Enrique Peña NietoMexikos rätselhafter Wahlsieger

Enrique Peña Nieto ist ein Meister der Selbstinszenierung. Der neue Präsident gibt sich als Macher. Doch sein Programm ist vage, seine Vergangenheit dunkel. von 

Enrique Peña Nieto nach der Wahl am 1. Juli in Mexiko-Stadt

Enrique Peña Nieto nach der Wahl am 1. Juli in Mexiko-Stadt  |  © Tomas Bravo/Reuters

Er ist Mexikos unumstrittener Meister des Polit-Marketing: jung, gut aussehend, erfolgreich. Enrique Peña Nieto ist das neue Gesicht der alten, ehemaligen Staatspartei PRI, die nach zwölf Jahren in der Opposition wieder an die Macht zurückkehrt .

Nichts überlässt der 45-jährige künftige Präsident von Mexiko dem Zufall. Das gilt für die dezent-modische Kleidung ebenso wie für die mediengerechte Inszenierung seiner Ehe mit einer Schauspielerin. Seine Gesten sind einstudiert, die geschliffenen Wahlkampfreden seiner Berater hat er auswendig gelernt. Auf jede Frage weiß der ebenso fleißige wie ehrgeizige Politiker eine Antwort, und sei es nur eine wolkenreiche Sprechblase. Weder landesweite Studentenproteste konnten ihm etwas anhaben, noch diverse Frauengeschichten.

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Doch aller Selbstinszenierung zum Trotz ist Peña Nieto den meisten Mexikanern ein Rätsel geblieben. Sein Programm ist vage, seine Versprechen eine Mixtur aus liberalen, konservativen und sozialdemokratischen Ideen. Er gibt sich gerne als Macher und unterschreibt bei seinen Wahlkampfauftritten öffentlich Versprechen vor dem Notar. Das Image, das mit Hilfe der großzügigen PR-Etats der beiden dominanten Fernsehsender des Landes geschaffen wurde, verdeckt den wahren Peña Nieto.

Der kam etwa zu Vorschein, als ein ausländischer TV-Journalist ihn zum plötzlichen Tod seiner ersten Ehefrau befragte, und Peña Nieto darauf so klinisch-kühl antwortete, als sei er Gerichtsmediziner.

Das Leben, eine fortwährende Kampagne

Oder als er während eines Auftritts auf der Buchmesse kein einziges literarisches Werk nennen konnte, was die Medien entsprechend ausschlachteten. Oder als ihn kritische Studenten nach den Menschenrechtsverletzungen und der Straffreiheit während seiner Periode als Gouverneur des Bundesstaates Mexiko befragten, und er ungehalten entgegnete, er habe das Gesetz auf seiner Seite gehabt und die Ordnung wiederhergestellt.

Brüche und Fehler sollen möglichst nicht vorkommen in seinem Leben, das anmutet wie eine fortwährende Kampagne. 1966 in Atlacomulco als ältester von vier Geschwistern geboren, entstammt er einer einflussreichen Politikerdynastie. Zwei Verwandte waren vor ihm Gouverneur. Schon von klein auf wurde er auf eine politische Karriere vorbereitet; in der Schule schwang er schon Wahlkampfreden und verteilte Propaganda der PRI, der Partei der Institutionalisierten Revolution.

Leserkommentare
  1. Dieser Artikel ist ein wenig besser als sein Vorgänger, dennoch möchte ich darauf hinweisen, dass erstens noch nicht alle Stimmen ausgezählt sind und in den vergangenen Stunde NICHT WENIGE Unergelmäßigkeiten während der Wahl sowie bei der Auszählung registriert wurden. Darauf wird hier leider nicht eingegangen, sondern EPN schon zum Sieg gratuliert.

    Desweitern möchte ich anmerken, dass die Mexikanerinnen und Mexikaner sich SEHR WOHL schon ein Bild von EPN machen konnten. Das zielt auf die Vorfälle ab, die im Artikel angesprochen werden: der Tod seiner Ehefrau, Unfähigkeit ein lietrarisches Werk zu nennen, der Vorfall in der Uiversität. Bei den Mexikanerinnen und Mexikanern ist er bekannt als Beteiligter am Tode seiner Ehefrau, Pädophiler, Auftraggeber eines (vielleicht auch mehrer) Massaker und als jemand der Verbindungen zu den Drogenkartellen hat. Er wurde ganz sicher NICHT von den Mexikanerinnen und Mexikanern gewählt, was hier stattfindet ist ein Wahlbetrug wie 1988 und 2006!

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    An den Benutzer "mexicana en alemania":
    Auch ich sthe dem neuen Präsidenten sehr skeptisch gegenüber, würde aber gerne ihre Behauptungen (gerade in Hinsicht auf die Massaker) gerne eine Quelle haben. Haben sie da eine? Möchte mich mehr mit dieser zwielichtigen Person auseinandersetzen.

  2. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Spekulationen. Danke. Die Redaktion/kvk

  3. Interessant mal wieder, wie konsequent ein Artikel vermeidet, die PRI als das darzustellen, was sie ist: sozialdemokratisch, d.h. mitte-links.

    Herr Nieto ist ein Sozialdemokrat, genau so wie Gerhard Schröder einer ist. Die PRI hat eine sozialistische Vergangenheit, bezeichnet sich selbst als sozialdemokratisch und ist in der sozialistischen Internationale. Mag sein, dass Nietos Wahlprogramm auch konservative und liberale Elemente beinhaltet. Auch G. Schröder hat z.B. mit Hartz-IV un-sozialdemokratische Gesetze durchgebracht und wird dennoch als Sozialdemokrat bezeichnet.

    Interessant ist, dass die Grundausrichtung der PRI unerwähnt bleibt, aber dass der Träger der Universität, an die Nieto ging, mit dem politischen Attribut "konservativ" belegt wird. Was hat das mit Herrn Nieto zu tun? Der Leser wird schnell dem Gedanken verfallen, Nieto sei im konservativen Milieu verwurzelt - was ja nicht stimmt.

    Autoritärer Stil, Vetternwirtschaft, Korruption, Ungebildetheit, Politdynastien,... Auch wenn unsere Medien dies gerne mit Konservativen, Liberalen, Kommunisten, etc. in Verbindung bringen: Die PRI und ihr Kandidat zeigen, dass all diese Schweinereien auch bei Sozialdemokraten auftreten können. Schade, dass mit dem Vorenthalten der politischen Ausrichtung der PRI hierzulande der Eindruck erweckt wird, Sozialdemokraten seien besser als andere politische Lager.

  4. Den Mexikanern bleibt zwar der hemmungslose Populist Obrador (AMLO) erspart, der als Bürgermeister von Mexiko-Stadt in grossspuriger Weise kleinkarierte Politik betrieb und der nach seiner Wahlmiederlage vor 6 Jahren ganz offenkundig nicht davor zurückschreckte, einen Bürgerkrieg anzuzetteln. Aber nach den Berichten werden sie wohl wenig Freude am neuen PRI-Präsidenten haben, da nicht zu erwarten ist, dass er die riesigen Probleme in diesem Land überhaupt angehen wird. Die Korruption ist weitverbreitet und die Vernetzung von Drogenmafia, Politik, Polizei und Justiz setzt das Land nicht nur in Angst und Schrecken, sondern behindert den Aufbau von rechtsstaatlichen Strukturen. Man kann nur hoffen, dass der Kampf gegen die Mafia nicht in eine informelle "Koalition" übergeht. Eigenartig auch, dass die Mitgliedschaft der PRI in der SI von unseren Medien immer so schamhaft verschwiegen wurde.

  5. An den Benutzer "mexicana en alemania":
    Auch ich sthe dem neuen Präsidenten sehr skeptisch gegenüber, würde aber gerne ihre Behauptungen (gerade in Hinsicht auf die Massaker) gerne eine Quelle haben. Haben sie da eine? Möchte mich mehr mit dieser zwielichtigen Person auseinandersetzen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • noitom
    • 05. Juli 2012 4:18 Uhr

    Ich kann natürlich nicht sagen auf was sich die Foristin mexicana en alemania exakt bezieht, aber hier event. als Einstieg in eine Recherche über Enrique Peña Nieto:

    Ein Schlüsselelement in der Formierung der EPN kritischen Movimiento Yo Soy 132 war u.a. die brutale Niederschlagung eines Protests / Aufstandes in San Salvador Atenco im Jahr 2006
    http://www.youtube.com/watch?v=irmljtt5i3Q&feature=related

    Die wirtschaftlichen und familiären Verflechtungen der politischen Kaste der PRI mit dem organisierten Verbrechen sind so evident wie schwer zu durchleuchten. Wer hinter einem Massaker, einem Mord, einer Kandidatur oder der Verhaftung eines "Drogenbosses" steckt, verschwindet meist im Nebel ("Pantallas") aus Manipulation, Korruption, Intrigen und V-Männern der "Sicherheit"-Organe.

    Ein Beispiel für "familiäre Beziehungen" von Enrique Peña Nieto ist die Gruppe Atlacamulco der PRI im Estado de Mexico
    http://es.wikipedia.org/wiki/Grupo_Atlacomulco

  6. En México gana la ignorancia y la pobreza que hace que miles de mexicanos vendan su voto por una despensa o por $500.00 pesos y ademas desgraciadamente en nuestro país carecemos de esa cultura de informarnos en otros medios y nos creemos todo lo que televisa dice manipulandonos a su antojo.

    pero no todo esta dicho vamos a impugnar la elecciones por que se registraron muchas irregularidades.

    México tiene a uno de los hombres mas ricos del mundo y al narcotraficante mas buscado del mundo que quiere decir eso que también tiene la corrupción mas grande del mundo.

    • noitom
    • 05. Juli 2012 4:18 Uhr

    Ich kann natürlich nicht sagen auf was sich die Foristin mexicana en alemania exakt bezieht, aber hier event. als Einstieg in eine Recherche über Enrique Peña Nieto:

    Ein Schlüsselelement in der Formierung der EPN kritischen Movimiento Yo Soy 132 war u.a. die brutale Niederschlagung eines Protests / Aufstandes in San Salvador Atenco im Jahr 2006
    http://www.youtube.com/watch?v=irmljtt5i3Q&feature=related

    Die wirtschaftlichen und familiären Verflechtungen der politischen Kaste der PRI mit dem organisierten Verbrechen sind so evident wie schwer zu durchleuchten. Wer hinter einem Massaker, einem Mord, einer Kandidatur oder der Verhaftung eines "Drogenbosses" steckt, verschwindet meist im Nebel ("Pantallas") aus Manipulation, Korruption, Intrigen und V-Männern der "Sicherheit"-Organe.

    Ein Beispiel für "familiäre Beziehungen" von Enrique Peña Nieto ist die Gruppe Atlacamulco der PRI im Estado de Mexico
    http://es.wikipedia.org/wiki/Grupo_Atlacomulco

    Antwort auf "Quellen"
    • noitom
    • 05. Juli 2012 4:19 Uhr

    … darunter auch so illustre Familien wie die Hank Rohn
    http://www.sandiegored.com/noticias/12909/U-S-consul-s-cable-paints-dark...
    http://www.proceso.com.mx/?p=272403

    … auch interessant sein "Compadre" (Vater des Patenkindes) Felipe Enríquez Hernández
    http://www.reporteindigo.com/reporte/mexico/felipe-enriquez-el-compadre-...
    http://www.proceso.com.mx/?p=312910

    … und natürlich sein Ziehvater der PRI "Dinosaurier" Carlos Salinas de Gortari
    http://salinasdegortari.blogspot.mx/2010/01/cercano-enrique-pena-nieto.html
    http://www.pbs.org/wgbh/pages/frontline/shows/mexico/family/raulsalinas....

    In Buchform:
    Francisco Cruz Jiménez - Negocios de Familia:
    Anabel Hernandez - Los Señores del Narco

    Genug fürs Erste? Ich hoffe Sie sprechen Spanisch.
    Sonst müssen Sie wohl warten bis sich deutsche Qualitätsmedien dem Thema endlich vertieft annehmen. Hallo ZEIT?! Wie wärs?

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