SyrienOpposition wirft Assad beispielloses Massaker vor

In der Provinz Hama sollen laut Rebellen mehr als 200 Menschen von der syrischen Armee getötet worden sein. Auch die Vereinten Nationen verurteilen die Gräueltaten. von AFP und dpa

Die Stadt Hama, im Vordergrund ein Militärfahrzeug (Archivbild)

Die Stadt Hama, im Vordergrund ein Militärfahrzeug (Archivbild)  |  © Mehmet Emin Caliskan/Reuters

Syrische Regierungstruppen sollen nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten und Aufständischen ein neues Massaker an Zivilisten verübt haben. Zwischen 150 und mehr als 200 Menschen wurden nach unterschiedlichen Angaben am Donnerstag im Dorf Tremseh in der zentralsyrischen Provinz Hama getötet. "Mehr als 220 Menschen wurden getötet und rund 300 weitere verletzt", sagte Abu Omar, der örtliche Kommandeur der oppositionellen Freien Syrischen Armee. Oppositionsaktivisten der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprachen von mindestens 150 Toten.

Das syrische Fernsehen berichtete hingegen, dass "terroristische Gruppen" für das Massaker verantwortlich seien. Der amtlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana zufolge bekämpfe die Armee eine Gruppe Terroristen in dem Ort und habe diesen "schwere Verluste" zugefügt. Auch drei Angehörige der staatlichen Einsatzkräfte seien bei den Kämpfen ums Leben gekommen. Eine unabhängige Überprüfung der Angaben aus Syrien ist praktisch nicht möglich , weil ausländische Medien keine freie Berichterstattung möglich ist.

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Die Allgemeine Kommission für die Syrische Revolution teilte mit, die syrische Armee habe das Dorf am Donnerstag erst belagert und dann unter Beschuss genommen. Dann seien Milizionäre des Regimes aus umliegenden Dörfern in den Ort gekommen, um die Menschen in ihren Häusern zu töten. Die Suche nach den Opfern habe bis in die Nacht gedauert. 150 Leichen seien in die Moschee des Dorfes gebracht worden.

Ein aus dem Dorf geflohener Bewohner berichtete dem Nachrichtensender Al Jazeera , dass es sich bei den Milizionären um Alawiten gehandelt habe, die dem Clan von Präsident Baschar al-Assad treu ergeben seien. Sie seien über das Dorf hergefallen, nachdem sich die Rebellen aus der Gegend zurückgezogen hätten. Sämtliche Gebäude seien in Brand gesteckt worden. Ein Oppositionsaktivist in Hama sagte, die Truppen hätten eine Moschee beschossen, in der zahlreiche Menschen Zuflucht gesucht hätten. Die Moschee sei eingestürzt und habe die Menschen unter sich begraben.

Aufruf zum Generalstreik

Sollten sich die Angaben der Oppositionsgruppen bewahrheiten, wäre es das Massaker mit den meisten Toten seit Beginn der Proteste gegen das Assad-Regime im März vergangenen Jahres. Ende Mai waren in der Ortschaft Al-Hula 108 Männer, Frauen und Kinder getötet worden. Anfang Juni sollen bis zu 100 Menschen in der Provinz Hama getötet worden sein.

Der internationale Sondergesandte Kofi Annan verurteilte das Massaker. Die Berichte über die "Gräueltaten" hätten ihn "schockiert und entsetzt", sagte Annan. Die Gewalt und "diese Brutalität" müssten aufhören. Mit Anspielung auf die festgefahrenen Haltungen im UN-Sicherheitsrat sagte Annan, es sei nun wichtiger als jemals zuvor, dass die Regierungen ihren Einfluss unverzüglich ausübten, um die Gewalt zu stoppen.

Der Chef des oppositionellen Syrischen Nationalrats, Abdel Basset Sajda, forderte die internationale Gemeinschaft zum Handeln auf. "Das ist eine Schande für den UN-Sicherheitsrat und die Arabische Liga." Sajda forderte eine Resolution unter Kapitel VII der UN-Charta, die "alle Optionen auf den Tisch bringt", darunter auch den Einsatz von Gewalt. "Dieses syrische Regime versteht nur die Sprache der Gewalt", sagte er dem Fernsehsender Al Jazeera.

Ein anderes Mitglied des Nationalrats forderte eine Intervention auch ohne den Sicherheitsrat. Es sei nicht genug, darauf zu verweisen, dass dieser wegen des Widerstandes von Russland handlungsunfähig sei. "Die Staaten, die ernsthaft die Absicht haben, das syrische Volk zu schützen, müssen zusammenkommen und handeln – notfalls auch außerhalb des Rahmens des Sicherheitsrates ." Der Chef der Freien Syrischen Armee rief die Bewohner des Landes für Freitag zu einem Generalstreik auf, um gegen das Massaker zu protestieren.

Russland lehnt Sanktionen ab

Im UN-Sicherheitsrat gibt es weiter keine Einigung auf eine Resolution zu Syrien . Russland bezeichnete einen vom Westen eingebrachten Entwurf als "inakzeptabel" und drohte mit seinem Veto im UN-Sicherheitsrat. Das Papier sei zu einseitig, da allein die syrische Regierung Pflichten auferlegt bekomme, sagte der russische Vize-Außenminister Gennadi Gatilow. Zudem will die russische Regierung Sanktionen gegen Syrien verhindern.

Die Verhandlungen sollen am Freitag fortgesetzt werden. "Wir hatten eine gute, ruhige und konzentrierte Diskussion", sagte Deutschlands UN-Botschafter Peter Wittig. "Aber da gibt es immer noch eine Kluft, und dabei geht es um Kapitel VII. Aber wir werden im konstruktiven Geiste weitermachen."

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Leserkommentare
  1. kann es sein, das die Meldung eine gewissen Eigendynamik entwickelt und sich die Zahl der Opfer allmählich potenziert?

    Vielleicht sollte man sich in der syrischen Opposition erst mal auf eine Zahl einigen, bevor man in demonstrative Hysterie verfällt.

    Es fehlen nur noch die Wuppons of Maßdistraktion, das glaube ich sofort alles.

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    wieso wird eigentlich nirgends darüber berichtet das die fsa eine pro assad demo angegriffen hat? und dort wahlos in die menge geschossen hat? und ich glaube nicht das assad schuld an den massaker ist, denn die rebbellen schieben ja gerne ihre ausgeübten massaker assad zu

    • joG
    • 13. Juli 2012 22:16 Uhr

    ...dass die Chinesen sich scheinen zu bewegen.

    • LaoLu
    • 13. Juli 2012 7:35 Uhr

    und seine Schergen verübt werden.

    Nicht glaubwürdiger als das, was ich in de vergangenen Tagen zu diesem Thema zu lesen bekam.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • joG
    • 13. Juli 2012 8:23 Uhr

    ...bevor er Mord konzipiert, der wird in den hermetisch recht kompetent versiegelten syrischen Schlachtraumen lange abwarten können.

    Aber das ist letztlich nicht wichtig zur Legitimität der Forderung, Assad Spike abdanken oder gezwungen werden zu gehen. Seine Regierung hat ganz sichtbar versagt. Allenfalls könnte man sagen, es wäre ohne ihm noch schlimmer. Das scheint jedoch zunehmend zynisch zu glauben zumal unter seinem Verbleib die Situation der Bevölkerung sich offenbar verschlechtert.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf rein provokative Vergleiche. Danke, die Redaktion/jz

  2. 3. [...]

    Entfernt. Bitte diskutieren Sie sachlich. Danke, die Redaktion/mk

  3. 4. na ja

    liebe zeit, eure schlagzeile hat welche berechtigung?

    es gibt genügend massaker auf der welt, die trauriger weise deutlich schlimmer sind.
    und bitte nicht rückzieher beispiellos für syrien, steht erstens nicht da und ist zweitens auch nicht richtig, wie die geschichte zeigt.

    also bitte eine wertfreie sprache und informative schlagzeilen.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/jz

  4. wieso wird eigentlich nirgends darüber berichtet das die fsa eine pro assad demo angegriffen hat? und dort wahlos in die menge geschossen hat? und ich glaube nicht das assad schuld an den massaker ist, denn die rebbellen schieben ja gerne ihre ausgeübten massaker assad zu

  5. ...dabei wurden im östlichen Katif eine Demonstration gegen die Verhaftung eines schiitischen Geistlichen gewaltsam aufgelöst und zwei Menschen getötet.Die Angaben wurden allerdings offiziell nicht bestätigt.
    Berichterstattung in den deutschen Medien Fehlanzeige!
    Nicht verifizierte Angaben der sogenannten syrischen Opposition,werden uns allerdings als Tatsache verkauft.

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    der amerikanischen Präsidenten und der Kritiklosigkeit der Medien, da waren es vor allem die amerikanischen Medien.
    Im Falle des Iran und Syriens hat dieser Virus offenbar auch deutsche Medien erfasst.
    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1681928/War-made-easy?bc=sv...

    Was nicht heißt, dass die entsprechenden Regime schuldlos sind. Aber sie haben sich, wie man von unabhängigen Journalisten erfährt, doch oft weitreichende Vorschläge gemacht, die aber von den kriegslüsternen Gegnern regelmäßig ignoriert und lächerlich gemacht werden.

  6. daß es sich um eine weitere Variante des von Jürgen Todenhöfer beschriebenen "Massaker-Marketings" handelt:

    "„Die radikalisierten Gruppen der Rebellen kritisiere ich, weil sie gezielt Zivilisten töten und diese anschließend als Opfer der Regierung ausgeben. Diese ´Massaker-Marketing-Strategie´ gehört zum Widerlichsten, was ich in kriegerischen Auseinandersetzungen jemals erlebt habe ..."

    http://www.focus.de/politik/ausland/krise-in-der-arabischen-welt/syrien/...

  7. auch im Rückblick zum Beispiel auf die Berichterstattung zu dem Massaker in Hula etwas vorsichtiger mit der Zuweisung der Täterschaft umgehen.

    Man kann einen Artikel durchaus mit weniger wertender Wortwahl verfassen.

    Des weiteren hat die Eskalation der Gewalt ihren Nährboden in hohem Maße im Versagen der interationalen Gemeinschaft. Während man massiv Stellung gegen Assad bezieht, wird die enorme Unterstützung islamofaschistischer Kräfte aus dem Ausland mit Truppen, Waffen, Ausrüstung und Logistik als "normal und in Ordnung" hingenommen.

    Genau dies aber verlängert das Leiden und wird auch weiterhin solch Verbrechen ermöglichen. Es wird nicht nur zunehmend die inländische Opposition zwischen den Fronten zerrieben welche ernsthaft eine Verbesserung der Lebensumstände anstrebt, die Bevölkerung wird zudem regelrecht in die Lager von Assad oder den Islamisten gedrängt.

    Dies wird nicht nur diesen Krieg verlängern und verschlimmern, die Zeit danach wird ebenfalls noch lang nachwirken und weiteres Leid erzeugen.

    Ich persönlich fühle mich regelrecht angeekelt von einem solchen Vorgehen, andere vermutlich weniger.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
  • Schlagworte Kofi Annan | UN-Sicherheitsrat | Vereinte Nationen | Brand | Dorf | Gewalt
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