Antonis Samaras © Yorgos Karahalis/Reuters

Die Regierung des hoch verschuldeten Griechenlands hat von den internationalen Gläubigern mehr Zeit zur Erfüllung der Sparauflagen gefordert. Es gehe nicht um eine Änderung der Ziele, sagte der neue Ministerpräsident Antonis Samaras in einer Rede vor dem Parlament. Er wolle aber über die Strategie verhandeln und benötige mehr Zeit. "Wir müssen die Dinge ändern, die uns hindern, die Ziele zu erreichen. Wir wollen die Rezession bekämpfen", sagte der Regierungschef.

Zugleich kündigte er an, den harten Sparkurs fortzusetzen und sogar noch zu verstärken. Seine Regierung werde "Dutzende" öffentliche Einrichtungen schließen oder zusammenlegen, um das Staatsdefizit zu senken, sagte Samaras. Zudem kündigte er mehr Privatisierungen an. Ziel sei die "Wiederbelebung des Landes".

Samaras räumte ein Scheitern der bisherigen Sparpolitik ein. Die im Haushaltsprogramm vorgesehenen Ziele seien verfehlt worden, sagte er. Der Ministerpräsident bekräftigte die Absicht der Regierung, das südosteuropäische Land im Euro zu halten. Wichtigste Aufgabe der neuen Führung sei es, die Rezession zu überwinden, die Griechenland fest im Griff hat und die Arbeitslosigkeit in die Höhe treibt. Am Sonntag stellt sich die Regierung einer ersten Vertrauensabstimmung.

Damit reagiert Samaras auch auf den Druck aus Brüssel. Griechenland könne mit der Auszahlung der nächsten Tranche aus dem internationalen Hilfspaket nach Angaben aus EU-Kreisen nur rechnen, wenn das von seinen Gläubigern geforderte Reformprogramm fortgesetzt wird. "Es wird keine Auszahlung geben, bevor die Eurogruppe festgestellt hat, dass das (Reform-)Programm wieder läuft", sagte ein europäischer Verantwortlicher. Eine Entscheidung über eine Auszahlung der Finanzhilfen werde es aber "eher Ende August als Ende Juli" geben.

Auch der griechische Finanzminister Giannis Stournaras hatte am Donnerstag zugegeben, dass das Reformprogramm "in bestimmten Bereichen entgleist" sei. Der europäische Verantwortliche sagte dazu, aus der Bahn zu geraten sei "an sich kein Drama". Nun müsse man den Rückstand eben aufholen.

Verspätete Hilfszahlung kann Probleme bereiten

Bei dem Treffen der Euro-Finanzminister am kommenden Montag in Brüssel werde es einen "ersten Meinungsaustausch über die Absichten der (neuen) griechischen Regierung" geben, hieß es in Brüsseler Kreisen. Vertreter der Troika aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) waren diese Woche bereits in Athen, um den Verlauf der Reformen zu begutachten.

Sollte eine Entscheidung über die Auszahlung der nächsten Hilfstranche tatsächlich erst Ende August fallen, könnte das Griechenland vor große Probleme stellen. Das hochverschuldete Land ist bis zum 20. August auf die Auszahlung einer weiteren Tranche in Höhe von 31,5 Milliarden Euro aus dem internationalen Hilfspaket angewiesen, um seine Zahlungsverpflichtungen einhalten zu können.

Einer Umfrage zufolge fürchten mehr als 90 Prozent der Griechen, dass die Lebensmittel in ihrem Land knapp werden. Die Erhebung machte die EU-Kommission am Freitag publik. Damit liegen die Griechen an der Spitze in der EU.