Syrische Rebellen haben nach Angaben aus dem Irak die Kontrolle über die Grenze zu dem Nachbarland übernommen. "Die Gesamtheit der Grenzposten zwischen dem Irak und Syrien wird fortan von der Freien Syrischen Armee kontrolliert", sagte Iraks Vize-Innenminister Adnan al-Assadi. Die reguläre syrische Armee konzentriere sich offenbar auf den Kampf um die Hauptstadt Damaskus .

Auch ein Übergang zur Türkei soll sich in Hand der Rebellen befinden, hieß es aus der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die von oppositionellen Aktivisten betrieben wird .

Seit vergangenem Wochenende liefern sich Aufständische und Regierungstruppen in Damaskus heftige Kämpfe . Am Mittwoch waren bei einem Anschlag auf den engsten Führungszirkel um Präsident Assad offenbar unter anderem Verteidigungsminister Daud Radschha und dessen Stellvertreter Assef Schaukat, ein Schwager des Staatschefs, getötet worden.

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Regierungstruppen griffen am Donnerstag Hochburgen der Regimegegner im Großraum Damaskus an. Aktivisten berichteten, Kampfhubschrauber hätten die Viertel Sajjida Seinab und Al-Hadschar al-Aswad mit Maschinengewehren und Raketen attackiert. Bewohner der nördlichen Viertel, die von den Kämpfen weitgehend verschont blieben, berichteten, die Hauptstadt gleiche einer Geisterstadt, fast alle Geschäfte seien geschlossen. Auch die Ortschaft Samalka im Umland von Damaskus geriet unter heftigen Beschuss. Weitere Kämpfe, bei denen auch die Luftwaffe eingesetzt wurde, meldeten Aktivisten unter anderem aus der Provinz Homs.

Seit Mittwoch seien mehr als 18.000 Menschen in den benachbarten Libanon geflohen, teilten Vertreter der dortigen Sicherheitskräfte mit. Die Beobachtungsstelle sprach von einer beginnenden Massenflucht aus mehreren Stadtteilen der Hauptstadt. Demnach attackierte die syrische Armee erstmals mit Panzern den Stadtteil Kabun. Die Armee zeigte sich laut einem Vertreter der Sicherheitsdienste entschlossen, mit aller Härte gegen die Rebellen vorzugehen.

Laut der Beobachtungsgruppe für Menschenrechte sind allein am Donnerstag mehr als 250 Menschen bei Kämpfen gestorben. Das sei die höchste Anzahl an Toten an einem einzelnen Tag seit Beginn des Aufstandes vor 16 Monaten. Die Organisation sammle noch Informationen über getötete Kämpfer der Rebellen, teilte sie mit. Die Zahl der Toten könne daher noch deutlich ansteigen.

Die Beobachtermission der UN steht nach dem Veto Russlands und Chinas gegen eine Syrien-Resolution des UN-Sicherheitsrats nach Einschätzung der USA vor dem Aus. Das Scheitern bedeute, dass die Beobachtermission nicht weitergehen könne, sagte ein Sprecher von US-Präsident Barack Obama. "Es muss Konsequenzen geben." Es sei absurd, angesichts der Brutalität des Assad-Regimes unbewaffnete UN-Beobachter zu entsenden, wenn dem Regime im Fall von Fehlverhalten keine Konsequenzen drohten. Obamas Sprecher  verurteilte das Veto als "beklagenswert". Russland und China stünden "auf der falschen Seite der Geschichte".

Sicherheitsrat entscheidet über Beobachtermission

Neben Wirtschaftssanktionen hätte mit der Resolution auch das Mandat von derzeit 300 UN-Beobachtern im Land verlängert werden sollen. Am Freitag läuft es aus. Es gilt als unwahrscheinlich, dass es verlängert wird, auch wenn Russland sich dafür ausgesprochen hatte. Auf dem Tisch des UN-Sicherheitsrats liegen ein westlicher und ein östlicher Resolutionsentwurf. Pakistan , unterstützt von Russland, schlägt Diplomaten zufolge eine Verlängerung der UN-Mission um 45 Tage vor. Das sei "rein technisch" zu verstehen, Änderung an Auftrag und Ausstattung der 300 unbewaffneten Militärbeobachter gebe es nicht. Die jetzige Mission einfach nur zu verlängern, ist nach Auffassung der westlichen Staaten unverantwortlich, weil sie das Morden nicht stoppen konnte.

Die Briten schlagen deshalb als Kompromiss eine nur einmalige und nur 30-tägige Verlängerung vor. Das Mandat der Truppe dürfe anschließend nur dann noch einmal verlängert werden, wenn UN-Generalsekretär und Sicherheitsrat die Umsetzung der Ziffer 2 des Annan-Planes feststellen. Dabei geht es um den Einsatz schwerer Waffen. Laut UN setzt das Regime Kampfpanzer, Artillerie und Kampfhubschrauber in Wohngebieten ein. Eine Abstimmung über die beiden Entwürfe ist für Freitag 16 Uhr deutscher Zeit vorgesehen.