The Times ( London ): Die UN sind matt gesetzt

"Der Stillstand im UN-Sicherheitsrat dauert an. Russland und China haben bedauerlicherweise zum dritten Mal ein Veto gegen eine Entschließung eingelegt, mit der der Druck auf das Assad-Regime verstärkt werden sollte. Westliche Regierungen sollten jedoch alles tun, um Syrien eine friedliche Ära nach Assad zu ermöglichen. Derweil sollten die Nato-Länder eine Flugverbotszone in Syrien durchsetzen. Dies würde Assad die Angriffe gegen seine Bevölkerung erschweren, die jetzt auch aus der Luft geführt werden. Die Handlungsfähigkeit der UN ist zwar matt gesetzt. Doch die USA und ihre Verbündeten, die die Rebellen unterstützen, dürften bei den Nachfolgern Assads ein besseres Ansehen haben als Russland und China ."

Le Monde ( Paris ): Unfähig, die Krise zu beeinflussen

" Damaskus steht in Flammen, und der UN-Sicherheitsrat windet sich. Seit 16 Monaten zeigt sich die UN-Diplomatie unfähig, die Krise in Syrien zu beeinflussen. Die Mission des früheren UN-Generalsekretärs Kofi Annan und die Entsendung von Blauhelmen sind in erster Linie Ausdruck der westlichen Ohnmacht. Eine bedrückende Feststellung, da sie die Existenz der UN tangiert: Kriege zu verhindern und Bürger zu schützen. Doch es hat keinen Sinn, sich Illusionen hinzugeben. Die internationale Politik wird wieder zur Geltung kommen, wenn in der Zeit nach dem Abgang von Assad im Nahen Osten die Karten neu gemischt werden. Diese Stunde ist noch nicht gekommen. Es herrscht immer noch Krieg."

Berlingske Tidende ( Kopenhagen ): Unglücklicher Präzedenzfall

"Russland und China haben erhebliche eigene Interessen in Syrien . Sie sind aber wohl auch generell dagegen, dass andere sich in innere Angelegenheiten eines Landes einmischen. Es könnte ja einen unglücklichen Präzedenzfall schaffen, falls Peking oder Moskau mal mit ein paar Panzern irgendeinen Aufruhr in der eigenen Interessensphäre niederwalzen lassen sollten. Aber dass beide Länder damit so leicht davonkommen, muss doch verwundern."

De Volkskrant ( Amsterdam ): Hohle Kritik an Russland und China

" Irak und Afghanistan haben gezeigt, dass es schwieriger ist, ein Land aufzubauen, als in ein Land einzufallen. In diesem Lichte erscheint die Kritik an Russland und China, die eine Resolution verhinderten, die eine Tür für ein Eingreifen geöffnet hätte, ziemlich hohl. Auch mit einer Resolution des Sicherheitsrates in den Händen würden westliche Staaten keine Truppen nach Syrien schicken, um der Opposition gegen Assad zu helfen. Es wäre vernünftiger, Russland auf andere Art dazu zu bringen, den Druck auf Assad zu erhöhen. Schließlich ist Russland einer der wenigen Staaten, die Einfluss auf den syrischen Präsidenten haben. Wenn wirklich der Endkampf gegen Assad begonnen hat, könnte Moskau zumindest bei der Organisierung einer ordentlichen Machtübergabe eine wichtige Rolle spielen."

Die Presse ( Wien ): Schwarz-Weiß-Bild ist längst verwischt

"Jetzt muss sich jeder, der Assad bis jetzt noch treu gedient hat, überlegen, ob er von der nahenden Regimedämmerung mitgerissen werden will oder nicht doch besser die Seiten wechselt. (...) Mit gutem Grund hat man im Westen allerdings eine Intervention verworfen, wie sie in Gedankenspielen mancher arabischer Führer vorkommt, deren Eigeninteressen mit ihnen durchgehen. Ein Gegenargument wurde zwar mittlerweile ad absurdum geführt: dass nämlich eine solche Intervention das Land schnurstracks in den Bürgerkrieg führen würde. Dieser hat ganz ohne direktes ausländisches Eingreifen begonnen. (…) Berichte über Gräueltaten seitens der Rebellen nehmen massiv zu. Das syrische Schwarz-Weiß-Bild ist längst verwischt, dies sollten sich auch Staaten im Westen eingestehen, die mit gutem Grund auf einen Sturz Assads hoffen."

Kommersant (Moskau): Es droht ein religiöser Krieg

"Eine Gefahr ist die endgültige Umwandlung des syrischen Konflikts in einen religiösen Krieg der Sunniten, welche die Basis der Opposition bilden, gegen die Alawiten und anderen religiösen Minderheiten. Dieses Szenario könnte zu einem Zerfall des Landes führen – zu seiner 'Libanonisierung' oder gar seiner 'Somalisierung'. Falls der Bürgerkrieg mit einem Sieg der Opposition endet und nicht mit einer politischen Lösung, könnten die Alawiten den Widerstand in ihren Hochburgen fortsetzen. Eine davon ist die Küstenstadt Latakia und Umgebung, wohin sich Präsident Baschar al-Assad aus dem gefährlichen Damaskus abgesetzt hat."