Westafrika : Malis Nachbarn drängen auf Intervention

Im Süden Stillstand, im Norden zerstörte Gräber und Scharia: Mali braucht Hilfe. Ein militärisches Eingreifen gegen die Islamisten wird wahrscheinlicher.
Islamistische Kämpfer in der Stadt Gao im Norden Malis © AFP/Getty Images

Von der einst so gelobten Demokratie zum zerfallenden Staat hat Mali eine dramatische Entwicklung durchgemacht. Faktisch ist das westafrikanische Land gespalten: Im Süden herrscht nach dem Militärputsch vom März politischer Stillstand, den Norden kontrollieren islamistische Rebellen mit Al-Kaida-Kontakten – längst warnen Beobachter vor einem neuen Somalia, vor einem endlosen Bürgerkrieg ohne klare Fronten, in dem es nur ums Überleben und den eigenen Vorteil geht.

Die Angst, der Norden Malis könne zu einem neuen Rückzugsgebiet für Terroristen werden, verschafft dem Konflikt international Aufmerksamkeit. Religiöse Extremisten , Drogenschmuggler, Menschenhändler, Tuareg-Separatisten, dazu schwere Waffen, die nach dem Sturz des Gaddafi-Regimes aus Libyen in großen Mengen ins Land kamen, das alles macht nicht nur die Nachbarn nervös. Auch Frankreich und die USA sprechen inzwischen immer offener über militärische Optionen . Die Initiative dafür müssten in ihren Augen aber afrikanische Staaten ergreifen oder Mali selbst.

Die Afrikanische Union und vor allem die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas als regionale Akteure haben in den vergangenen Wochen einerseits beim Sicherheitsrat der Vereinten Nationen für eine Intervention geworben. Neben den bereits laufenden Vorbereitungen für eine Militärmission versuchen sie andererseits, die Krise auf diplomatischem Weg in den Griff zu bekommen.

Gespräche verlaufen im Sand

Das erweist sich grundlegend als schwierig, solange Mali keine funktionierende Regierung besitzt. Übergangspräsident Dioncounda Traoré hat sich nach Übergriffen eines wütenden Mobs ins französische Exil geflüchtet. Schon an der Frage, wer nun überhaupt in der Hauptstadt Bamako das Sagen hat, zerbricht die Hoffnung, das Land könne allein mit der vielschichtigen Rebellion im Norden fertig werden. Die Putschisten haben die Macht abgegeben, üben aber weiter Einfluss aus und spalten das Militär; in einem Jahr soll es Wahlen geben.

Der Präsident von Burkina Faso , Blaise Compaoré hat als Ecowas-Unterhändler sowohl mit den Islamisten von Ansar Dine , die nun fast allein den gesamten Norden beherrschen, als auch mit der stärksten Gruppe der Tuareg-Rebellen MNLA gesprochen. Beide hatten kurz nach dem Putsch  gemeinsame Sache gemacht und die überforderte malische Armee aus dem Norden vertrieben.

Wer bei den Gesprächen aber wem etwas anbieten sollte, ist völlig unklar. Mit den Islamisten, die mit Gewalt die Scharia durchsetzen, Heiligtümer zerstören und die Bevölkerung tyrannisieren, gibt es nichts zu verhandeln. Und die Tuareg-Rebellen, die für einen eigenen Staat gekämpft hatten, wären keine geeigneten Partner, um Ansar Dine und andere Extremisten zu vertreiben. Ihre eigenen Vorstellungen werden sie nicht durchsetzen können, zumal sie nicht die Interessen der gesamten Bevölkerung im Norden vertreten. Organisatorisch und militärisch sind sie inzwischen nachhaltig geschwächt. Zudem sind kriminelle Elemente in beiden Gruppen daran interessiert, ihre Geschäfte mit Drogen und Menschen weiterzuführen – das Chaos kommt ihnen dabei entgegen.

Verlagsangebot

Der Kult ums gesunde Essen

Nahrung soll Energie und Freude bringen. Doch immer mehr Lebensmittel werden zum Problem gemacht: Vom Salz bis zum Fleisch. Warum eigentlich? Jetzt in der neuen ZEIT.

Hier lesen

Kommentare

22 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Sind wir alle Opfer skrupelloser Waffenhaendler?

Der Westen liefert Waffen an Islamisten. Zuvor geschehen in Afghanistan, um die Kommunisten zu bekaempfen. Dann in Libyen, um Gadhafi loszuwerden. Jetzt in Syrien, gegen Assad.

Naturgemaess, weil es sich um einen internationalen Jihad gegen 'Unglaeubige' handelt, teilen diese vom Westen mit Waffen belieferten Islamisten diese mit ihren Freunden anderswo, wie Pakistan, Jemen, Nigeria und auch Mali.

Woraufhin der Westen dann die Regierungen dieser Laender mit Waffen beliefern muss, oder auch schon mal eigene Truppen schickt.

Ist das alles nur ein Trick der Waffenhaendler, die mit Korruption in Regierungsstellen und Parlementen vollendete Tatsachen schaffen und erst dafuer sorgen, dass der Westen Waffen an Islamisten schickt, und so die Ruestungs- und Gewaltspirale lostritt?

Immerhin muss es jaehrlich um hunderte von Milliarden Euro gehen, im weltweiten Geschaeft mit Waffen.

Warum nicht gleich so?

Tja, Herr Friedensfürst, da haben Sie den Salat. Hätten Sie mal lieber nicht die NATO nach Libyen geschrieben. Waffen liefern, Demokratie herbei bomben, Waffen abgeben - dieser Mechnismus existiert in der realexistierenden Welt nicht. Nach Punkt 1 kommt meistens Gemetzel bis zum Abwinken. In Afrika sind teilweise noch Waffen aus den 50er Jahren im Einsatz. Was nach Libyen geliefert wurde, wird also eventuell noch in den 2070er Jahren für Unruhe sorgen!
Aber wozu sag ich Ihnen das? Sie schreiben es ja selbst. Nur, warum nicht gleich so? Oder haben Sie jetzt, nach getaner Arbeit in Libyen, die Aufgabe NATO und AFRICOM nach Mali zu schreiben? In diesem Fall böte es sich jetzt an, gegen Islamisten zu wettern.

Bitte achten Sie auf eine angemessene Wortwahl. Danke, die Redaktion/ls

Wir sollten die Hintermaenner jagen

Lieber Kleinempfaenger,

die nicht-enden wollenden Nachrichten ueber mutmassliche Korruption in deutschen Regierungshinterzimmern laesst mich misstrauisch werden. Leute wie Mappus, Wulff & Co sind doch gefundenes Fressen fuer Lobbyisten, und dazu zaehle ich auch internationale Waffenmhaendler. War nicht zuletzt ein Bericht zu lesen, nachdem die Erben des ehemaligen Verteidigungsministers Strauss versucht haben sollen, zig Millionen von Euro in bar im Ausland zu bunkern?

Jedenfalls, wer von Frieden und Voelkerverstaendigung redet und stattdessen Krieg und Waffen liefert, der ist fuer mich ein Schwein. Und es sind die Hintermaenner des internationalen Waffenhandels, die fuer die Gewaltspirale in der Sahelzone verantwortlich sind. Nicht die Ziegenhirten und Dattelbauern Malis.

Rasmussen an die Front

Ausser Krieg und Waffen hat die NATO leider nicht viel zu bieten. Brauchbares zur Beseitigung ihrer Rumbomberei in Nordafrika ist da leider nicht bei. Schade, ansonsten könnte man diesen Kriegsapparat vielleicht jetzt irgendwie zur Verantwortung ziehen. Auf jeden Fall sollte Rasmussen an forderster Front mit dabei sein.