Die Führung in Damaskus hat damit gedroht, im Falle eines "ausländischen Angriffs" auch Chemiewaffen einzusetzen. Die Kampfstoffe seien dazu entwickelt worden, um das Land im Falle eines Angriffs von außen verteidigen zu können, sagte der Sprecher des syrischen Außenministeriums, Dschihad Makdessi.

In der derzeitigen Krise im Land seien Chemiewaffen keine Option, so der Sprecher. Syrien würde "niemals" Chemiewaffen "gegen unsere eigenen Bürger" richten. Anders wäre es "im Fall einer ausländischen Aggression". Die chemischen und biologischen Waffen des Landes würden derzeit unter Aufsicht der Streitkräfte gelagert und gesichert, fügte der Sprecher hinzu. "Die Generäle werden entscheiden, wann und wie die Waffen benutzt werden."

Die Europäische Union reagierte umgehend auf die Drohungen. Die EU-Außenminister erklärten, sie seien "ernsthaft besorgt über den möglichen Einsatz chemischer Waffen in Syrien". Sie warnten vor einer weiteren Militarisierung des Konflikts und riefen "alle Staaten dazu auf, von Waffenlieferungen an das Land abzusehen". Auch die USA warnten Syrien vor dem Einsatz chemischer Waffen.

In einer vom Fernsehen übertragenen Pressekonferenz wies der Ministeriumssprecher zudem die Forderungen nach einem Rücktritt von Präsident Baschar al-Assad als Einmischung in die inneren Angelegenheiten Syriens zurück. Die Lage in der Hauptstadt, wo Aufständische ganze Stadtviertel unter ihre Kontrolle gebracht hatten, verbessere sich, sagte er, ohne konkrete Angaben zu machen, was diese Einschätzung stütze. Die Situation werde sich innerhalb von Tagen normalisieren, so der Sprecher.

EU bereitet sich auf Flüchtlingsstrom vor

Unterdessen bereitet sich die Europäische Union darauf vor, letzte im Land verbliebene Europäer, Amerikaner und Angehörige anderer Nationen in Sicherheit zu bringen. Die Situation wird international fast übereinstimmend als Bürgerkriegswirren eingeschätzt. Rund 200.000 Menschen müssten ihre Gastländer Syrien und Libanon bei einer weiteren Verschärfung der Lage wohl verlassen, sagte die zyprische Innenministerin Eleni Mavrou beim Treffen der EU-Innenminister in der zyprischen Hauptstadt Nikosia.

Der Notfallplan sieht vor, die Flüchtlinge zunächst nach Zypern in Sicherheit zu bringen. Dort könnten sie für mindestens 48 Stunden Unterkunft und Versorgung finden. "Die Vorbereitungen dafür sind abgeschlossen", sagte Mavrou. "Wir haben schon festgelegt, wo wir die Evakuierten unterbringen werden." Mehrere EU-Regierungen , darunter auch die Bundesregierung, hätten inzwischen Experten nach Nikosia geschickt, um die Betreuung ihrer Landsleute zu organisieren.

Der kleine Inselstaat Zypern, der derzeit die EU-Präsidentschaft innehat, liegt etwa 170 Kilometer von Syrien entfernt im Mittelmeer . Flüchtlinge könnten aber auch über die Türkei und den türkischen Nordteil Zyperns über die lange grüne Grenze in den Süden gelangen.