Die syrische Opposition ist von der Genfer Syrien-Konferenz enttäuscht. Ein führendes Mitglied des Syrischen Nationalrates (SNC), Bassam Ishak, sagte dem Nachrichtensender Al-Arabija, die Opposition werde nun künftig vorrangig den bewaffneten Kampf der Deserteure unterstützen. Der ehemalige SNC-Vorsitzende Burhan Ghaliun sagte, die Erklärung von Genf sei "eine schlechte Botschaft". Er und seine Mitstreiter hätten bislang vergeblich auf eine Intervention gehofft. Ziel der Opposition müsse es nun sein, moderne Waffen zu beschaffen.

Am Samstag hatten sich die Außenminister der fünf UN-Vetomächte USA , Großbritannien , Frankreich, China und Russland sowie Vertreter aus der Türkei , dem Irak , aus Kuwait und Katar in Genf getroffen. In der Konferenz einigten sich die Mitglieder der Syrien-Aktionsgruppe darauf, die Bildung einer Übergangsregierung in Damaskus mit Vertretern des herrschenden Regimes und der Opposition zu fordern.

Auf Drängen Russlands wurde in der Abschlusserklärung weder der Rücktritt des syrischen Machthabers Baschar al-Assad noch seinen Ausschluss von einem politischen Übergangsprozess gefordert.

Assad bekommt eine neue Gelegenheit, auf Zeit zu spielen

Den oppositionellen örtlichen Koordinationskomitees (LCC) zufolge ist die internationale Gemeinschaft "ein weiteres Mal damit gescheitert, eine gemeinsame Position einzunehmen, um die Verbrechen Assads gegenüber dem im Aufstand befindlichen syrischen Volk zu stoppen". Das Abkommen sei lediglich eine "Version der Forderungen der mit dem Assad-Regime verbündeten russischen Führung, die sich nur in der Form unterscheidet", hieß es in der LCC-Erklärung weiter. Damit werde "den Banden Assads eine neue Gelegenheit gegeben, auf Zeit zu spielen, um die Revolutionsbewegung niederzuschlagen".

Der SNC sah hingegen "einige positive Elemente" im Abkommen von Genf. Allerdings seien die wichtigen Aussagen darin "zu mehrdeutig" geblieben. Der Plan zu einem politischen Übergang in Syrien sei "zu vage, um ein wirkliches und unverzügliches Handeln erkennen zu lassen", sagte eine SNC-Sprecherin.

Während in Genf die Vetomächte tagten, ging in Syrien die Gewalt weiter. In Samalka bei Damaskus wurden am Samstag während einer Trauerfeier mindestens 41 Menschen durch eine Bombe getötet, wie die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter berichtete. Andere Aktivisten sprachen von 75 Toten und 150 Verletzten. Anwohner berichteten, die in einem Auto versteckte Bombe sei unweit der Al-Tuba-Moschee detoniert, von der aus der Trauerzug gestartet sei.

Landesweit sollen am Samstag etwa 100 Menschen von den Truppen des Regimes getötet worden sein. Am Sonntag meldeten Regimegegner Kämpfe in Deir as-Saur, Aleppo und Homs. Sie zählten insgesamt 19 Todesopfer. In Beir Sawa im Umland von Damaskus seien Dutzende Zivilisten verletzt worden, als ihre Häuser mit Panzergranaten beschossen wurden.