protestcamps und es kam zu wöchentlichen Demonstrationen gegen die hohen Lebenshaltungskosten. Ihren Höhepunkt fanden die Proteste im September, als mehr als 400.000 Menschen in ganz Israel auf die Straße gingen und soziale Gerechtigkeit forderten. Die Proteste nahmen jedoch ab, als die Regierung ein Kommitee einberief, das sich mit der Lösung der von den Demonstranten kritisierten Problemen befassen sollte.