RessourcenfluchRohstoffmärkte müssen reguliert werden

Reichtum an Naturressourcen hat armen Ländern bislang meist Unglück gebracht. Die Bekämpfung dieser Misere ist Aufgabe der internationalen Politik. von Christian von Haldenwang

Guinea Bauxit

Ein Zug beladen mit Bauxit in Kamsar, Guinea   |  © GEORGES GOBET/AFP/Getty Images

Bis vor wenigen Jahren war klar: Reichtum an natürlichen Ressourcen ist für die meisten Länder der Erde kein Segen, sondern ein Fluch. Gemeint waren damit in erster Linie nicht-erneuerbare mineralische und fossile Rohstoffe. Sofern man nicht über die guten öffentlichen Institutionen von Norwegen oder Australien verfügte, würde die Ausbeutung von Bodenschätzen fast zwangsläufig zu niedrigeren Wachstumsraten, ungünstiger sozialer Entwicklung und undemokratischen politischen Verhältnissen führen. Der Aufstieg in die Champions League der entwickelten Staaten konnte nur über Industrie und verarbeitendes Gewerbe erfolgen, hieß es in der Entwicklungsforschung.

Christian von Haldenwang

ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung "Governance, Staatlichkeit, Sicherheit" am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE). Das DIE zählt weltweit zu den führenden Forschungsinstituten zu Fragen internationaler Entwicklungspolitik.

An dieser Einschätzung ist auch heute noch vieles richtig, aber in letzter Zeit hat sich der Blick auf Naturressourcen verändert. Vor allem zwei Tendenzen haben hierzu beigetragen: Zum einen haben einige Staaten, insbesondere aus der lateinamerikanischen Region, eine rasante Entwicklung hingelegt, bei der ein ressourcenbasierter Wachstumspfad mit gut fokussierten Sozialprogrammen verknüpft und in solide Wirtschafts- und Finanzpolitiken eingebettet war. Zum anderen hat die wissenschaftliche Begleitforschung in den vergangenen Jahren neue Erkenntnisse produziert, die eine differenziertere Interpretation nahelegen.

Anzeige

Eine zentrale Botschaft aus diesen Studien lautet: Auch für Entwicklungsländer muss Ressourcenreichtum kein Nachteil sein. Entscheidend für den gemeinwohlorientierten Umgang mit Ressourcen sind Transparenz sowie die Existenz institutioneller dhecks and balances im politischen System. Um einen entwicklungsförderlichen Kontext herzustellen, müssen nationale und internationale Anstrengungen ineinandergreifen. Hierin liegt eine wesentliche Aufgabe der Industrieländer, die mehr als bisher dazu beitragen können, dass Naturressourcen verantwortlich eingesetzt werden.

Durch Rohstoffreichtum leidet die Wettbewerbsfähigkeit

Die These vom Ressourcenfluch hat eine ökonomische und eine politische Dimension. Ökonomisch gilt, dass die hohe Abhängigkeit eines Landes vom Rohstoffexport eine verzerrte Wirtschaftsstruktur hervorbringt, bei der Investitionen und Produktivitätszuwächse in den übrigen Sektoren niedriger ausfallen, als sonst zu erwarten wäre. Hierunter leiden Wettbewerbsfähigkeit und Wachstumschancen der gesamten Volkswirtschaft. Preisschwankungen auf den Weltmärkten erschweren die Planung von Investitionen und staatlichen Haushalten zusätzlich. Außerdem führt die Aneignung der Rohstoffrente durch den Staat aufgrund fehlenden Wettbewerbs häufig zu Ineffizienzen, die auch die Entwicklung im Rohstoffsektor selbst beeinträchtigen.

Die ökonomischen Ursachen des Ressourcenfluchs sind also identifiziert. Auch die Lösungsansätze sind im Grunde bekannt. Wichtig ist es, Anreize für die Diversifizierung der Wirtschaft zu schaffen und einen Teil der Rohstoffeinnahmen zu sparen. Gelingt dies, hat man schon viel dazu getan, dass Staat und Wirtschaft nicht völlig von den schwankenden Weltmarktpreisen für Rohstoffe abhängen und sich das Wirtschaftswachstum verstetigt. Zusätzlich muss der Staat für humane Arbeitsbedingungen und den Schutz der Umwelt Sorge tragen. Eine zentrale Herausforderung besteht zudem darin, die Rohstoffrente so zu verteilen, dass sie auch den Armen zugutekommt, dass die Bevölkerung in besonders belasteten Gebieten entschädigt wird und dass auch künftige Generationen etwas vom Reichtum des Landes haben.

Leserkommentare
  1. Die Rohstoffe dieser Erde gehören allen und sollten somit auch im Sinne aller Menschen dieser Erde verwaltet werden. Es kann nicht sein, daß ein Bruchteil der Erdbevölkerung Rohstoffe sinnlos verschleudert und damit nachfolgenden Generationen einen Haufen Müll und "verbrannte" Erde hinterläßt bzw. ein Großteil der Erdbevölkerung überhaupt nicht von der Nutzung der Rohstoffe profitiert.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    <em>Die Rohstoffe dieser Erde gehören allen und sollten somit auch im Sinne aller Menschen dieser Erde verwaltet werden. </em>

    Genauer: Die Rohstoffe eines Landes gehören den Einwohner dieses Landes.

    Auch wenn Gaddhafi ein Freak war. Er hat immerzu darauf hingewiesen, dass der ressourcenreichste Kontinet der Welt gleichzeit der ärmste ist.

    Er hatte Pläne für Afrika, die vorallem UNS nicht gepasst haben. Sein Vorsitz in der Afrikanischen Union war die beste Zeit dieser Institution.

    Er hat Entwicklungsfonds aufgesetzt, die anders als Weltbank- oder IWF Kredite keine neoliberalen Reformen vorrausetzen. Er hat sogar mit den Gedanken gespielt eine goldgedeckte afrikanische Einheitswährung zu etablieren. Dies hätte einerseits dazu geführt, dass diese Währung wohl die stabilste der Welt geworden wäre und andererseits den Import der Rohstoffe für den Westen enorm verteuert.

    Diese naive Idee (weil es klar war dass der Westen das nicht geschehen lässt) hätte Afrika retten können.

    Nein, Lösungen für die Misere mit den Rohstoffländern gibt es genug. Nur solange Weltbank & IWF die Entwicklung von armen Ländern dominieren, die Wallstreet und die City of London den kompletten Ressourcenhandel steuern und Staatsoberhäupter die etwas ändern wollen bekämpft werden - werden diese Länder für immer ausgeblutet werden.

  2. Bei der Ausbeutung der Rohstoffe unseres Planeten stehen wir in Konkurrenz weniger mit den Menschen anderer Laender, mit denen wir durch den Welthandel sowieso eng verbunden sind, sondern viel mehr mit unseren eigenen Kindern und Kindeskindern. Denn denen werden die Rohstoffe fehlen, die wir heute so arglos aufbrauchen.

  3. sind bestenfalls die halbe Wahrheit:

    "Solange Unternehmen und korrupte Einzelpersonen alle Möglichkeiten haben, dubiose Praktiken zu verschleiern und illegal erzielte Profite zu verschieben, wird auch die bestgemeinte Entwicklungspolitik ins Leere laufen."

    Dieser Satz beschreibt die Situation am Besten, wobei hier ausgeklammert wird, welchen negativen Einfluss die USA und auch andere Großmächte auf die Entwicklungsländer genommen haben. Wollten diese eine für die eigene Bevölkerung vernünftige Politik, zu "Lasten" der Rohstoffkonzerne, einführen, wurden die betreffenden Regierungen "ausgewechselt".

    Welches Theater auf internationaler Bühne gespielt wird, können Sie bei den seltenen Erden sehen, die China nicht mehr aus klein und kleinst Minen exportieren möchte. (Die sozialen und ökologischen Bedingungen sind dort allen Informationen nach wirklich extrem negativ).

    Ich habe mir immer die Frage gestellt, wieso in einer Welt in der Ressourcen so wichtig sind, die Industrieländer ein Interesse haben sollten an einer sich entwickelten Peripherie - zumindest der Denkschule des Realismusses folgend - das gerede von besseren Handelspartnern leuchtet nicht besonders ein, denn gleichzeitig müssten auch die Rohstoffpreise massiv steigen, da die pro Kopf Verfügbarkeit -z.B. von Öl- sinkt (weil die Produktionskapazitäten nicht umfassend genug ausgeweitet werden können.)

    Natürlich tragen auch die Eliten der Länder ihr Scherflein bei... Ohne Lösung der Ressourcenfrage, keine Entwickl.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die Ressourcenfrage wird nur dann geloest werden koennen, wenn wir uns vom Kapitalismus in seiner jetzt praktizierten Form loesen und stattdessen ein globales Wirtschaftssystem adaptieren, das auf Nachhaltigkeit, Regeneration von Ressourcen wo moeglich und Gerechtigkeit setzt.

    Es macht keinen Sinn, wenn in Afrika kostbare Erze und in Arabien Oel dem Erdboden entrissen werden, so dass irgendwo in China 12jaehrige Kinder von gierigen Unternehmern an die Werkbank gekettet werden, um fuer 50 Cent am Tag Oel und Erz in ein Fertigprodukt umzuwandeln, waehrend in Deutschland die Konsumenten dieser Produkte diese nach kurzzeitigem Gebrauch in den Muell schmeissen.

    Genau so sieht jedoch der Wirtschaftskreislauf aus, den Kapitalismus und Globalisierung mit sich gebracht haben. Wie wird sich solch ein System zum Vorteil aller Beteiligten reformieren lassen?

  4. Die Ressourcenfrage wird nur dann geloest werden koennen, wenn wir uns vom Kapitalismus in seiner jetzt praktizierten Form loesen und stattdessen ein globales Wirtschaftssystem adaptieren, das auf Nachhaltigkeit, Regeneration von Ressourcen wo moeglich und Gerechtigkeit setzt.

    Es macht keinen Sinn, wenn in Afrika kostbare Erze und in Arabien Oel dem Erdboden entrissen werden, so dass irgendwo in China 12jaehrige Kinder von gierigen Unternehmern an die Werkbank gekettet werden, um fuer 50 Cent am Tag Oel und Erz in ein Fertigprodukt umzuwandeln, waehrend in Deutschland die Konsumenten dieser Produkte diese nach kurzzeitigem Gebrauch in den Muell schmeissen.

    Genau so sieht jedoch der Wirtschaftskreislauf aus, den Kapitalismus und Globalisierung mit sich gebracht haben. Wie wird sich solch ein System zum Vorteil aller Beteiligten reformieren lassen?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das Ende des "Kapitalismus" werden Sie nicht per dekret verordnen können - die Probleme gehen für mich tiefer und basieren auf den menschlichen Interessen und Fehlern - z.B. der Vererbung von Vermögen an die eigenen Nachkommen.

    Das Problem ist, dass die meisten Menschen dumm sind und es auch bleiben möchten - schauen Sie sich die Fußballstadien an, dort wird sicherlich keine Weltpolitik betrieben - trotzdem zahlen Menschen viel Geld für diese Unterhaltung.

    Oder gehen Sie in Entwicklungsländer - dort leben nicht die gerechten und glückseligen Menschen - auch unter Armen gibt es eine Rangordnung.

    Es ist zu "einfach" dem Kapitalismus die Schuld zu geben, eigentlich ist dieser lediglich der kleinste Nenner. Nichts desto trotz ist unsere heutige Form zu wirtschaften nicht intelligent.

    Eine Regulierung der Rohstoffmärkte wäre eigentlich eine gute Lösung - aber wie hat diese auszusehen? Ich wäre z.B. für eine Abkehr des Handels von Rohstoffen in Dollar - hin zu einer internationalen Kunstwährung oder in wichtigen Währungen? Oder beinhaltet die Regulierung nur Umwelt und Sozialstandards? Wer legt diese fest und überprüft sie? Wer überprüft die Rohstoffe auf legale herkunft?

    Eine Regulierung wäre sicherlich sinnvoll - wenn alles so einfach funktionieren würde. Leider wird auch die sinnvollste Regulierung umgangen, wenn einzelne dadurch einen ausreichenden Gewinn erzielen können..... Leider.

  5. ist sicher die seit jahrzehnten betriebene des Westens?
    Weiße Salbe auf nichtheilende Wunden, die die globalisierte Martwirtschaft jeden Tag neu schlägt.
    Sorry, aber da klingt der Ruf nach Regulierung des Rohstoffmarktes "im Interesse der armen Rohstoffländer" doch sehr wenig überzeugend.
    Will man da wild pendelnden / steigenden Preisen vorbeugen oder denkt man "gegen China".
    Daran (die ohnehin kaum ausweichlichen) Preissteigerungen zu beflügeln kann ja wohl kaum jemand wirtschaftlich interessiert sein.

  6. Das Ende des "Kapitalismus" werden Sie nicht per dekret verordnen können - die Probleme gehen für mich tiefer und basieren auf den menschlichen Interessen und Fehlern - z.B. der Vererbung von Vermögen an die eigenen Nachkommen.

    Das Problem ist, dass die meisten Menschen dumm sind und es auch bleiben möchten - schauen Sie sich die Fußballstadien an, dort wird sicherlich keine Weltpolitik betrieben - trotzdem zahlen Menschen viel Geld für diese Unterhaltung.

    Oder gehen Sie in Entwicklungsländer - dort leben nicht die gerechten und glückseligen Menschen - auch unter Armen gibt es eine Rangordnung.

    Es ist zu "einfach" dem Kapitalismus die Schuld zu geben, eigentlich ist dieser lediglich der kleinste Nenner. Nichts desto trotz ist unsere heutige Form zu wirtschaften nicht intelligent.

    Eine Regulierung der Rohstoffmärkte wäre eigentlich eine gute Lösung - aber wie hat diese auszusehen? Ich wäre z.B. für eine Abkehr des Handels von Rohstoffen in Dollar - hin zu einer internationalen Kunstwährung oder in wichtigen Währungen? Oder beinhaltet die Regulierung nur Umwelt und Sozialstandards? Wer legt diese fest und überprüft sie? Wer überprüft die Rohstoffe auf legale herkunft?

    Eine Regulierung wäre sicherlich sinnvoll - wenn alles so einfach funktionieren würde. Leider wird auch die sinnvollste Regulierung umgangen, wenn einzelne dadurch einen ausreichenden Gewinn erzielen können..... Leider.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich bin ganz Ihrer Ansicht.

    Es koennte ein Anfang gemacht werden, die Rohstoffmaerkte zu regulieren, in dem Spekulation mit Rohstoffen weitestgehend unterbunden wird, durch eine globale Steuer auf solche Spekulationsgewinne beispielsweise.

    Die eigentlichen Uebel aber sind Gier und Verschwendung. Das Denken, das derjenige, der mehr hat, und bessere, schoenere, groessere Objekte besitzt, bevorteilt ist und seinen Sozialstatus erhoehen kann, sitzt uns auch nach Millionen Jahren der sozialen Evolution immer noch in den Knochen.

    Dazu tragen natuerlich auch die Medien bei: wieso werden uns eigentlich so oft Verschwendung, Reichtum und Prunksucht als positives Beispiel gezeigt, und so selten Bescheidenheit und Glueck in der Einfachkeit?

  7. profitieren in der Regel nicht von der Ausbeutung ihrer Rohstoffe. Sie werden von den Industrienationen und "Schwellenländern" wie China in Abhängigkeiten gezwungen die unter Umständen durch Anheizung von Kriegerischen Konflikten jede positive Entwicklung verhindern.

    Das ist Neo Kolonialismus brutalster Natur. Trotz aller Beteuerungen, auch unserer Regierung die Entwicklung von Bildung, Gesundheitswesen und Aufbau eigener sich selbst verwaltenden Strukturen zu unterstützen, macht die Politik der von Merkel geführten Regierung genau das Gegenteil. Niebel unterstützt seine Klientel und er vergißt dabei das die Länder, die Heute ihrer Rohstoffe beraubt werden ohne entsprechende Infrastruktur keine Zukunft haben und in Zukunft als "Partner in Augenhöhe" wegfallen.

    Diese kurzfristige, dem Neo Kolonialismus gezollte Betrachtungsweise wird uns langfristig schaden. Den ausgebeuteten Ländern Allemal.

  8. Ich bin ganz Ihrer Ansicht.

    Es koennte ein Anfang gemacht werden, die Rohstoffmaerkte zu regulieren, in dem Spekulation mit Rohstoffen weitestgehend unterbunden wird, durch eine globale Steuer auf solche Spekulationsgewinne beispielsweise.

    Die eigentlichen Uebel aber sind Gier und Verschwendung. Das Denken, das derjenige, der mehr hat, und bessere, schoenere, groessere Objekte besitzt, bevorteilt ist und seinen Sozialstatus erhoehen kann, sitzt uns auch nach Millionen Jahren der sozialen Evolution immer noch in den Knochen.

    Dazu tragen natuerlich auch die Medien bei: wieso werden uns eigentlich so oft Verschwendung, Reichtum und Prunksucht als positives Beispiel gezeigt, und so selten Bescheidenheit und Glueck in der Einfachkeit?

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service