Bürgerkrieg Syrische Rebellen rücken gegen Regierungsviertel vor

Die Kämpfe in Damaskus konzentrieren sich laut Augenzeugen im Zentrum der Hauptstadt. Aufständische greifen Regierungstruppen an, die Straßensperren errichtet haben.

Rebellen und Truppen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad haben sich schwere Gefechte in der Nähe des Regierungsviertels in der Hauptstadt Damaskus geliefert. Bei den Kämpfen im Bezirk Ichlas sei mindestens ein Mensch getötet worden, sagten Oppositionelle und Augenzeugen. Die Regierungstruppen seien von den Rebellen angegriffen worden. Soldaten des Regimes hätten in der ganzen Stadt gepanzerte Fahrzeuge aufgefahren und Straßensperren errichtet.

Nach Angaben einer Oppositionsgruppe flüchteten Hunderte Einwohner vor den schweren Kämpfen in der Stadt. Ein Vertreter der staatlichen Einsatzkräfte sagte, die "extrem heftigen Gefechte" würden noch zwei Tage andauern, um Damaskus vor Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan "von Terroristen zu säubern".

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Bislang hätten sich die Truppen "zurückgehalten", aber nach dem Anschlag vom Mittwoch sei die Armee "entschlossen, alle in ihrem Besitz befindlichen Waffen zur Anwendung zu bringen", sagte er. Die Armee habe die Bevölkerung aufgefordert, sich aus den Kampfzonen zurückzuziehen. "Die Terroristen versuchen, die Einwohner als menschliches Schutzschild zu verwenden", fügte er hinzu.

Unklarheit über Assads Aufenthaltsort

Die Kämpfe in Damaskus hatten bereits am Wochenende begonnen. Am Mittwoch waren bei einem Bombenanschlag auf die syrische Führung der Schwager des Präsidenten, Assef Schawkat, Verteidigungsminister Daud Radscheha sowie dessen Amtsvorgänger Hassan Turkmani getötet worden.

Die Opposition rief nach dem Anschlag die entscheidende Kampfphase aus. "Dies ist die finale Phase, das Regime wird bald fallen", sagte Abdelbasset Seida, Chef des Syrischen Nationalrats. Der Anschlag markiere einen "Wendepunkt in der Geschichte Syriens", er werde den Druck erhöhen und binnen Wochen oder Monaten den Machtwechsel bringen.

Laut der Nachrichtenagentur AFP verübte ein Leibwächter, der dem Krisentreffen zugeordnet war, den Anschlag. Demnach zündete er im Versammlungssaal einen Sprengstoffgürtel. Anderen Informationen zufolge war der Sprengsatz vor dem Treffen im Gebäude angebracht worden.

Unklar blieb das Schicksal von Innenminister Mohammed Schaar. Während Oppositionelle von einem stabilen Zustand sprachen, erklärten ihn Aktivisten im syrisch-türkischen Grenzgebiet für tot. Dort hieß es auch, Präsident Assad habe seine Familie unmittelbar nach dem Anschlag in seine Heimatstadt Kardaha im Nordwesten des Landes bringen lassen. Wo sich der Präsident selbst aufhielt, blieb weiter unklar. Die Lage im Land wurde nach dem Anschlag immer unübersichtlicher, ohnehin waren die meisten Informationen schon vorher kaum zu überprüfen, da keine unabhängigen Journalisten ins Land gelassen werden.

Auch die USA sind offenbar der Ansicht, dass sich ein Ende der Assad-Herrschaft abzeichnet. Der Anschlag sei ein weiterer Beweis, "dass sich das Fenster schließt" für das Regime in Damaskus, sagte Regierungssprecher Jay Carney. Zugleich müsse die internationale Gemeinschaft zusammenfinden und einen Machtwechsel unterstützen, fügte Carney hinzu. "Wir müssen gemeinsam handeln, um zu helfen, den Machtwechsel voranzubringen, den das syrische Volk verdient."

Leser-Kommentare
  1. Einige Offiziere, die der alawitischen Minderheit angehören, seien getötet worden.
    [...]

    Leider wird diese Politik von der Bundesregierung unterstützt:
    Angela Merkel (CDU) hat den Sicherheitsrat nach dem Tod von hochrangigen Getreuen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad aufgefordert, neue Zwangsmaßnahmen gegen das Land zu beschließen.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Spekulationen. Danke, die Redaktion/ls

    20 Leser-Empfehlungen
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    hier auch wieder so gejubelt wird wenn nach dem Machtwechsel die ethnische Säuberung der Christen und Alawiten stattfinden wird.
    Anscheinend unterstützen wir jetzt auch Terrorismus, nur die Seite muss stimmen. Wenn Syrien fällt wird der Konflikt gegen Iran eskalieren. Ich glaube Russland und China werden nicht nachgeben.

    • Oogie
    • 19.07.2012 um 9:05 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf überzogene Polemik. Danke, die Redaktion/se

    Syrien ist keine Spekulation.

    Wenn ich zitieren darf:

    "Die Lage in Syrien ist ja unklar: Wir malen das Bild einer brutalen Diktatur, die ihre Bürger abschlachtet – und das ist sicher weitgehend richtig. Aber es gibt eben auch eine religiöse Konfliktlinie. Alawiten gegen Sunniten, Sunniten gegen Schiiten, Christen in der Mitte... Es stehen nicht 99 Prozent gegen 1 Prozent. Die Lage ähnelt eher einem Bürgerkrieg."

    http://www.zeit.de/2012/1...

    war Christ.

    • joG
    • 19.07.2012 um 12:39 Uhr

    ....die ein Volk diktatorisch unterjochte und ihre Macht mit militärischer Gewalt zu erhalten suchte, während einer Periode gewaltsamen Übergangs leidet. Das ist schade, aber auch Lauf der Dinge und irgendwie gerechtfertigt, wie jede Gewalt bei der Selbstverteidigung, was die Befreiung ja auch ist. Natürlich ist Mord verboten. Aber es gibt Umstände, die die Schuld mindern. Wenn eine Frau ihren Vergewaltiger tötet bspw. So ein wenig ist das hier auch.

    hier auch wieder so gejubelt wird wenn nach dem Machtwechsel die ethnische Säuberung der Christen und Alawiten stattfinden wird.
    Anscheinend unterstützen wir jetzt auch Terrorismus, nur die Seite muss stimmen. Wenn Syrien fällt wird der Konflikt gegen Iran eskalieren. Ich glaube Russland und China werden nicht nachgeben.

    • Oogie
    • 19.07.2012 um 9:05 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf überzogene Polemik. Danke, die Redaktion/se

    Syrien ist keine Spekulation.

    Wenn ich zitieren darf:

    "Die Lage in Syrien ist ja unklar: Wir malen das Bild einer brutalen Diktatur, die ihre Bürger abschlachtet – und das ist sicher weitgehend richtig. Aber es gibt eben auch eine religiöse Konfliktlinie. Alawiten gegen Sunniten, Sunniten gegen Schiiten, Christen in der Mitte... Es stehen nicht 99 Prozent gegen 1 Prozent. Die Lage ähnelt eher einem Bürgerkrieg."

    http://www.zeit.de/2012/1...

    war Christ.

    • joG
    • 19.07.2012 um 12:39 Uhr

    ....die ein Volk diktatorisch unterjochte und ihre Macht mit militärischer Gewalt zu erhalten suchte, während einer Periode gewaltsamen Übergangs leidet. Das ist schade, aber auch Lauf der Dinge und irgendwie gerechtfertigt, wie jede Gewalt bei der Selbstverteidigung, was die Befreiung ja auch ist. Natürlich ist Mord verboten. Aber es gibt Umstände, die die Schuld mindern. Wenn eine Frau ihren Vergewaltiger tötet bspw. So ein wenig ist das hier auch.

  2. wenn man jetzt Bilder von Aufständischen in Syrien sieht, die an Libyen erinnern...

    D.h. in Univil nur mit Kalaschnikow und wenig mehr auf offenem Pick-up - aber ohne Luftschutz, geschweige denn Luftunterstützung, dann verdichtet sich doch der Eindruck einer Falle in die die Aufständischen mit Pauken und Trompeten hineinfahren.

    Mit dem Kabinettsanschlag scheint das Regime, den ersten Berichten aus der Nacht zufolge, eine Basis zu einer Selbstenthemmung gefunden zu haben, die wir bisher noch nicht gesehen haben.

    2 Leser-Empfehlungen
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    Der Einsatz von schweren Waffen (Flugzeuge, Panzer?) in einer Stadt wie Damaskus ist auch nicht zu empfehlen. Wer kann mit solchen Waffen schon pro / anti schon auseinanderhalten ? Leichte Bewaffnung ist für den Häusekampf schon das Richtige ! Sollte Assad sich zu einem Luftschalg entschliessen, würde sich das auch gar nicht gut bei seinen russischen Freunden machen. Wer kann so etwas schon befürworten ?

    Der Einsatz von schweren Waffen (Flugzeuge, Panzer?) in einer Stadt wie Damaskus ist auch nicht zu empfehlen. Wer kann mit solchen Waffen schon pro / anti schon auseinanderhalten ? Leichte Bewaffnung ist für den Häusekampf schon das Richtige ! Sollte Assad sich zu einem Luftschalg entschliessen, würde sich das auch gar nicht gut bei seinen russischen Freunden machen. Wer kann so etwas schon befürworten ?

  3. 3. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Spekulationen. Danke, die Redaktion/ls

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    Nicht schon wieder !

    • 3land
    • 19.07.2012 um 8:37 Uhr

    Entfernt. Kein sachlicher Diskussionsbeitrag. Die Redaktion/sh

    Nicht schon wieder !

    • 3land
    • 19.07.2012 um 8:37 Uhr

    Entfernt. Kein sachlicher Diskussionsbeitrag. Die Redaktion/sh

  4. Der Einsatz von schweren Waffen (Flugzeuge, Panzer?) in einer Stadt wie Damaskus ist auch nicht zu empfehlen. Wer kann mit solchen Waffen schon pro / anti schon auseinanderhalten ? Leichte Bewaffnung ist für den Häusekampf schon das Richtige ! Sollte Assad sich zu einem Luftschalg entschliessen, würde sich das auch gar nicht gut bei seinen russischen Freunden machen. Wer kann so etwas schon befürworten ?

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  5. Nicht schon wieder !

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    Und zwar so lange, bis die Hintergründe unabhängig und gründlich aufgeklärt werden!

    Die westl. Poltik in Sachen Syrien, Lybien folgt geostrategischen Interessen des Westens / USA

    http://en.wikipedia.org/w...

    Und zwar so lange, bis die Hintergründe unabhängig und gründlich aufgeklärt werden!

    Die westl. Poltik in Sachen Syrien, Lybien folgt geostrategischen Interessen des Westens / USA

    http://en.wikipedia.org/w...

    • Kometa
    • 19.07.2012 um 7:38 Uhr

    Guerilla in der Großstadt?

    4 Leser-Empfehlungen
  6. 7. [...]

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    Eine Leser-Empfehlung
  7. aufgegriffen, es stellt jeden Friedensgedanken als von der Gegenseite sabotiert dar*; Kofi Annan hat den Kabinettsanschlag verurteilt; es läuft für Assad nicht schlecht an der diplomatischen und rhetorischen Front.

    *womit die Frage plausibel vom Tisch ist, wie es seinereits mit Friedensgedanken umging

    Reguläre Armee im Nachteil im Häuserkampf ? Nur bei entgegenstehenden zivilisatorischen Hemmungen und die werden gerade abgestreift.

    Als der Vietcong auf alles schoß, was nach Codewort nicht im Mauseloch war, da fand das die Linke volkskriegsmäßig romantisch, auch wenn 'der Vietcong' in Wahrheit oft aus regulären Nordvietnamesischen Panzer- und Artillerieregimentern bestand.

    Aufseiten des Regimes sind hochgebildete Leute am Werk.

    In der Hoffnung, dass diese Analogiebildung als thematisch verbunden erkannt wird.

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