Eingestehen will es sich noch niemand. Doch haben die Ereignisse der vergangenen Tage deutlicher denn je gezeigt, dass die Diplomatie machtlos ist gegen die Gewalt in Syrien . Man kann inzwischen sicher sein: Sie wird den Bürgerkrieg nicht beenden. Der Zeitpunkt für eine friedliche Lösung ist längst verstrichen. Ebenso aussichtslos ist die Hoffnung, ein militärisches Eingreifen von außen könne die Wende bringen. Im Grunde gibt es nur noch zwei mögliche Szenarien, wie sich der Konflikt weiter entwickelt.

Entweder hält sich das Assad-Regime an der Macht, weil es den Aufstand irgendwann endgültig niederschlagen kann – die Mittel dazu hat es, und die permanent scheiternden Versuche der internationalen Gemeinschaft, dem eine substanzielle Alternative entgegenzusetzen, verschaffen ihm nur mehr Zeit. Oder es gelingt den bewaffneten Rebellen, die Oberhand zu gewinnen, größere und strategisch wichtige Teile des Landes dauerhaft unter ihre Kontrolle zu bringen und den Diktator am Ende zu stürzen. Das aber ist unwahrscheinlich – und würde noch lange nicht Frieden für Syrien bedeuten.

Was die Diplomatie hervorbringt, oder eben gerade nicht, das hat zuletzt das magere Ergebnis der Syrien-Konferenz in Genf gezeigt. Der lauwarme Aufguss des ursprünglichen Plans aus der Feder des Sondergesandten Kofi Annan ist nicht mehr als der fromme Wunsch, die Gewalt möge enden, und es möge einen politischen Übergang geben, der alle maßgeblichen Kräfte im Land beteiligt. Der Grundkonsens ist minimal: Die Lage ist schlimm, es muss etwas passieren, am besten wäre es, die Konfliktparteien handelten dies aus.

Assad wird nicht gehen

Man kann es Russland anlasten, wenn nicht einmal Einigung darüber besteht, dass Assad gehen muss. Die Schuldzuweisung geht leicht von den Lippen: Da ist jemand, der den letzten Schritt blockiert. Und natürlich wäre eine einmütige Rücktrittsforderung ein wichtiges Signal. Entscheidend ist das aber mittlerweile nicht mehr. Der Herrscher und die ihn stützenden Kräfte werden nicht von selbst gehen, das jemenitische Modell funktioniert in Syrien nicht. Und die Vorstellung, das Regime und die Opposition könnten noch miteinander reden, ist in diesem Stadium des Konflikts zur Utopie geworden. Mehr noch: Selbst wenn Assad gehen wollte, sind die Fronten nach all den Toten und Gewaltakten beider Seiten so verhärtet, dass ein geordneter Machtwechsel kaum mehr möglich wäre.

Annans Mission ist also gescheitert. Offiziell versucht die internationale Gemeinschaft, das Bild aufrecht zu erhalten, die Diplomatie hätte noch eine Chance. Was davon zu halten ist, zeigen der zunehmende Umfang von Waffenlieferungen, an denen etwa die USA , Saudi-Arabien , Katar oder die Türkei beteiligt sind, oder sich verdichtende Hinweise auf bereits im Land befindliche Spezialeinheiten westlicher Mächte .