Nord-MaliTuareg verlieren letzte Stadt an Islamisten

Malis Norden ist unter Kontrolle der Islamisten, die Tuareg haben auch ihren letzten Rückzugsort verloren. In Timbuktu wurden erneut historische Bauwerke zerstört. von afp und dpa

Islamistische Kämpfer in der Nähe der malischen Stadt Gao

Islamistische Kämpfer in der Nähe der malischen Stadt Gao  |  © Adama Diarra/Reuters

Die Tuareg-Rebellen haben im Norden Malis ihren letzten Rückzugsort an islamistische Kämpfer verloren. Die Kämpfer der MNLA (Nationale Bewegung für die Befreiung des Azawad) seien am Mittwoch aus der Stadt Ansogo rund Hundert Kilometer nördlich der Stadt Gao verjagt worden, sagte ein örtlicher Regierungsbeamter. Die rivalisierenden Islamisten der Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika (Mujao) hätten erklärt, sie wollten der "Bevölkerung kein Leid zufügen".

Ein malischer Arzt bestätigte die Vertreibung der Tuareg. Die MNLA-Kämpfer befänden sich nicht mehr in Ansogo, die Kämpfer von Mujao hätten die Kontrolle übernommen und die städtischen Gebäude in Beschlag genommen. Aus Sicherheitskreisen hieß es, die Tuareg-Rebellen seien in die Gegend um die Ortschaft Tassiga geflohen. Die Tuareg kontrollieren nun keine einzige Stadt im Norden mehr.

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Nachdem Präsident Amadou Toumani Touré im März durch eine Gruppe meuternder Soldaten gestürzt worden war, hatten die Tuareg gemeinsam mit mehreren islamistischen Gruppen den gesamten Norden des Landes unter ihre Kontrolle gebracht. Seitdem wurden sie aber von den Islamisten aus den wichtigsten Städten Timbuktu, Gao und Kidal vertrieben. Während die MNLA für einen unabhängigen Staat im Norden Malis eintritt, wollen die Islamisten das islamische Recht der Scharia einführen.

Die Tuareg harren Berichten zufolge nun in kleinen Gruppen im Norden Malis aus. Der schwachen Übergangsregierung in Bamako fehlen die Mittel, um den Norden zurückzuerobern. Die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ( Ecowas ) berät seit Wochen über die Entsendung von Truppen , doch stößt sie damit sowohl in Bamako als auch beim UN-Sicherheitsrat auf Skepsis oder Ablehnung.

Islamisten zerstören weiter historische Bauwerke

In der nordafrikanischen Wüstenstadt Timbuktu haben die Islamisten derweil erneut Jahrhunderte alte Mausoleen zerstört . Zwei Grabstätten in der Nähe der aus dem 14. Jahrhundert stammenden Djinger-ber-Moschee sind nach Angaben der örtlichen Behörden am Dienstag verwüstet worden. "Ich bin empört, aber wir haben nichts tun können", sagte der Tourismus-Direktor in der Wüstenstadt, Chirfi Alpha Sane. Er könne derzeit sein Amt nicht ausüben, sagte er. Er hoffe, dass es einmal gelingen werde, die zerstörten Mausoleen wiederherzustellen.

Die Islamisten zertrümmerten am Dienstag nach Berichten von Augenzeugen mit Schaufeln und anderem Werkzeug die Gräber der Heiligen . "Wir waren schockiert und wussten nicht, was wir machen sollen. Ich habe Menschen weinen sehen", berichtete ein Mann. Die Islamisten hätten nicht in der Sprache der Einheimischen gesprochen, vermutlich stammten sie aus dem Ausland.

Malis Kulturministerin Fadima Touré  Diallo hatte die Zerstörung von Weltkulturstätten in Timbuktu als "Barbarei" und "kriminellen Akt" verurteilt. Malis Zentralregierung hatte angekündigt, wegen der Verbrechen den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag anzurufen. Auch die Unesco hatte die Zerstörungen als "widerwärtige Handlungen" verurteilt.

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Leserkommentare
  1. Strategische Missionierung war schon immer ein Hauptaugenmerk erfolgreicher Eroberer. Nicht nur die Salafisten in Mali, sondern schon Karl der Grosse hat fast das gleiche Prinzip schon in Deutshcland praktiziert. Was heute in Mali die sufi sind, das waren damals in Deutschland die Sachsen:
    'Karl wollte die Sachsen christianisieren und ihr Gebiet in sein fränkisches Reich eingliedern. Die erste Aktion Karls des Großen war die Zerstörung der Irminsul, des heiligen Baumes der Sachsen'
    http://www.deutschland-im-mittelalter.de/karl-krieg-sachsen.php'

    Wir wissen das schon Karls Politik ueberaus erfolgreich war, daher auch der Titel 'der Grosse'. Nicht im Geringsten waere ich ueberrascht, wenn auch die derzeitigen Geschehenisse letzendlich nur Zeichen einer grossen Einigung im arabischen Raum waeren und der arabische Fruehling in der Schaffung eines demokratischen arabischen Reiches gipfelte, aehnlich der EU, nur eben mit einer Sprache und einer relativ homogenen Religion.

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    und wenn das geschieht, dann werde sogar ich anfangen arabisch zu lernen, denn solch ein Staat haette durchaus das Potential, ganz Europa kulturell und wirtschaftlich zu dominieren. Denn nicht nur sind jede Menge Geld und Resourcen vorhanden, sondern auch eine junge, gut ausgebildete Bevoelkerung. Dies steht im krassen Gegensatz zum hoch verschuldeten, vergreisten Europa der EU.

    ...finden Salafisten und Wahabiten dabei große Unterstützung seitens der westlichen Welt. Als Beispiel sei hier Syrien angeführt.
    Hier in der BR Deutschland werden doch die Salafisten als höchst gefährlich eingestuft.In Afrika und im Nahen/Mittleren Osten sollen sie aber ein demokratisches arabischen Reich erschaffen?

  2. und wenn das geschieht, dann werde sogar ich anfangen arabisch zu lernen, denn solch ein Staat haette durchaus das Potential, ganz Europa kulturell und wirtschaftlich zu dominieren. Denn nicht nur sind jede Menge Geld und Resourcen vorhanden, sondern auch eine junge, gut ausgebildete Bevoelkerung. Dies steht im krassen Gegensatz zum hoch verschuldeten, vergreisten Europa der EU.

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    Kulturell und wirtschaftlich dominieren?
    Öl ist so ziemlich die einzige Ressource die man da unten findet und nicht mal die haben alle Staaten abbekommen. Von Verschuldung braucht man gar nicht erst anfangen zu Reden, aber ohne Sozialstaat kann man auch einen Haufen Geld sparen.

    Keinerlei Mittelstand, keine Industrie und das Handwerk ist am Eingehen. Nur weil da unten jeder Zweite Economics studiert hat heißt das nicht automatisch dass sie gut gebildet sind und wunderbare Jobaussichten haben.
    Die arabische Welt ist durchsetzt von Kleinstaaterei und Überheblichkeit gegenüber anderen Arabern (bsp. Jordanier gegen Ägypter).

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. WIr wünschen eine differenzierte Diskussion von Argumenten. Danke, die Redaktion/au.

    Glaube nicht, dass das kommen wird. Ausserdem stehen die Araber zu sehr unter dem Einfluss der Amerikaner, als das sie
    anfingen hier ein Großreich zu errichten. Den Vergleich mit Kaiser Karl finde ich irgendwie unpassend. Letztenendes sind die arabischen Länder untereinander zu sehr zerstritten, als das es hier eine Einheit geben könnte, das vergessen sie dabei leider.....

    Wer seine Vergangenheit zerstört, hat keine Zukunft, schon gar nicht als Superpower. Renaissance, Luther, Aufklärung, Trennung von Staat und Kirche, "Gott ist tot", u.v.m., die westliche Welt hat 400 Jahre "historischen Vorsprung" vor diesen Kulturvernichtern. Arabien muss diese / ähnliche Schritte selbst noch gehen, begonnen hat die arabische Bevölkerung damit im arabischen Frühling. Dort liegt die Superpower aber sicher nicht in einem Gotteskriegerstaat.

  3. ... die Entsendung von Truppen ab, bzw. steht man dem skeptisch gegenüber? Im Falle Syrien, scheint man sich dagegen sicher zu sein,dass nur durch eine militärische Intervention der westlichen Wertegemeinschaft Menschenrechte und Demokratie durchsetzen kann.

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    richtig einen auf die Mütze bekommen würde, denn in der Wüste kann man nicht viel mit Bomben ausrichten und auch der Bodenkampf dürfte herbe Verluste bergen, denn die Leute dort haben nichts zu verlieren.
    Über die Stripenzieher im Hintergrund (Saudi-Arabien kommt da in den Sinn) und deren Lobbyarbeit in der Politik und in den Medien, auch bei großen dt. Wochenzeitungen, gar nicht erst zu reden.

    Finde jedoch die unzensierten ersten beiden Kommentare herrlich, Islamisten und Demokratie in einem Satz, könnte von den Nahostexperten G und T der ZEIT kommen.
    Obwohl sie wahrscheinlich nicht Unrecht haben werden, denn selbst die dt. Medien üben sich ja schon seit Jahren in Dhimitude und alle kritischen Ansätze zum Thema Eurabien (Bat Ye'or) werden gewissenhaft redigiert.
    Manchmal fragt man sich ob einige Kommentatoren schon mal in islamischen Ländern unterwegs waren oder wenigsten bei ihren Ressorturlauben mal dort rausgegangen sind.

  4. ...finden Salafisten und Wahabiten dabei große Unterstützung seitens der westlichen Welt. Als Beispiel sei hier Syrien angeführt.
    Hier in der BR Deutschland werden doch die Salafisten als höchst gefährlich eingestuft.In Afrika und im Nahen/Mittleren Osten sollen sie aber ein demokratisches arabischen Reich erschaffen?

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    Lieber Ostdeutschland,

    sowenig wie der Goethes Zauberlehrling die Besen hat zurueckrufen koennen, so wenig wird es dem Westen gelingen, den arabischen Fruehling zu stoppen. Niemand weiss was kommt. Mit einer unkontrollierbaren Eigendynamik koennte vom arabisch-islamischen Grossreich und dauerhaftem Frieden bis hin zu furchtbaren Kriegen und Buergerkriegen wie in Libyen, Syrien und Mali so ziemlich alles auf der Tagesordnung stehen.

    Wenn es aber Frieden ist, der kommt, dann sollte Europa sich auf gewaltige kulturelle, politische und wirtschaftliche Veraendeungen auch bei uns einstellen. Eine neue Epoche koennte anbrechen.

  5. auch die USA haben bemerkt, dass es weniger kompliziert ist
    Öl und Rohstoffe aus einem Bürgerkriegsland abzutransportieren, als aus einem Land mit einem Saddam oder Ghaddafi. Dabei speilt es keine Rolle, dass Gahddaffi auch bei demokratischen Wahlen die nächsten 50 Jahre jede Wahl gewonnen hätte. Feindesland ist Niemandsland und bevor man Afghanistan den Chinesen oder Iranern überlässt wird man auch dort eher auf Bürgerkrieg setzen. Schöne Neue Welt unser Europa wird am Hindukusch und an der WallStreet verschrottet und jede Moral und Demokratie gleich mit.

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  6. Lieber Ostdeutschland,

    sowenig wie der Goethes Zauberlehrling die Besen hat zurueckrufen koennen, so wenig wird es dem Westen gelingen, den arabischen Fruehling zu stoppen. Niemand weiss was kommt. Mit einer unkontrollierbaren Eigendynamik koennte vom arabisch-islamischen Grossreich und dauerhaftem Frieden bis hin zu furchtbaren Kriegen und Buergerkriegen wie in Libyen, Syrien und Mali so ziemlich alles auf der Tagesordnung stehen.

    Wenn es aber Frieden ist, der kommt, dann sollte Europa sich auf gewaltige kulturelle, politische und wirtschaftliche Veraendeungen auch bei uns einstellen. Eine neue Epoche koennte anbrechen.

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    Antwort auf "Irritierender Weise..."
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    wenn der Westen eines kann, dann ist es Frieden zu vermeiden.
    Der US Senat wird von Waffenlobbyisten belauert, Frieden kann sich da nun wirklich niemand leisten. So nett das auch klingen mag. Its a billion dollar bizznes you know, and its really too big to fail - so lange es Krieg auf Erden gibt.

  7. Kulturell und wirtschaftlich dominieren?
    Öl ist so ziemlich die einzige Ressource die man da unten findet und nicht mal die haben alle Staaten abbekommen. Von Verschuldung braucht man gar nicht erst anfangen zu Reden, aber ohne Sozialstaat kann man auch einen Haufen Geld sparen.

    Keinerlei Mittelstand, keine Industrie und das Handwerk ist am Eingehen. Nur weil da unten jeder Zweite Economics studiert hat heißt das nicht automatisch dass sie gut gebildet sind und wunderbare Jobaussichten haben.
    Die arabische Welt ist durchsetzt von Kleinstaaterei und Überheblichkeit gegenüber anderen Arabern (bsp. Jordanier gegen Ägypter).

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    Lieber Biertuose,

    wir naehern uns Zeiten, in denen Oel mit Gold aufgewogen wird, Mali aufgrund seiner weiten Wuesten fuer die Solarindustrie interessant, das Handwerk weltweit von Robotern ersetzt und auch die deutsche Industrie zunehmend nach Fernost verlagert wird. Mit Dubai und Kuwait hat auch die arabische Ekonomie Epizentren, die sich hinter London und New York nicht mehr lange verstecken muessen. Und nachdem der Westen kriegerische Monster wie Saddam Hussein und Gadhafi ausgeschaltet hat, sehe ich eigentlich nichts mehr, was den arabischen Fruehling ernsthaft stoppen koennte.

    Davon wird ganz gewiss auch Mali massiv profitieren. Dort wo heute noch dreckige kleine Haeuser mit bettelnden Kindern das Strassenbild beherrschen, werden schon bald glitzernde Palaeste aus dem Boden gestampft werden. Und wir werden froh und dankbar sein, wenn die Bevoelkerung Malis unsere Produkte kauft, anstatt die Chinas.

  8. wenn ich das hier lese meine ich zu verstehen, dass hier uralte Kulturwerte zerstört werden.
    Nicht, dass es mich wundert, dass diese "Vorbild" - Kultur zerstört, jetzt auch in Mali - in der angesagten Kulturwelt, die Sie hier meinen bejubeln zu wollen, entsinne ich mich der Kulturvorführungen der jüngsten Zeit: Ermordung einer jungen Frau unter Jubel der Kulturanhänger, Steinigung nach Vergewaltigung (nicht der Täter, sondern der Frauen!), Ruf nach Tod für Andersdenkende Mitgläubiger wegen Abfalls vom Kulturglauben resp. wegen Apostasie, Bomben Mord und Totschlag gegen Andersgläubige (oft selbst der eigenen Kulturreligion) -
    das ist Ihre Vorbildkultur, Herr/Frau Friedensfürst?
    Wie drücktes es ein deutscher Zeitgenosse vor einigen Monaten aus - dafür kann ich keinen Respekt zollen, beileibe nicht.

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    des Friedensfürsten.

    Amerikaner gezielt Kulturdenkmäler im Irak bombardiert haben und die NATO die Infrastruktur in Libyen. Leider sieht man hier in Europa gern das was man sehen will.

    Lieber derkafir,

    ich bin mir ziemlich sicher, dass heutzutage mehr Frauen in der EU gesteinigt werden, als in Mali. Googeln sie mal nach Frauen wie Ghafran Haddoiu oder Katya Koren. Wollen Sie etwa solch eine Kultur den Bewohnern Malis als Vorbild verkaufen?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
  • Schlagworte Stadt | Gao | UN-Sicherheitsrat | Unesco | Dschihad | Ecowas
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