Die Universität von Bukarest hat Plagiatsvorwürfe gegen den rumänischen Regierungschef Victor Ponta bestätigt. Eine Ethikkommission der Hochschule teilte mit, bei der 2003 eingereichten Dissertation über den Internationalen Strafgerichtshof handele es sich um ein "massives Plagiat". Ponta habe ein Drittel über das Kopieren und Einfügen fremder Texte erstellt und damit absichtlich von anderen Autoren abgeschrieben.

Ponta wies die Anschuldigungen erneut zurück. Es handele sich um die "politische Entscheidung" einer Kommission, die extra für seinen Fall gebildet worden sei, sagte er der Nachrichtenagentur Mediafax. Ponta hatte sich damit gerechtfertigt, dass er seine Doktorarbeit nach den vor neun Jahren gültigen Regeln verfasst habe. Es sei damals etwa nicht notwendig gewesen, Zitate mit Anführungszeichen kenntlich zu machen, solange die genutzten Arbeiten im Literaturverzeichnis genannt worden seien.

Die Ethikkommission der Universität wies Pontas Auffassung ausdrücklich zurück. Die Regeln für wissenschaftliche Arbeiten seien schon seit "mehr als 200 Jahren" dieselben, sagte der Professor Marian Popescu, der die Kommission leitet. Wer Textpassagen aus fremden Arbeiten übernehme, müsse die Zitate "mit Anführungszeichen und Fußnoten" kenntlich machen.

Wiederholte Plagiatsvorwürfe gegen neue Regierung

Der Rektor der Universität, Mircea Dumitru, will den Kommissionsbericht nun dem Senat der Hochschule vorlegen, der über eine mögliche Aberkennung von Pontas Doktortitel entscheiden muss. Die endgültige Entscheidung wird dann jedoch vom Bildungsministerium getroffen. Am Donnerstag hatte der Nationale Ethikrat, den das Ministerium kurz nach Pontas Amtsantritt im Mai umbesetzt hatte, noch zugunsten des Ministerpräsidenten entschieden und geurteilt, dass seine Dissertation "die akademischen Anforderungen" erfülle.

Seine Mitte-Links-Regierung war Anfang Mai vereidigt worden. Schon eine Woche zuvor musste Bildungsminister Ioan Mang wegen schwerer Plagiatsvorwürfe zurücktreten. Vor der Regierungsbildung war zudem bereits die ursprünglich vorgesehene Kandidatin für das Bildungsministerium an Plagiatsvorwürfen gescheitert.

Ponta wird auch wegen seiner Politik in Rumänien massiv kritisiert : Die EU wirft ihm wegen eines Amtsenthebungsverfahrens gegen den konservativen Präsidenten Traian Basescu die Verletzung von rechtsstaatlichen Prinzipien vor.