Der syrische Verteidigungsminister Daud Radscheha ist nach Berichten des syrischen staatlichen Fernsehens bei einem Anschlag in Damaskus getötet worden. Vor einem Gebäude der Nationalen Sicherheitsbehörde war ein Sprengsatz explodiert. Unter den Opfern ist nach Angaben des Staatsfernsehen auch der Schwager des Präsidenten Baschar al-Assad, Assef Schawkat. Er war Vize-Minister und ehemaliger Militärgeheimdienstchef der Regierung.

In dem Gebäude hatte zum Zeitpunkt des Anschlags eine hochrangig besetzte Sitzung stattgefunden. Unter den Getöteten sollen nach neuesten Angaben auch der Innenminister Mohammed Ibrahim al-Schaar und der Sicherheitsberater des Präsidenten, Hassan Turkmani, sein. Turkmani war früher Verteidigungsminister des Landes. Geheimdienstchef Hischam Bekhtyar soll verletzt worden sein.

Das Staatsfernsehen berichtete, das Attentat sei das Werk eines Selbstmordattentäters. Die Freie Syrische Armee erklärte dagegen, es handele sich um keinen Selbstmordanschlag, sondern eine gezielt platzierte Bombe. Bei dem Angriff sollen zudem Panzer und Scharfschützen eingesetzt worden sein. Rebellen und Anwohnern zufolge wurde auch in der Nähe des Präsidentenpalastes gekämpft . Zudem gibt es Berichte von Gefechten in mehreren Stadtvierteln von Damaskus.

Über das Ausmaß der Explosion gibt es allerdings unterschiedliche Angaben. So twitterte eine BBC-Korrespondentin , sie habe keinerlei Schäden an dem Gebäude der Sicherheitsbehörde feststellen können.


Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters waren unmittelbar nach dem Anschlag fünf Explosionen in der Nähe eines Militärstützpunkts zu hören. Dort soll die für den Präsidentenpalast zuständige Vierte Division stationiert sein, die von Assads Bruder Maher kommandiert wird. Das Informationsministerium bestritt allerdings, dass es dort Explosionen gegeben habe.

Die syrische Regierung kündigte an, nach den Angriffen entschlossener denn je zu reagieren. Man werde die "bezahlten Terroristen und kriminellen Banden" verfolgen und auslöschen. Nach Angaben des staatlichen Fernsehens wurde bereits ein neuer Verteidigungsminister ernannt, der bisherige Stabschef General Fahad Jassim al-Freij. Das Regime kündigte zudem an, bis morgen alle Reserven der Armee mobilisieren zu wollen.

Zwei Gruppen übernehmen Verantwortung

Die Freie Syrische Armee hat die Verantwortung für den Selbstmordanschlag übernommen. In einer Mitteilung der FSA heißt es nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP , der Anschlag sei ein "Erfolg" gewesen. Mehrere Verantwortliche der Regierung, "die für barbarische Massaker verantwortlich sind", seien getroffen worden.

Allerdings bekannte sich auch die islamistische Rebellen-Organisation Liwa al-Islam zu dem Anschlag. Sie teilte auf ihrer Facebook-Seite mit, man habe das Krisenkontrollzentrum in Damaskus angegriffen. Die Erklärung wurde von einem Sprecher der Gruppe bestätigt.