Romney in EuropaWarum wir Amis keine europäischen Verhältnisse wollen

Romneys Peinlichkeiten gegenüber den Briten und Palästinensern sind Berechnung. Und sie haben auch etwas damit zu tun, dass er Mormone ist, kommentiert Eric T. Hansen. von 

Spätestens seit letzter Woche muss jedem klar sein, dass Mitt Romney zur Außenpolitik etwa so tauglich zu sein scheint wie einst Sarah Palin . Kaum in London angekommen, trat er ins Fettnäpfchen: Er kritisierte die zahlreichen Pannen der Olympischen Spiele 2012 und wies darauf hin, dass damals, als er die Winterspiele in Salt Lake City mit organisierte, nicht so geschludert worden sei.

Sofort war die Hölle los: Selbst konservative Kommentatoren in Amerika jammerten, dass Romney unseren wichtigsten Verbündeten in Europa beleidigt hätte, ein internationaler Affront sei das, peinlich, peinlich.

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Nur ich bin gar nicht so sicher, dass es ein Versehen war. Im Gegenteil.

Ein zwiespältiges Verhältnis zu Europa

Eric T. Hansen

Eric T. Hansen ist Amerikaner, Buchautor (Planet Germany) und Satiriker, der sein halbes Leben in Deutschland lebte, heute in Berlin. Sein aktuelles Buch ist Die ängstliche Supermacht: Warum Deutschland endlich erwachsen werden muss. Auf ZEIT ONLINE erklärt er einmal in der Woche die Eigenheiten seiner Heimat – und der Deutschen.

Als Barack Obama vor vier Jahren in Berlin wie ein Rockstar umjubelt wurde, sagten seine Feinde zu Haus, er krieche den Europäern in den Hintern. Allerdings sind Obamas Stammwähler linke Bildungsbürger, die Europa für ein kulturelles Vorbild halten. Dagegen halten Romneys Wähler Europa für dekadent und rückschrittlich. Deshalb inszeniert sich der Republikaner als einer, der Europa nicht versteht und dem Europa völlig egal sein kann.

Auch seine beleidigende Bemerkung, die Palästinenser hätten nicht die richtige Kultur zum wirtschaftlichen Erfolg, fällt unter die Rubrik Wahlkampf: Romney schmeichelt damit den jüdischen Wählern in den USA . Außerdem ist er Mormone und diese pflegen sowieso immer eine starke Pro-Israel-Neigung, denn sie halten die Juden nach wie vor für das auserwählte Volk Gottes.

Meine Freunde in Deutschland sind überrascht zu hören, dass die meisten Amis ein zwiespältiges Verhältnis zu Europa haben. Ähnlich wie die Europäer immer wieder eine schleichende Amerikanisierung beklagen, nehmen wir uns in Acht vor der schleichenden Europäisierung.

Einerseits ist uns nicht verborgen geblieben, dass die Heimat des Feudalismus immer mal wieder in totalitäre Verhältnisse zurückfällt, viele Krisen, vom Zweiten Weltkrieg bis zur Euro-Krise, nicht ganz alleine meistern kann, und obendrein nicht mal ein vernünftiges Fernsehprogramm hat.

Andererseits: Paris ! Rom ! Berlin !

Leserkommentare
  1. ...okay, der Autor beurteilt Europa also nach seinen originellen Bistros, dem Fernsehprogramm und Missionierungsversuchen, und scheint immer noch nicht verarbeitet zu haben, dass seiner Sekte nicht mehr Interesse entgegengebracht wurde. In der Tat eine sehr "amerikanische Perspektive"

    Vieleicht sollte man doch lieber nach Bildungsstand, Einkommensverteilung, Armutslevel, Analphabetismusrate, Infrastrukturqualität etc. urteilen.

    Aber da würden die USA im Gegensatz zu Europa ja durchweg grauslich abschneiden...

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    • Kelhim
    • 31. Juli 2012 12:30 Uhr

    Der Autor schreibt doch auf Seite 2, dass er diese Kirche längst verlassen hat. Es geht ihm nicht um die Verteidigung der Mormonenkirche, sondern um die zweijährige Erfahrung der Ablehnung, die ein junger Mormone wie Romney damals in Europa macht, während die meisten Europäer sich als tolerant bezeichnen.

    Dazu kann man stehen, wie man will, aber es ist doch zumindest oberflächlich ein Widerspruch oder Spannungsfeld, auf das der Autor in der Tat aus amerikanischer (oder hier eben: ex-mormonischer) Perspektive hinweist.

    Das hat gesessen.

    Zudem stehen wir auch unserer eigenen Kirsche kritisch gegenüber, wiso sollen wir dann anderen "Religionen" die Tür öffnen.

    "Auch wenn es nicht so aussieht: Falls Romney die Wahl im November tatsächlich gewinnt, hat man im Weißen Haus endlich einen Präsidenten sitzen, der die Europäer kennt.."

    Gut, dass uns jemand aus berufenem Mund die Wahrheit sagt - was wir Deutsche/Europäer zu erwarten haben, wenn ...

    In der Tat, derartig verkürzt könnte man das so auf den Nenner bringen: "Der Deutsche weiß viel Schlechtes über Amerika".
    Mein "deutsches Wissen" über Amerika dagegen stellt sich deutlich differenzierter dar, nämlich:
    sehr viel Gutes über die Menschen, aber nicht nur Gutes über das System ( und Systeme), das die Menschen prägt und beeinflusst:

    Meine zahlreichen US-Amerika(ner)-Erfahrungen haben mir aufs Anschaulichste gezeigt, was dort für ein erschreckend extra-territoriales Unwissen nicht nur über Europa und die übrige Welt herrscht, hingegen man Deutschland genau zu kennen meint - dank einseitiger Hollywoodperspektive getitelt "Holocoust".

    Besonders ausgeprägt ist diese Horizontverengung bei US-Patrioten religiös-fundamentalistischer Verengung, die nicht nur bei Mormonen bemerkenswert tiefgläubig fest verankert anzutreffen ist.

    • joG
    • 31. Juli 2012 17:17 Uhr

    .... letzter Woche muss jedem klar sein, dass Mitt Romney zur Außenpolitik etwa so tauglich zu sein scheint wie einst Sarah Palin" las, weiß man wie ernst man den Autor nehmen muss.

    Jetzt gibt es noch zwei Punkte mehr, die der Autor seiner Liste der Charakteristika Europas hinzufügen kann: Selbstgerechtigkeit und Humorlosigkeit

    (Die waren ihm vielleicht auch schon bekannt, und er hat sie nur aus Höflichkeit nicht erwähnt)

  2. 2. [...]

    Entfernt: Fehlerhafte Verlinkung. Danke, die Redaktion/ds

  3. ... nett zu den Jungs aus Utah. Auch an der Haustür. Konnte es mir dann aber nicht verkneifen auch ein wenig zu missionieren. Der Gedanke dass man auch ohne einer Religion anzugehören Gutes tun kann schien ungewohnt für Sie zu sein. Wer weiss, vielleicht habe ich auf diese Weise das Weltbild eines zukünftigen US-Presidenten beeinflusst und hinterlasse so einen Kratzer in der Weltgeschichte...;-)

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    ...steht auf Wikipedia.

    Und wer das intelligent, unterhaltsam und authentisch aufbereitet haben möchte, schaut sich mal die entsprechende South-Park-Folge an

    http://www.southpark.de/a... ,legaler Stream!

    (Eine entsprechende Folge gibt es übrigens auch über die Scientologen, und DIE hat Tom Cruise überhaupt nicht gefallen! http://www.southpark.de/a... )

  4. 4. [...]

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    11 Leserempfehlungen
  5. [...]

    Was sind das überhaubt für Menschen, die auf religiöse Mission gehen? Sehr überhebliche jedenfalls, wenn Sie versuchen andere von ihrer "richtigen" Weltsicht zu überzeugen.

    Dabei ist es eine absolut verquere Welt und die Leute sind gefangen Sie in dieser. Selbstkritik ist solchen Menschen Fremd. Warum soll ich mich mit mit denen unterhalten?
    Aus Nächstenliebe?????

    Gekürzt. Bitte verfassen Sie differenziertere Beiträge. Danke, die Redaktion/ds

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    • outis
    • 31. Juli 2012 12:38 Uhr

    die Missionare sind offensichtlich toleranter. Und sie kommen tatsächlich aus Nächstenliebe. Die wollen nur Ihre Seele retten, was echt nett ist. Sie müssen ja nicht ran glauben, um das anerkennen zu können.

    Na ja, dieselben, die den christlichen Glauben auf allen Kontinenten verbreitet haben. Woher wollen Sie übrigens wissen, ob Mormonen Selbstkritik fremd ist? Oder anders ausgegrückt "Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr?"

    Sie sagen es. Es ist nicht verwunderlich, dass Menschen genervt reagieren, wenn Unbekannte an der Tür klingeln und missionieren wollen.
    Es hat auch nichts mit mangelnder Toleranz zu tun. Toleranz bedeutet für mich leben und leben lassen. Ich respektiere den Glauben oder Nichtglauben meiner Mitmenschen, erwarte im Gegenzug aber auch, nicht mit Bekehrungsversuchen belästigt zu werden.

    es gibt nur einen unterschied zwischen sekte und religionsgemeinschaft und das ist die anzahl ihrer mitglieder....

    auch das christentum begann als kleine gruppe von juden die in jebus den angekündigten letzten propheten erkannt haben wollten.

    http://de.wikipedia.org/w...

  6. 6. [...]

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    Antwort auf "Niveau-Alarm"
  7. 7. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich konstruktiv an der Debatte. Danke, die Redaktion/ds

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    ...nichts gegen religiöse Splittergruppen !
    Eine Ex von mir war Adventistin, sehr gläubig (hat jeden Monat 10% von ihrem Nettolohn gestiftet und/oder gespendet) und nebenbei gesagt von keinem Missionseifer beseelt. Sie hatte klare Vorstellungen von dem alten Mann im Himmel, aber das hat sie nicht davon abgehalten im Bett abzugehen wie eine Rakete, wie gesagt unehelich und konfessionslos. Davon können sich die Katholiken eine Scheibe abschneiden.
    Nur so ein Einwurf !
    Sorry
    GoG

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