Nordkorea : Die neue Seite der Kim-Dynastie

Umbruch in Nordkorea? Ein Top-Militär verlässt die Führung des Diktatorenstaates. Gleichzeitig sind westliche Symbole im Land zu sehen.
Kim Jong Un (2. von rechts) applaudiert in Begleitung einer unbekannten Dame der Popband Moranbong. © KNS/AFP/GettyImages

Einer der mächtigsten Männer Nordkoreas – Ri Yong Ho – muss gehen . Ein sicheres Zeichen dafür, dass die Macht in der komplett verarmten Diktatur neu austariert wird. Als Armeechef und gleichzeitiger Vize der Nationalen Verteidigungskommission, die das Militär kontrolliert, stand Ri ganz weit oben in der Hierarchie des Staates. Vorsitzender dieser Militärkommission, die das eigentliche Machtzentrum Nordkoreas darstellt, ist seit April dieses Jahres der junge, wahrscheinlich erst dreißigjährige Diktator Kim Jong Un. Mit der Demission des siebzigjährigen Ri Yong Ho scheint er jetzt seine eigenen Loyalitäten aufbauen zu wollen. Man kann davon ausgehen, dass er ihn durch einen jüngeren, ihm direkt verbundenen Militär ersetzen wird.

Ri hatte nach dem Tod von Jong Uns Vater Kim Jong Il die Übernahme der Macht durch den Sohn öffentlich begleitet. In den vergangenen Monaten sah man Ri regelmäßig an der Seite von Kim Jong Un, etwa bei Besuchen der Streitkräfte. Er begleitete Kim Jong Un auch bei einer Gedenkzeremonie zum Todestag von dessen Großvater Kim Il Sung am 8. Juli. Als Kim Jong Il im Dezember starb, war er einer von sieben Vertretern aus Partei und Militär, die zusammen mit Kim Jong Un bei dem Trauerzug direkt neben dem Wagen mit dem Sarg liefen. Zusammen mit Kim Jong Ils Schwester Kim Kyong-hui und Schwager Jang Song Taek sowie Kim Jong Un selbst, war Ri Yong Ho Teil einer Art Viererbande, die seit Ende letzten Jahres das Land beherrschte.

Offiziell heißt es, Ri sei krank und trete deswegen zurück. Doch sind gesundheitliche Probleme in Diktaturen wie Nordkorea erst einmal kein Grund, Posten in Partei, Staat und Militär aufzugeben. In Abwesenheit geregelter Übergänge bleibt man im Amt bis zur bitteren Neige – sofern nicht eine Machtprobe dazwischen kommt. Das scheint jetzt der Fall zu sein.

Jang Song Taek, der mächtige Onkel

In Nordkorea hat das Militär seit den neunziger Jahren eine beherrschende Rolle eingenommen. Kim Jong Uns Vater und Vorgänger, Diktator Kim Jong Il, hatte 1995 die Songun-Doktrin ausgerufen, nach der die Armee des Landes politischen Vorrang vor allem anderen habe. Zur Sicherheit ließ er in der Doktrin gleich noch verkünden, dass Armee und Partei eins seien. Inzwischen ist die nordkoreanische Armee mit 1,2 Millionen Soldaten eine der größten der Welt. Gleichzeitig ließ Kim Jong Il für viel Geld Raketen und eine Atombombe bauen, die dem diktatorischen System allgemein und dem Kim-Clan selbst eine gewisse Stabilität verliehen haben.

Will Kim Jong Un daher gegenüber dem Militär seine Macht demonstrieren und gleichzeitig die Rolle der Parteinomenklatura stärken, gäbe es wahrscheinlich keine symbolhaftere Demission als jene Ri Yong Hos. Auch soll das Militär in den vergangenen Jahren wirtschaftliche Reformversuche regelmäßig abgewürgt haben. Der mächtige Kim-Onkel Jang Song Taek jedoch hat kürzlich erst den 2007 degradierten Wirtschaftsfunktionär Pak Pong Ju in den inneren Zirkel zurückbeordert.

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Kommentare

18 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

"Zusammenhänge"

Ich habe mich vom Artikel inspirieren lassen.

1) Die Nordkoreaner können sich laut Text nicht selber ernähren, in den USA sind 46 Mio Menschen auf Essensmarken angewiesen.

2) Micky Maus erobert Nordkorea, in den USA begleitet sie die Amerikaner seit der Zeit der Wirtschaftskrise in eine andere Welt, um Freude und Trost zu spenden.

3) 1 + 2: In Amerika gibt es doppelt so viele Menschen, die auf milde Gaben angewiesen sind wie in Nordkorea.

Anm.: Sie können sich selber ausrechnen, dass es in Amerika auch wenigstens doppelt so viele Menschen gibt wie in Nordkorea, die nicht auf Essensmarken angewiesen sind. Aber das ist schon ziemlich weit weg vom Artikelthema. Selbstverständlich ist mir klar, dass die Armen in USA, wenn sie Micky Maus konsumieren auch noch Lizenzgebühren an Disney zahlen müssen, während sich die Nordkoreaner vermutlich um diesen Dienst am kreativen Kopf drücken.

Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Provokationen. Danke, die Redaktion/jz

Irrtum

Ich bin weder eine Frau, noch habe ich eine Ahnung, um was es in dem von Ihnen beschriebenen Buch gehen soll (und ich interessiere mich sicher nicht fuer Kraeutermedizin). FYI: Es gibt eine Menge Hladiks in Deutschland (und noch mehr in der Tschechei).

Und wenn ich Sie "stalken" wollte, dann waere ich sicher clever genug dass nicht unter meinem Realnamen zu tun. Wenn Sie sich mal meine Posts aus der Vergangenheit ansehen, werden Sie auch sehen, dass Ihr Verlag nicht besonders wichtig fuer mich ist.

Rhetorische Polemik...

...und vollkommen am Thema vorbei, was Sie hier beizutragen haben. Es geht in dem Artikel nicht um Amerika und (ihre?) Anti-Amerikanische Gesinnung, sondern um die aktuelle Situation in Nord-Korea.

Somit zum Thema:

Es sind - für die Welt - nur scheinbare, unwesentliche Kleinigkeiten, die in Nord-Korea passieren, aber diese winzigen Details faszinieren mich schon. Für jeden, der auch nur ein wenig mit der Lage in Nord-Korea vertraut ist (und dazu reichen die Standard-Nachrichten über das Land aus)steht fest: Für Nord-Korea selbst gleichen die Veränderungen fast einem Erdbeben der Stufe 8 inkl. Tsunami-Alarm. Wobei ich, zu guter Letzt, noch nicht zu prophezeien wage, in welche Richtung die Welle geht und was sie zerstören und für die Zukunft hinterlassen = der Zukunft bringen wird.

Die Großmacht und großer Bruder

China lebt ja vor, wie Öffnung geht. Gut möglich, dass der große Bruder dem Kleinen gesagt hat, wo es jetzt lang gehen sollte. Denn China hat genug Probleme und ist sicherlich nicht an einem Krisenherd auf der koreanischen Halbinsel interessiert.

Umbruch in Nordkorea? Bitte was?

Ich kann den Artikel wirklich null nachvollziehen. Ein hoher Militär verlässt seinen Posten wegen Krankheit udn der Autor will uns ein neues Nordkorea suggerieren? Kim isst einen Bürger und wird zum Kapitalist?

Ich denke selbst in einer Diktatur wie Nordkorea muss man kranke Angestellte ersetzen. Dieses Argument kann ich garnicht nachvollziehen. Nur weil der jetzt tote Kim Jong Il trotz Krankheit noch im Amt war, ist das bei seinen Angestellten mit echten Aufgaben, nicht nur zwei Fototermine im Jahr, noch lange nicht so.