Bei seinem Besuch in Israel hat US-Präsidentschaftsbewerber Mitt Romney keine Gelegenheit ausgelassen, um die Palästinenser harsch zu kritisieren. Der Republikaner verglich das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in den Palästinenser-Gebieten mit dem in Israel und sprach von einem "dramatischen und starken Unterschied in der wirtschaftlichen Dynamik".

Romney sagte, dass diese Differenz unter anderem mit Unterschieden zwischen beiden Völkern zu erklären sei. Die Vitalität Israels sei "der Kultur und einigen anderen Umständen" zu danken – und nicht etwa der Abriegelung der Palästinensergebiete. Für seine Ausführung, die der Präsidentschaftskandidat bei einer Spendenveranstaltung in Jerusalem vortrug, erhielt er viel Zustimmung – vor allem in finanzieller Hinsicht: Etwa eine Million US-Dollar an Wahlkampfspenden sollen bei dem Treffen zusammengekommen sein.

Mit diesen Aussagen aber brachte Romney die Palästinenser gegen sich auf. Der hochrangige palästinensische Politiker Saeb Erekat warf dem US-Präsidentschaftsbewerber Rassismus vor. "Dieser Mann verkennt, dass sich die palästinensische Wirtschaft wegen der israelischen Besatzung nicht entwickeln kann", sagte Erekat.

"Dieser Mann fördert Extremismus, Gewalt und Feindschaft"

Romney habe noch "viel zu lernen", ergänzte Erekat. Er kenne die Region nicht und auch nicht ihre Kultur und Geschichte. "Dieser Mann fördert Extremismus, Gewalt und Feindschaft. Das ist absolut inakzeptabel", sagte Erekat. Seine Äußerungen belohnten die Besetzung und die Aggression.

Zuvor hatte Romney die Palästinenser bereits provoziert, als er Jerusalem als Hauptstadt Israels bezeichnete . Die Palästinenser wollen den Ostteil als Hauptstadt ihres ersehnten eigenen Staates. Die Annexion des Ostteils von Jerusalem durch Israel wird von der internationalen Gemeinschaft einschließlich den USA nicht anerkannt.

Auch aus dem Weißen Haus in Washington gab es Kritik für die Äußerungen Romneys. Präsidentschaftssprecher Josh Earnest sagte, die Verärgerung der Palästinenser sei verständlich. Der Herausforderer von Präsident Barack Obama solle sich "ausführlicher dazu äußern, was er habe sagen wollen". Wenn Romney Jerusalem als "Israels Hauptstadt" bezeichnet habe, so entspreche dies nicht der Position der US-Regierung.

"Das wahre Publikum waren US-Juden und evangelikale Christen"

Auch in der Iran-Frage bezog der Republikaner eine aggressivere Haltung als Amtsinhaber Obama. Romney bekräftigte, dass eine atomare Aufrüstung des Irans eine inakzeptable Bedrohung darstellen würde. "Wenn wir erkennen, dass alle Mittel erschöpft und fehlgeschlagen sind, dann werden wir eine militärische Option in Betracht ziehen müssen", sagte Romney.

Die New York Times bewertet die Nahost-Reise des Präsidentschaftsanwärters überaus kritisch. "Das wahre Publikum für die aggressiven Reden waren amerikanische Juden und evangelikale Christen, von denen einige Romney auf seiner Reise begleiteten", schreibt die Zeitung. Eine zentrale Figur aus dieser Zielgruppe sei der Milliardär und Kasino-Magnat Sheldon Adelson, der einen harten, pro-israelischen Kurs vertritt und mit 100 Millionen US-Dollar mehr als jeder andere für Romney gespendet habe.

"Romney hat den amerikanischen Interessen keinen Vorteil verschafft", heißt es weiter. Zwar hätten die US-Präsidenten in der Vergangenheit immer eine pro-israelische Haltung eingenommen, aber ohne die Palästinenser zu sehr abzuschrecken. Als möglicher US-Präsident und Vermittler im Friedensprozess mache sich Romney nun unglaubwürdig.