HRW-Bericht : Assads Handlanger foltern mit Batteriesäure und Kälteschocks

In syrischen Gefängnissen werden Regimegegner auf brutale Weise gequält. Dies berichtet die Menschenrechtsorganisation HRW – sie geht von Tausenden Folterlagern aus.
Syrische Flüchtlinge, die nach eigenen Angaben in ihrer Heimat gefoltert wurden © Adem Altan/AFP/Getty Images

In syrischen Gefängnissen werden nach Informationen der Organisation Human Rights Watch Zehntausende Menschen gefangen gehalten und systematisch gefoltert. Zu den Methoden gehörten das Ausreißen von Fingernägeln, Kälte- und Elektroschocks, das Aufhängen an der Decke über mehrere Stunden sowie das Übergießen von Gefangenen mit Batteriesäure oder heißem Wasser, listet die Organisation in einem Bericht auf.

Eine weitere Foltermethode sei das lange "Festhalten der Gefangenen in Stresspositionen". Zudem gebe es sexuelle Übergriffe und Demütigungen. Auch von Scheinhinrichtungen war die Rede. Mehrere Befragte mussten mit ansehen, wie Folteropfer starben.

Die Menschenrechtsorganisation sprach in ihrem Bericht von einem "Folterarchipel" mit landesweit 27 Haftzentren (Karte mit Detailinformationen hier) . Für die Studie befragten die Mitarbeiter mehr als 200 ehemalige Gefangene und Deserteure. "Fast alle" hätten Folter selbst erlebt oder beobachtet, heißt es.

Ein 31-Jähriger gab an, dass seine Finger beim Verhör mit Zangen gequetscht wurden. Seine Peiniger hätten Klammern und Nägel in seinen Fingern, an der Brust und an den Ohren befestigt und ihm über Drähte Elektroschocks zugefügt. Zweimal sei er auch an den Genitalien gefoltert worden.

Nur glaubwürdige Aussagen verwendet

Dem Bericht zufolge werden Gefangene auch in Stadien und Schulen festgehalten. Ein Ex-Offizier berichtete davon, dass Gefangene an den Händen aufgehängt oder lebendig in einen Sarg gelegt und mit dem Tod bedroht werden. "Sie befestigen Nägel unter deinen Füßen und schlagen dich, damit du damit läufst", sagte er.

"Wir haben nur die Aussagen verwendet, die uns als 100 Prozent glaubwürdig erscheinen, auf die anderen haben wir verzichtet", sagte HRW-Deutschland-Direktor Wenzel Michalski. Die Dunkelziffer sei weit höher. "Wir gehen von Tausenden (Foltergefängnissen) aus."

Die Verantwortlichen für diese Gräueltaten, die in dem Bericht zum Teil namentlich genannt sind, müssten sich aus HRW-Sicht vor dem Internationalen Strafgerichtshof verantworten. Die Interviews belegen auch die Folter von Kindern. "Das jüngste Folteropfer, mit dem wir gesprochen haben, war ein elfjähriger Junge", sagte Michalski.

Tausende in Lagern

Das Regime in Syrien geht seit Monaten mit militärischer Gewalt gegen Regimekritiker vor. Nach UN-Angaben starben bisher mehr als 10.000 Menschen. International ist Syrien weitgehend isoliert. Sanktionen konnten den Bürgerkrieg jedoch bisher nicht stoppen. Jedoch desertieren immer mehr syrische Soldaten und flüchteten über die Grenze in die Türkei . Dort leben bereits Tausende zivile Flüchtlinge in Lagern.

In Kairo versuchten am Dienstag erneut mehr als 200 Oppositionelle, eine gemeinsame Vision für die Zukunft Syriens zu finden. Bei dem zweitägigen Treffen hatte sich die ursprünglich für den Mittag angekündigte Abschlusserklärung nach Angaben von Konferenzteilnehmern verzögert, weil einige Delegierte nicht bereit waren, den bewaffneten Kampf der Deserteure zu unterstützen.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow forderte die in Kairo versammelten Oppositionellen auf, sich zu einigen und anschließend mit der Führung in Damaskus zu verhandeln. Die Konferenzteilnehmer hatten um Hilfe für die von den Regierungstruppen umstellten Bezirke in der Provinz Homs gebeten.

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Kommentare

82 Kommentare Seite 1 von 10 Kommentieren

Dieses Regime ist nur noch vergleichbar mit Nordkorea

Wie weit muss der ideologische Beton im Kopf sein, der ein Regime dazu veranlasst, elfjährige Kinder systematisch zu foltern?

Schon vor dem arabischen Frühling war klar, dass Syrien zu den schlimmsten Regime in dieser an folternden Diktaturen nicht armen Region gehört.Doch selbst für saudische und iranische Verhältnisse ist das syrische Vorgehen gegen die eigene Bevölkerung einfach nur noch grausam und beschwört Assoziation mit den schlimmsten Gräueltaten herauf, die man sonst nur noch aus afrikanischen Ländern (Kongo,Ruanda) oder den schlimmsten und dunkelsten Tagen aus Bürgerkriegen (Bosnien) kennt.

Man kann nur hoffen,dass das syrische Regime rund um die mafiösen Strukturen von Assad sehr bald kippt und die Syrer ihr Schicksal in die eigene Hände nehmen können.

Folter in Syrien ist nichts Neues.

Ein Bekannter von mir, der vor etwas über 10 Jahren aus dem Land floh berichtete mir ganz ähnliche Geschichten.

Nur zu glauben, dass die Rebellen nicht gleichermaßen grausam gegen Regimetreue, Aleviten und auch Christen vorgehen werden, sobald Assad erst einmal mit westlicher und arabisch-türkischer Hilfe gestürzt ist, halte ich für illusorisch, wenn nicht gar naiv.

Beide Seiten entziehen sich der Verantwortung

Der Westen, allen voran die USA, geht Probleme am Liebsten mit dem Hammer an - auf Kosten der jeweiligen Bevölkerung, die gerade zusammengebombt wird, und auf Kosten der Infrastruktur, das Land um Jahrzehnte zurückgeworfen.

Die linke Szene wiederum entzieht sich der Verantwortung, indem sie sagt das ist nicht unser Bier, die anderen sind doch auch böse. Klar, wenn man Armut und Folter nur aus dem Fernsehen kennt, kann man sich sehr leicht nur mit sich selber beschäftigen.

Beide Haltungen scheinen mir opportunistisch. Aber wir stehen in dem Dilemma, dass wir eigentlich Töten müssten, um das Töten zu stoppen.

Das ist zwar eine Frage der Einstellung....

....ob Polizeieinsätze gerechtfertigt sind oder nicht, wurde aber als Norm der UNO eigentlich bereits prinzipiell übernommen. Dazu wäre allerdings in meiner Lesart ein SR Beschluss notwendig, obwohl das im Falle von verbreiteterFolter, Massenmord und Vertreibung dies sehr umstritten ist und man in Deutschland tendenziell für Einsätze ohne Mandat in krassen Fällen zu neigen scheint.

Wie dem auch sei, wäre ein Mandat vermutlich nicht notwendig, da sich Flüchtlinge in der Region ausbreiten und Nachbarn daher zum Eingriff berechtigt wären.

Wie auch immer, ist es sachlich eine Beeinflussung, wenn man zu etwas Stellung nimmt. Das mag nicht die Intention sein, aber Meinungsäußerungen beeinflussen. Wenn man also Dinge sagt, die einem Diktator nahe legen, er könne weiterfahren, so erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass er genau das tun. Warum sollte er seinen Job aufgeben und sein Leben riskieren, weil man seine rede mit "aber es ist nicht nett" beendet?

So filtert er weiter mit Ihrer billigenden in Kaufnahme.
Wenn jemand dann glaubt das geschehen stoppen zu müssen, ginge der Krieg auch auf Ihre Kappe. Sie hatten ja keine andere durchsetzbare Alternative. So ging es Schröder im Irak.

Propaganda?

Meine Vorhersage: jetzt wird es hier auf der Kommentarseite nicht lange dauern bis uns unsere deutschen Assadfreunde versichern, das sei doch alles nur Propaganda, Assad müsse sich schliesslich gegen die vom Westen unterstützten Rebellen verteidigen, und die einzig verlässlichen und politisch richtig handelnden Grossmächte in diesem Konflikt seien Russland und China.

Wie im Krieg!

Ja Assad ist ein Diktator. Ja ich wünsche mir jemand anderen dort. Ja in Syrien wird gefoltert. Seit Jahrzehnten. Niemanden hat es interessiert.

Jetzt, um den Syrern ihr Land zu stehlen, machen sich andere Folterer auf man hilft ihnen weltweit, nicht nur mit Kommentaren.

Ich bin wirklich froh, dass Russland und China dagegenhalten. Die einzig Vernünftigen in diesem Spiel. Auch wenn sie durch Waffenverkäufe beteiligt sind.

Ja, Bonny, nicht nur in Syrien.

Es gibt viele Staaten in der Welt, wo ich nicht im Gefängnis landen möchte.
Das weiß man, das klagen seriöse (oder einstmals seriöse) Organisationen wie ai seit Jahren an.

Nur hier geht jetzt eine dieser NGOs, die in den letzten Jahren wie Pilze aus dem (sauren, weil finanziell stark überdüngten) Boden geschossen sind, in die Details.

Ausreißen von Fingernägeln bei Kindern, Batteriesäure, sowas mach sich prächtig, wenn man eine Seite in einem Konflikt als Monster hinstellen will.

Siehe dazu auf Lord Ponsonby No. 3 und 5.

Galgenstein, Galgenstein!

Sie verstehen mich richtig.

Wenn der Folterstaat USA gegen den Folterstaat Syrien zu Felde zieht, "die Folter dort abzuschaffen"ist das nur Propaganda. Die Gefolterten interessieren da höchstens als Statisten für Photos und Interviews.

Ich war schon in syrischen Gefängnissen und weiss wovon ich rede. Wenn sie dort einsitzen, interessiert das kein Mensch im Ausland. Es sei denn Sie haben dort sehr gute Freunde.

Da die US Regierung Krieg gegen die Bevölkerung unterstützt, sind sie ja wohl kaum als Freunde zu bezeichnen. Kämen sie durch, würden sie wahrscheinlich weiter foltern. Und so wie im Irak, würde das niemanden bei uns wirklich interessieren.

Vielleicht sind Sie da die große Ausnahme. Darf ich Sie so verstehen, dass Ihnen die Folter der Amis in Syrien lieber wäre als durch die syrische Polizei?

Falsch! Nur Emotionen weckt man...

wenn man sich 1 oder 2 Einzelschicksale aussucht und über mehrere Seiten mit viel Dramatik ausbreitet.

Was hier beschrieben wird, sind größtenteils Statistiken, die scheinbar großangelegte systematische Folter von Abertausenden. Angeblich sind das immerhin die Aussage von 200 Menschen die scheinbar ja auch Folterspuren tragen...

Das ist die abgrundtief hässliche Fratze eines menschenverachtenden Regimes. Wollen Sie die vielleicht deshalb nicht sehen, weil sie zu den Relativisten gehören?