Bürgerkrieg : Syrische Rebellen melden Eroberungen in Damaskus

Die Opposition hat eine landesweite Offensive ausgerufen und zwei Bezirke der Hauptstadt unter Kontrolle gebracht. Motiv und Ziel: Rache für die Gräueltaten des Regimes.
Szene aus einem Video, das in Damaskus aufgenommen wurde. © EPA/dpa

In der syrischen Hauptstadt Damaskus haben bewaffnete Regierungsgegner nach eigenen Angaben die Armee aus zwei Vierteln zurückgedrängt. Heftige Kämpfe gab es auch in anderen Teilen der Stadt.

Der Sprecher des Militärrats der Aufständischen für das Gebiet Damaskus, Ahmad al-Chatib, sagte, die beiden regierungsfeindlichen Stadtteile Midan im Süden und Tadamon im Osten seien nicht länger unter Kontrolle der Regierungstruppen . Die Armee beschieße die Viertel jetzt "von außen".

Die Aufständischen riefen eine landesweite Offensive aus. Die Kommandozentrale der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA) in Homs forderte in einer Erklärung "als Reaktion auf Massaker und barbarische Verbrechen der Regierung" zu Angriffen auf alle Sitze der Sicherheitskräfte auf. Ihre Kämpfer sollten alle Kontrollposten der Armee, der Sicherheitskräfte und der Schabiha-Milizen einkreisen und eliminieren.

"Damaskus' Vulkan und Erdbeben Syriens"

Die Rebellen nannten ihre Operation "Damaskus' Vulkan und Erdbeben Syriens ". Sie sei der "erste strategische Schritt" zum zivilen Ungehorsam in ganz Syrien, erklärte die FSA. Ein Aktivist, der seinen Namen als Abu Musab angab, bezeichnete die Entwicklung als "Wendepunkt" in dem seit März 2011 andauernden Aufstand gegen Präsident Baschar al-Assad.

Auf Internetvideos war zu sehen, wie Kämpfer hinter Barrikaden aus Sandsäcken Panzerabwehrraketen abfeuerten. Laut Aktivisten zog die Armee Panzer um das nahe dem Stadtzentrum gelegenen Viertel Midan zusammen, das von den Aufständischen kontrolliert wurde. Aus dem ebenfalls von den Rebellen gehaltenen Stadtteil Tadamon seien zahlreiche Einwohner in das nahegelegene palästinensische Flüchtlingslager Jarmuk geflohen, hieß es aus anderer Quelle.

Warnung vor chemischen Waffen

Syriens früherer Botschafter in Bagdad, Nawaf Fares, warnte die Regierung vor dem Einsatz chemischer Waffen. Er sei überzeugt, dass Assad bereit sei, "das gesamte syrische Volk auszulöschen", um an der Macht zu bleiben, sagte Fares dem britischen Rundfunk BBC . Sollte er weiter in die Enge gedrängt werden, könnte er auch Chemiewaffen verwenden. Es gebe unbestätigte Berichte, dass in Homs bereits Chemiewaffen eingesetzt worden seien.

Ein Machtwechsel in Syrien sei nun "unvermeidbar", sagte Fares. "Es ist absolut sicher, dass diese Regierung in kurzer Zeit fallen wird." Fares galt lange als Hardliner und hatte jahrzehntelang zahlreiche hohe Posten in den syrischen Sicherheitskräften, der Regierungspartei und der Staatsverwaltung inne. Am vergangenen Mittwoch hatte er sich jedoch von Bagdad nach Katar abgesetzt. Gerüchten zufolge spekuliert er auf einen Posten in der Regierung nach Assad.

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Kommentare

59 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Falschmeldungen?

Die verantwortlichen Redakteure interessiert wohl nicht mal mehr, dass Reuters genau Gegenteiliges meldet. Der Link wurde schon gestern von einem Kommentator zur Verfügung gestellt.

"Syrische Regierungstruppen umzingeln Rebellen in Damaskus am Montag..."

http://in.reuters.com/art...

Weiterhin würden wohl die friedlichen Mitglieder der Opposition, mit denen Assad längst dialogbereit ist, Überschriften wie, "Die Opposition hat eine landesweite Offensive ausgerufen", als blanke Lüge bezeichnen.

Die wirkliche Offensive, die hier gestartet wurde, liegt wohl eher auf medialen Gebiet und soll zur weiteren Eskalation beitragen.
Und, die billige "Chemiewaffenrhetorik" ist doch nun wirklich unterste Schublade und beleidigt sicher den Intellekt des grössten Teils der Leserschaft.

Informationen?

"geben sie die vorliegenden Informationen" Welche Informationen? Sie scheinen immer und überall den Nachsatz zu überlesen bzw zu überhören, "diese Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden" Es werden also keine Informationen verbreitet sondern Gerüchte und gezieht gestreute Desinformationen. Schon mal "Die Schauspieler von Syrien" gegoogelt? Oder bei Todenhöfer nachgelesen? Der war im Gegensatz zu den Artikelschreibern vor Ort!(Ein Aufständischer im Interview mit ihm in Homs: "Wir sehen doch, daß unsere Lügen von den Medien geglaubt werden.")
Und an die Redaktion die Mahnung eines Urgesteins des Journalismus: Die klassische Form des Journalisten gibt es nicht mehr. Nämlch eine Meldung erst zu prüfen und dann zu veröffentlichen. Aus Angst, zu spät zu kommen, wird im IN fleißig gesammelt und aus einem Sammelsurium von Meldungen, Gerüchten, Halbwahrheiten und gezielten Falschmeldungen eine "aktuelle" Information gebastelt. Abgeschlossen mit der lauen Entschuldigung, die Angaben konnten nicht...!

Die Rebellen disqualifizieren sich selber

Die "Rebellen" disqualifizieren sich selber, indem sie zu "Rache" und zum Einkreisen und "eleminieren" der Gegner aufrufen.

Sollte es den "Rebellen" tatsächlich gelingen ihre Gegner einzukreisen, dann haben die "Rebellen" schlicht und ergreifend ihre Gegner gefangen zu nehmen und sie als Kriegsgefangene gemäß internationalem Recht zu behandeln und sie nicht zu "eleminieren".

Ich möchte nicht in ihrer Haut stecken, wenn die "Rebellen" gemäß dem Motto "Pardon wird nicht gegeben" anfangen Gefangene zu töten.

Darum bitte Vorsicht mit einseitiger Parteinahme in diesem Konflikt Danke !

Die Amerikaner werden diesen Krieg schon deshalb nicht gewinnen,

weil sie derzeit noch gar nicht an ihm beteiligt sind.

Diesen Krieg wird niemand gewinnen, egal wer daran teil haben wird. Diesen Krieg kann niemand gewinnen, weil es nichts zu gewinnen gibt.

Assad hat ihn schon verloren, weil er sich nicht halten können wird. Er nimmt dabei in Kauf, ein ganzes Land in Schutt und Asche zu legen, so dass auch die Gewinner am Ende nicht viel gewonnen haben werden, als ein kaputtes Land mit einer kaputten Wirtschaft und fehlenden Mitteln für den Wiederaufbau.

Die USA liefern die Waffen, Saudi Arabien bezahlt sie

"Die Amerikaner werden diesen Krieg schon deshalb nicht gewinnen, weil sie derzeit noch gar nicht an ihm beteiligt sind."

Und die diplomatische Unterstützung zählt nicht?

Also sind sie doch an diesem Krieg aktiv beteiligt.

Sie haben aus Afghanistan nichts gelernt.

Und bringen überall die Feinde der Demokratie an die Macht.
Wer den Wind sät, .....