TerrorismusDutzende Tote bei Stammeskonflikten in Nigeria

Im Norden Nigerias ist eine Gruppe Nomaden mordend und plündernd durch christliche Siedlungen gezogen. Auf einer Beerdigung wurden zudem zwei Politiker erschossen.

Bei Stammeskonflikten im Nordwesten Nigerias sind am Wochenende mindestens 63 Menschen getötet und mehr als 100 weitere verletzt worden. Dies bestätigte die Polizei in der Provinzhauptstadt Jos. Augenzeugen berichteten, dass es noch weit mehr Opfer gebe.

Am Samstag überfielen mehr als Hundert Fulani-Nomaden, die sich als Soldaten verkleidet hatten, von Christen bewohnte Dörfer in der Gemeinde Barkin Ladi nahe Jos. Nach Polizeiangaben zogen sie systematisch mordend und plündernd durch mehrere Orte. Noch am Sonntag seien viele Polizisten notwendig gewesen, um die aufgebrachten Menschen zu beruhigen.

Anzeige

Am Samstagnachmittag wurden in Kakuruk Village in derselben Gegend zudem zwei Politiker erschossen, Senator Gyang Dantong und der Parlamentsabgeordnete Gyang Fulani. Sie nahmen gerade an einer Beerdigung von anderen Opfern von Gewalttaten teil. Die Regierung des Bundesstaates Plateau verhängte für Sonntag und Montag abends und nachts eine allgemeine Ausgangssperre in weiten Teilen von Jos sowie in den umliegenden Gemeinden.

Die Stammeskonflikte in Nigeria haben religiöse und soziale Gründe. Die meist islamischen Ureinwohner im Norden Nigerias betrachten christliche Bauern und Kaufleute, die zum Teil schon seit Jahrzehnten in der Region leben, noch immer als Fremde und Eindringlinge.

Radikale Islamisten nutzen die sozialen Spannungen aus. Vor allem die Sekte Boko Haram ist für zahlreiche Angriffe verantwortlich. Tausende von Christen sind seit 2011 angesichts der Bedrohungen aus dem überwiegend islamischen Norden geflohen. Nach Schätzungen sind weit über 1.000 Menschen in den vergangenen zwölf Monaten durch islamistischen Terror ums Leben gekommen.
 

 
Leserkommentare
  1. Rassistisch motivierte Massenmorde an Christen durch Islamisten als "Stammeskonflikt" zu beschönigen ist ja wirklich ein neues Highlight journalistischer Sprachfindung.

    [...]

    Der erste Schritt ein Problem zu bekämpfen, ist zuzugeben, dass es existiert und der hässlichen Wahrheit ins Gesicht zu schauen.

    Gekürzt. Bitte beachten Sie das konkrete Artikelthema. Danke, die Redaktion/ls

    9 Leserempfehlungen
  2. 2. [...]

    Entfernt. Die Redaktion/ls

  3. Eine Leserempfehlung
  4. [...]
    Was allerdings in dem Bericht jedes Niveau unterschreitet, ist die Opfer indirekt für die Anschläge verantwortlich zu machen: "Konflikt" ist immer etwas zweiseitiges ... und von wem die Aggressionen durch 'Zuzug' eigentlich ausgehen, wird in dem Artikel ja auch angedeutet, nämlich von den christlichen 'Kaufleuten' (meint wohl in indirekter Konnonation 'Ausbeuter und Wucherer' ...).

    Solche Artikel treiben einem die Galle hoch, aber wie gesagt, an der Sprache sollt ihr sie erkennen ...

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/ls

    7 Leserempfehlungen
    • TDU
    • 09.07.2012 um 9:37 Uhr

    "Die meist islamischen Ureinwohner im Norden Nigerias betrachten christliche Bauern und Kaufleute, die zum Teil schon seit Jahrzehnten in der Region leben, noch immer als Fremde und Eindringlinge."

    Das glaube ich. Wenn man selbst nichts auf die Reihe bekommt, sind immer die Erfolgreichen verantwortlich. Wer könnte das besser beurteilen als ein Deutscher, in dessen Land gleich 6 Millionen von den Ureinwohnern umgebracht wurden.

    7 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Geste
    • 09.07.2012 um 10:24 Uhr

    Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare zum konkreten Artikelinhalt. Danke, die Redaktion/au.

    wird es Zeit, mit einem weit verbreiteten Irrtum aufzuräumen. In Deutschland wurden von ihnen nicht 6 Mio ermordet. Diese Zahl bezieht sich auf ganz Europa. Die meisten von ihnen kamen in den Vernichtungslagern Osteuropas um. In Deutschland selbst waren es "nur" etwa 500 000. 6 Millionen Juden haben in Deutschland zu keinem Zeitpunkt gelebt.

    • Geste
    • 09.07.2012 um 10:24 Uhr

    Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare zum konkreten Artikelinhalt. Danke, die Redaktion/au.

    wird es Zeit, mit einem weit verbreiteten Irrtum aufzuräumen. In Deutschland wurden von ihnen nicht 6 Mio ermordet. Diese Zahl bezieht sich auf ganz Europa. Die meisten von ihnen kamen in den Vernichtungslagern Osteuropas um. In Deutschland selbst waren es "nur" etwa 500 000. 6 Millionen Juden haben in Deutschland zu keinem Zeitpunkt gelebt.

  5. http://www.preussische-al...
    Wir sollten nie vergessen, "Islam heißt Frieden".

    6 Leserempfehlungen
  6. das offzizielle mediale Codewort...

    5 Leserempfehlungen
  7. Der Norden Nigerias, wie auch der Rest des Landes, ist ein sehr komplexes, hochgradig heterogenes gesellschaftliches Gefüge. Der Norden besteht aus vielen verschiedenen ethnischen Gruppen, die seit Jahrhunderten in den heutigen nordischen Bundesstaaten Nigerias leben. Der Islam kam erst im zehnten Jahrhundert nach Nigeria.
    Es ist deshalb mehr als unpassend die vielen ethnischen Gruppen unter dem Begriff "Stammeskonflikte" abzutun. Außerdem ist auch auch das Wort "Ureinwohner" nicht besonders angebracht in diesem Kontext. Es handelt sich hier doch nicht um einen Reisebericht aus kolonialer Zeit, in dem das "exotische" Leben von "Ureinwohnern" beschrieben wird.
    Es gibt nicht einen konkreten Beweggrund für die Motivation dieser Gewaltakte und Massaker im Norden Nigerias.
    Es geht vor allem um Macht. Muslime des Nordens wollen ihre Macht ausweiten und deshalb christliche Gemeinschaften vertreiben und schwächen. Feindschaften zwischen ethnischen und religiösen Gruppen aus Nord- und Südnigeria bestehen mindestens seit der Unabhängigkeit.
    Zu den Racheakten tragen auch Christen bei, die sich vom nigerianischen Staat diskriminert fühlen. Denn die nigerianische Verfassung von 1999 benachteiligt Siedler und Zugezogene vor Indigenen. Dies schürt natürlich den Brandherd.
    Weltsichtig macht es sich einfach zu sagen, die Morde seien ausschließlich religiös motiviert und rassistisch. Der wachsende Terror und Extremismus Nigerias ist furchtbar aber leider schwer kontrollierbar.

    7 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Womöglich haben Sie sogar recht, dass es in Nigeria, wie in diesem aktuellen Fall, neben religiösen noch anders motivierte Morde gibt. Ein ungutes Gefühl bleibt denoch, da sich in vielen Weltgegenden Morde nach diesem Muster häufen (Nigeria, Ägypten, Malaysia, Tansania...). Es lässt den Eindruck entstehen, dass die Ethik, bzw. Nichtethik derartiger Mörder immer eine einschlägige religiöse Unterfütterung hat. Damit soll nichts behauptet werden, natürlich nicht.

    Womöglich haben Sie sogar recht, dass es in Nigeria, wie in diesem aktuellen Fall, neben religiösen noch anders motivierte Morde gibt. Ein ungutes Gefühl bleibt denoch, da sich in vielen Weltgegenden Morde nach diesem Muster häufen (Nigeria, Ägypten, Malaysia, Tansania...). Es lässt den Eindruck entstehen, dass die Ethik, bzw. Nichtethik derartiger Mörder immer eine einschlägige religiöse Unterfütterung hat. Damit soll nichts behauptet werden, natürlich nicht.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Kommentare 17
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Schlagworte Terrorismus | Nigeria | Ausgangssperre | Dorf | Opfer | Polizei
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service