SyrienUN-Beobachter untersuchen Massaker

Zwei Tage nach dem mutmaßlichen Massenmord inspizieren UN-Beobachter den Tatort. Sie sollen Beweise für das Massaker finden. Syriens Führung streitet alles ab. von dpa und reuters

Ein UN-Beobachter in Syrien (Archiv)

Ein UN-Beobachter in Syrien (Archiv)  |  © Louai Beshara/AFP/GettyImages

Beobachter der Vereinten Nationen sind im syrischen Tremseh eingetroffen und suchen nach Beweisen für ein Massaker an Zivilisten. Die Beobachter sollen herausfinden, was genau geschehen ist.

Ein Aktivist sagte: "Das Team hat Fotos von bombardierten Häusern gemacht und Granatsplitter gesammelt, um herauszufinden, mit welchen Waffen das Regime gegen Zivilisten vorgegangen ist." Auf Bildern und in Videos im Internet waren UN-Fahrzeuge nahe Tremseh zu sehen, die von Menschen umringt wurden. Diese zeigten den Beobachtern blutgetränkte Kleidung und Überreste von Granaten.

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Nach Angaben der Opposition hat vor zwei Tagen ein Massenmord in der Kleinstadt stattgefunden: Soldaten von Präsident Baschar al-Assad und regierungstreue Milizen sollen mit Unterstützung von Kampfhubschraubern, Panzern und schwerer Artillerie 100 bis 220 Menschen umgebracht haben. Aktivisten berichteten, dass die Soldaten Kämpfer der Opposition erschossen, Zivilisten massakriert und Flüchtlinge getötet haben. Sie sollen auch Exekutionen durchgeführt haben. Die meisten der 7.000 Einwohner des nun zerstörten Dorfes hätten mit der Opposition sympathisiert.

Syrien streitet alles ab

Die Vorgänge hatten weltweites Entsetzen ausgelöst und die Diskussion über ein Eingreifen der internationalen Staatengemeinschaft angeheizt. Außenminister Guido Westerwelle ( FDP ) sagte der Bild am Sonntag laut Vorabbericht: "Das Assad-Regime setzt schwere Waffen wie Hubschrauber, Geschütze und Panzer für grausame Gewalt, für einen regelrechten Krieg gegen das eigene Volk ein. Das ist unsere klare Erkenntnis aus den Berichten über die Geschehnisse von Tremseh." Westerwelle betonte aber auch: "Angesichts der überaus komplexen Lage im Land und der Gefahr eines Flächenbrands in der ganzen Region bleibt es dabei: Es gibt keinen Anlass für Spekulationen über eine Militärintervention."

Die syrische Führung reagierte wie in früheren Fällen: Sie wies jegliche Verantwortung von sich. Es habe kein Massaker gegeben. Bei dem Angriff habe es sich um einen Sondereinsatz bewaffneter Streitkräfte gehandelt, der sich gegen Mitglieder einer terroristischen Gruppe gerichtet habe, verbreitete die staatliche Nachrichtenagentur unter Berufung auf Militärkreise. Zivilisten sollen demnach nicht zu Tode gekommen sein. Die syrische Führung streitet seit Beginn des Aufstands gegen Assad im März 2011 ab, dass sie Tausende Zivilisten getötet hat, obwohl Aktivisten Videos als Beweise vorlegten und auch UN-Beobachter zu anderen Auffassungen als die Regierung gelangten.

Leserkommentare
  1. ...hat das Massaker sogar als versuchten Völkermord durch Assad beschrieben, der zu rechen sein wird, wo er recht hat, da hat er recht, vgl.

    http://www.welt.de/politi...

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    sollte sich mal um eine diplomatische Lösung mit den Kurden kümmern. Da könnte er Frieden im eigenen Land schaffen.

  2. sollten die UN-Beobachter mal mit den sogenannten Aktivisten "Klartext" reden.
    .
    Ich glaube inzwischen, Assad ist nur das "Aushängeschild", an dem man sich festmacht.
    In Wirklichkeit geht es um die Machtverteilung bei den oppositionellen Gruppen. Und wenn man dafür die UNO benutzen kann, ist es möglicherweise von Vorteil.

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  3. sollte sich mal um eine diplomatische Lösung mit den Kurden kümmern. Da könnte er Frieden im eigenen Land schaffen.

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    Antwort auf "Erdogan..."
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    ...wer wie Assad ohne Not Flugzeuge des Nachbarlandes abschießt, auf Grenzbeamte feuern lässt und sein Volk so malträtiert, dass 40.000 über die Grenze fliegen, der muss sich auch ein bisschen Kritik gefallen lassen, vgl.

    http://www.deutsch-tuerki...

    • ommel
    • 14. Juli 2012 21:11 Uhr

    macht er nicht das selbe ? und haben sie kein ahnung was der erdogan bei der verfolgung der kurden zum beispiel im irak macht !

    und was assad betrifft,da haben sie ausgezeichnete informationen aus der bildzeitung oder anderen """kritischen""" medien in deutschland !!!!!!!!!!!

  4. Wie immer wäre es auch hier hilfreich, Listen mit den Namen der Getöteten zu veröffentlichen. Das sollte in einem 7.000 Einwohner-Ort, wo jeder jeden kennt, machbar sein. Dann könnte man besser und schneller entscheiden, welche Behauptungen wahr sind.

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    • ztc77
    • 14. Juli 2012 20:51 Uhr

    ..Geschoss-Reste die Urheberschaft an dem Massaker herauszufinden.

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    • LaoLu
    • 15. Juli 2012 0:08 Uhr

    Da wurden Kartuschen von Panzermunition präsentiert, nur, um kurz darauf zurückzurudern, weil den meisten Opfer die Kehlen durchgeschnitten worden waren.
    Was Artillerie meines Wissens nach nicht tut.

  5. ...wer wie Assad ohne Not Flugzeuge des Nachbarlandes abschießt, auf Grenzbeamte feuern lässt und sein Volk so malträtiert, dass 40.000 über die Grenze fliegen, der muss sich auch ein bisschen Kritik gefallen lassen, vgl.

    http://www.deutsch-tuerki...

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Erdogan"
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    aber nicht einseitige Vorwürfe, so als ob die armen Oppositionellen liebe kleine Lämmchen wären, die zur Schlachtbank müssten. Es nervt einfach, bei jeden Beitrag von diversen Foristen nur die eine Seite zu lesen.
    Ich meine mal ehrlich. Nach den Monaten sollte dach langsam auch dem letzten ein Licht aufgehen, dass sich hier ZWEI Gruppen gegenüberstehen, die sich in Punkto Grausamkeit in nichts nachstehen.

  6. dass es eigentlich schon egal ist , wer dort mordet und massakriert. Der Westen streitet noch nach Jahren, wer dort wen die Kehle durchgeschnitten hat, aber die zivilen Menschen, egal auf welcher Seite sie stehen, werden als Zielscheiben glatt vergessen. Dort liegen 200 Leichen, Annan macht einen lächerlichen Friedensplan und die UNO Truppen verhalten sich, wie Scotland Yard.
    Wenn man nach den ersten Giftgas Attacken immer noch mit den Russen streitet und ein Einsatz unwahrscheinlicher wird, weil gefährlich und die Gaskartuschen im Land verteilt sind,
    werden vielleicht erste Lichter aufgehen: die Welt, der Mensch sind nun einmal grausam und da kann Herr Westerwelle auch nichts machen.
    Deshalb begnügen wir uns mit dem mahnenden Finger von Guido und wissen, bei Nichteinmischung haben wir ein besseres BRI.
    Darüber hinaus bescheren uns die geliebten Börsen genug Kopfschmerzen.

    • ommel
    • 14. Juli 2012 21:11 Uhr

    macht er nicht das selbe ? und haben sie kein ahnung was der erdogan bei der verfolgung der kurden zum beispiel im irak macht !

    und was assad betrifft,da haben sie ausgezeichnete informationen aus der bildzeitung oder anderen """kritischen""" medien in deutschland !!!!!!!!!!!

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    Antwort auf "Erdogan"
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    ...Völkermord ist Völkermord, und entgegen verbreiteter Annahme ist damit nicht nur systematisches Töten, sondern nach der Resolution Nr. 180 von 1947 auch einzelne Aktionen in der Absicht zu verstehen, die Bevölkerung bzw. Bevölkerungsgruppen durch sytematische Folterungen zu malträtieren, und die Tatsachen, lieber Mitforist,

    standen nícht in der Bild, sondern ausführlich vor einigen Tagen bei Human Rights Watch, Quelle kann ich Ihnen gerne nachreichen.

    • akser
    • 14. Juli 2012 22:19 Uhr

    lieber Ommel,

    du meinst sicherlich die PKK Terroristen die die Grenze überschreiten und ihr Unwesen treiben und anschliessend wieder in die Berge nach Irak und neuerdings nach Syrien (vom Esad unter Schutz genommen) flüchten. Erdogan weiss schon was er macht. Kümmere du dich mal um essad.. :)

    • Thor36
    • 15. Juli 2012 7:01 Uhr

    Haben Sie überhaupt verstanden, was in Syrien passiert?

    Meine Güte!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
  • Schlagworte Guido Westerwelle | FDP | UN-Sicherheitsrat | Kofi Annan | Brand | Catherine Ashton
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