Syrien-Krieg "Wenn Aleppo fällt, fällt das Regime"
Die Anspannung unter den Rebellen von Aleppo ist groß. Sie wollen die Handelsmetropole komplett einnehmen, doch die Regimetruppen sind hochgerüstet.
In Syrien sind die Schulen zu Gefängnissen, Krankenhäusern und Kommandozentralen geworden. Bauern sind jetzt Kämpfer und Haji Mara, einst Samenhändler, ist nun Rebellenkommandeur. Von seinem stickigen, dunklen Büro in einer Schule im Aleppoer Stadtviertel Tareek Al Bab gibt er aufgeregt letzte taktische Anweisung. Am Telefon beruhigt er einen Wachmann in einem besetzten Regierungsgebäude, der Angst vor Vergeltung des Regimes hat. Maras Worte sind knapp: "Es gibt keine Regierung. Wir sind an der Macht."
Haji Mara, 33, kurzgeschorenes Haar, dichter Bart, kommandiert die Tawhid Brigade. Tawhid, arabisch für "die, die an einen Gott glauben". "Wir werden von Tag zu Tag stärker", sagt er. Die Regierungstruppen flöhen und ließen Waffen und Munition zurück.
Zumindest am Donnerstag konnte man den Eindruck haben, dass er Recht hat. Die Lage in Aleppo ist weitgehend ruhig, am Freitag sind in Salahadin erste Kämpfe aufgeflammt, einem Viertel im Südwesten der Stadt. Die Rebellen wähnen sich im Gefühl eines baldigen, entscheidenden Sieges. Doch jeder hier fürchtet sich vor dem Rückschlag, der jedes Mal kam, nachdem die Rebellen kurzzeitig die Überhand hatten. In Homs, Rastan und zuletzt in Damaskus. Die Rebellen sagen, dass die Regierungstruppen ihre Operation Hassin nennen – die entscheidende Mission.
Angst und Misstrauen
Aleppo, zweitgrößte Stadt und Wirtschaftszentrum Syriens, ist neben Damaskus ein Kronjuwel im Bürgerkrieg in Syrien. Der Kampf um Aleppo sei die entscheidende Schlacht, sagt Mara: "Wenn Aleppo fällt, fällt das Regime."
Auf einer einfachen Straßenkarte haben Haji Maras Männer den von ihnen eingenommen Korridor mit allen Checkpoints eingezeichnet. Die Rebellen halten momentan etwa ein Drittel von Aleppo. Hier sind die Geschäfte und Marktstände noch offen, Einwohner gehen unter den Augen von Kämpfern der Freien Syrischen Armee einkaufen. Doch die Stimmung ist angespannt. Fremde werden misstrauisch beäugt und befragt.
In der Schule, in der Maras Brigade ihre Einsätze plant, haben Rebellen einem jungen, drahtigen Mitkämpfer in Kampfmontur die Waffe abgenommen. Sie behaupten, er sei Schabiha. So nennen sie hier die bezahlten Milizen des Regimes. Schabiha ist das arabische Wort für Geist. Es gebe Zeugen, aber die können nicht aufgetrieben werden. Er wird aggressiv, will seine Waffe wiederhaben, gerät mit einem anderen Rebellen aneinander. Der würgt ihn. Die beiden müssen getrennt werden. Schließlich wird der vermeintliche Schabiha abgeführt.
- Datum 27.07.2012 - 10:29 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Also ich bin froh, dass sich die Syrer nichts mehr vom Regime Assads gefallen lassen. Und ich hoffe, dass es ein Sieg für die Rebellen wird...
Aber ich frage mich, ob sich schon mal jemand Gedanken gemacht hat, (also von den Rebellen) was danach passiert, falls sie denn gewinnen???
Wenn es so abläuft wie in Ägypten, und da können wir von ausgehen, wird sich auf die Schnelle nichts verändern, könnte sogar noch schlimmer werden, da das Machtvakuum was Assad und sein Regime hinterlassen würden, die Tür für islamische Extremisten und andere Diktator-Wannabes etc. öffnet.
Dennoch: Teu teu teu an die Rebellen
Können Sie mir sagen, bitte nicht vom Hörensagen, wieviele Ihrer "Rebellen" Syrier sind? Nach ZDF-Angaben von gestern sind "jetzt bestätigt,tausende von Bewaffneten aus dem Ausland eingesickert, darunter islamische Glaubenskämpfer aus Libyen." Unter Berücksichtigung der tendenziösen Berichterstattung des ZDF in den letzten Monaten eine fast unglaubliche Feststellung und deshalb um so bestürzender. Und können Sie mir auch sagen, warum die tatsächliche Opposition in den Medien nicht mehr zu Wort kommt? Vieleicht, weil diese "nur" Demokratie will?
Können Sie mir sagen, bitte nicht vom Hörensagen, wieviele Ihrer "Rebellen" Syrier sind? Nach ZDF-Angaben von gestern sind "jetzt bestätigt,tausende von Bewaffneten aus dem Ausland eingesickert, darunter islamische Glaubenskämpfer aus Libyen." Unter Berücksichtigung der tendenziösen Berichterstattung des ZDF in den letzten Monaten eine fast unglaubliche Feststellung und deshalb um so bestürzender. Und können Sie mir auch sagen, warum die tatsächliche Opposition in den Medien nicht mehr zu Wort kommt? Vieleicht, weil diese "nur" Demokratie will?
Wer belagert in diesem Krieg eigentlich die Städte, dazu der Spiegel:
"Aleppo gilt als Hochburg von Präsident Baschar al-Assad, nun rufen die Rebellen zum Kampf um Syriens Wirtschaftszentrum auf."
"Syriens Aufständische setzen ihre Offensive gegen Machthaber Assad fort - und versuchen ihn an der empfindlichsten Stelle zu treffen: im Wirtschaftszentrum des Landes, der Metropole Aleppo."
"Ein Rebellenkommandeur erklärte, der Befehl zum Einmarsch in Aleppo sei erteilt worden."
http://www.spiegel.de/pol...
Warum ich den Spiegel zitieren, weil dies doch eine bemerkenswerte Kehrtwende in der Berichterstattung darstellt auch wenn von Anfang an klar war, welche Faktoren an diesem Krieg beteiligt sind. Mittlerweile wird auch darüber Berichtet, wie Al Kaida verstrickt ist und das Libysche Rebellen mit beteiligt sind. All das habe ich bereits vor Monaten angeführt. Was bisher als Unterstellung geahndet wurde, ist heute bei seriösen Medien Fakt.
Bisher wurde zwar schon häufiger von Rebellen berichtet, erstaunlicherweise ging die Gewalt aber immer von Assad aus.
Etwa: Assad ging auf die Zivilbevölkerung los. Rebellen kämpften deshalb gegen die Truppen.
Bisher wurde zwar schon häufiger von Rebellen berichtet, erstaunlicherweise ging die Gewalt aber immer von Assad aus.
Etwa: Assad ging auf die Zivilbevölkerung los. Rebellen kämpften deshalb gegen die Truppen.
was die Rebellen mit Gefangenen machen?
Natüüüürlich werden sie nach genfer Konvention behandelt. ;-)
Ein Schelm wer vermutet dass Racheakte durchgeführt werden...
Das wäre jetzt kein Schelm, sondern ein Realist, würde ich behaupten.
sagt der Koran, Sure 2: "Oh ihr, die ihr glaubt! Vorgeschrieben ist euch bei Totschlag die Wiedervergeltung: ein Freier für einen Freien, ein Sklave für einen Sklaven und ein Weib für ein Weib." - zumindest theologisch gibt's hier kein Problem.
Übrigens haben Sie vergessen, zu erwähnen, dass in den Folterkellern von Assad auch nicht nur Honig und Wein fließt...
Das wäre jetzt kein Schelm, sondern ein Realist, würde ich behaupten.
sagt der Koran, Sure 2: "Oh ihr, die ihr glaubt! Vorgeschrieben ist euch bei Totschlag die Wiedervergeltung: ein Freier für einen Freien, ein Sklave für einen Sklaven und ein Weib für ein Weib." - zumindest theologisch gibt's hier kein Problem.
Übrigens haben Sie vergessen, zu erwähnen, dass in den Folterkellern von Assad auch nicht nur Honig und Wein fließt...
Das wäre jetzt kein Schelm, sondern ein Realist, würde ich behaupten.
Können Sie mir sagen, bitte nicht vom Hörensagen, wieviele Ihrer "Rebellen" Syrier sind? Nach ZDF-Angaben von gestern sind "jetzt bestätigt,tausende von Bewaffneten aus dem Ausland eingesickert, darunter islamische Glaubenskämpfer aus Libyen." Unter Berücksichtigung der tendenziösen Berichterstattung des ZDF in den letzten Monaten eine fast unglaubliche Feststellung und deshalb um so bestürzender. Und können Sie mir auch sagen, warum die tatsächliche Opposition in den Medien nicht mehr zu Wort kommt? Vieleicht, weil diese "nur" Demokratie will?
Man konnte bereits seit Anfang der Kämpfe an der Art der Kriegsführung erkennen, dass hier professionelle Guerilla kämpft und nicht Deserteure oder bewaffnete Zivilisten. Die Unzufriedenheit im Lande angesichts der breiten Umwälzungen im arabischen Raum haben diese Radikalen dazu genutzt, aus friedlichen Protesten einen Bürgerkrieg anzuzetteln. Sie benutzten die Demonstranten als Deckung, griffen aus der Mengen die Sicherheitskräfte an. Dass dabei Zivilisten zu Schaden kommen sollten war absicht, so generierten die Radikalen immer mehr Zulauf. Der bewaffnete Konflikt spielt den Radikalen in die Hànde. Ähnlich war der Ablauf auch in Bosnien, als sich gemässigte Muslime und Radikalislamisten um die Macht stritten und nur durch eine Verschärfung hin zum Bürgerkrieg die Radikalen Überhand nehmen konnten. Heute haben Tausende Guerillas aus dem Ausland die Bosnische Staatsbürgerschaft und viele haben sich auch in Bosnien niedergelassen. All dies wurde vornehmlich von Saudi-Arabien finaziert und vom sogenannten "Westen" toleriert, wenn nicht unterstützt, wie es heute auch in Syrien der Fall ist. Krieg nützt nur einer kleinen radikalen Minderheit, die aus dem Konflikt heraus versucht, die Macht zu erlangen.
Man konnte bereits seit Anfang der Kämpfe an der Art der Kriegsführung erkennen, dass hier professionelle Guerilla kämpft und nicht Deserteure oder bewaffnete Zivilisten. Die Unzufriedenheit im Lande angesichts der breiten Umwälzungen im arabischen Raum haben diese Radikalen dazu genutzt, aus friedlichen Protesten einen Bürgerkrieg anzuzetteln. Sie benutzten die Demonstranten als Deckung, griffen aus der Mengen die Sicherheitskräfte an. Dass dabei Zivilisten zu Schaden kommen sollten war absicht, so generierten die Radikalen immer mehr Zulauf. Der bewaffnete Konflikt spielt den Radikalen in die Hànde. Ähnlich war der Ablauf auch in Bosnien, als sich gemässigte Muslime und Radikalislamisten um die Macht stritten und nur durch eine Verschärfung hin zum Bürgerkrieg die Radikalen Überhand nehmen konnten. Heute haben Tausende Guerillas aus dem Ausland die Bosnische Staatsbürgerschaft und viele haben sich auch in Bosnien niedergelassen. All dies wurde vornehmlich von Saudi-Arabien finaziert und vom sogenannten "Westen" toleriert, wenn nicht unterstützt, wie es heute auch in Syrien der Fall ist. Krieg nützt nur einer kleinen radikalen Minderheit, die aus dem Konflikt heraus versucht, die Macht zu erlangen.
Für die bestimmenden westlichen Medien war anfangs klar, dass die Rebellen die "Guten" sind und Assad von der Macht vertrieben gehört.
Soweit man das beurteilen kann, ist das Assad-Regime nun auch alles andere als ein humanes und demokratisches System. Allerdings lässt sich das von vielen Systemen im Nahen Osten sagen. Als Beispiel sei hier Saudi-Arabien erwähnt, ein Land das vielleicht sogar noch weniger liberal ist als es Syrien unter Assad war.
Dass nun ausgerechnet die Saudis den "Befreiungskampf" der syrischen Rebellen mit Waffen und Logistik unterstützen, macht mich doch skeptisch.
Soweit ich weiß, ist der "Aufstand" in Aleppo auch nicht von Bürgern dieser Stadt inszeniert worden sondern sozusagen von außen in diese Stadt hineingetragen worden. Wie schon weiter oben in einem Beitrag steht, sind die Rebellen in Richtung Aleppo in Marsch gesetzt worden. Daraus, dass in Aleppo nun gekämpft wird zu schließen, dass sich nun auch die Bewohner dieser Stadt von Assad abwenden, halte ich daher für relativ gewagt.
Die Gemengelage im Nahen Osten ist nur schwer zu überblicken. Was dem einen sein Freiheitskämpfer ist, ist dem anderen sein Terrorist. So ähnlich wird es auch in Syrien sein. Niemand weiß, was nach einem möglichen Sturz Assads geschieht. Wird ein neues System auf Dauer demokratischer und liberaler sein als das alte? Geht es überhaupt um Demokratie oder um strategische Vorteile?
Es ist und bleibt unübersichtlich und einfache Antworten sind mit Sicherheit falsch!
Als Beispiel sei hier Saudi-Arabien erwähnt, ein Land das vielleicht sogar noch weniger liberal ist als es Syrien unter Assad war.
Das "vielleicht" können Sie weglassen. Syrien war, trotz demokratischer Defizite, ein sakuläres System mit vielen in den Nachbarländern nicht existenten Freiheiten. Syrien kann man gut mit der Türkei vergleichen, allerdings sind was Demokratie angeht schon weiter und deutlich religiöser. Der syrische Mittelstand ist überdurchschnittlich gut gebildet und liberal geprägt.
Saudi-Arabien ist allerdings Schlusslicht bei den Frauenrechten (OECD), Demokratie gibt es eigentlich garkeine (Versammlungen sind komplett verboten, meinungsfreiheit nicht existent), Todesstrafe auf Homosexualität oder Gotteslästerung sowei "Hexererei"...
Nein, die Saudis sind mit die Schlimmsten...und bringen uns jetzt in Syrien die Demokratie?
Als Beispiel sei hier Saudi-Arabien erwähnt, ein Land das vielleicht sogar noch weniger liberal ist als es Syrien unter Assad war.
Das "vielleicht" können Sie weglassen. Syrien war, trotz demokratischer Defizite, ein sakuläres System mit vielen in den Nachbarländern nicht existenten Freiheiten. Syrien kann man gut mit der Türkei vergleichen, allerdings sind was Demokratie angeht schon weiter und deutlich religiöser. Der syrische Mittelstand ist überdurchschnittlich gut gebildet und liberal geprägt.
Saudi-Arabien ist allerdings Schlusslicht bei den Frauenrechten (OECD), Demokratie gibt es eigentlich garkeine (Versammlungen sind komplett verboten, meinungsfreiheit nicht existent), Todesstrafe auf Homosexualität oder Gotteslästerung sowei "Hexererei"...
Nein, die Saudis sind mit die Schlimmsten...und bringen uns jetzt in Syrien die Demokratie?
Immerhin wird jetzt nicht mehr behauptet, Aleppo werde "befreit". Jetzt wird "einmarschiert" und "erobert".
Vermutlich sind Kriegsverbrechen dabei "unvermeidlich" und im Fall eines Sieges werden die "Aktivisten" wie in Libyen auch gleich amnestiert.
tatsächlich können und auch tun, ist das Terrorisieren der einheimischen Bevölkerung, wie dieser Augenzeugenbericht belegt.
http://english.ruvr.ru/20...
Es bleibt zu hoffen, daß die syrische Armee diesem Spuk schnell und engültig ein Ende bereitet.
Ich würde mich nicht zu sehr auf Quellen aus Rusland verlassen. Wo es in diesem Konflikt steht ist ja recht deutlich und wer sich dessen Entwicklung angeschaut hat, der weiss auch, dass kritische Berichterstattung dort nicht gerade willkommen ist.
Ich würde mich nicht zu sehr auf Quellen aus Rusland verlassen. Wo es in diesem Konflikt steht ist ja recht deutlich und wer sich dessen Entwicklung angeschaut hat, der weiss auch, dass kritische Berichterstattung dort nicht gerade willkommen ist.
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