UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die internationale Staatengemeinschaft eindringlich dazu aufgefordert, das Morden in Syrien zu beenden . "Hier im Herzen von Bosnien und Herzegowina richte ich einen Aufruf an die ganze Welt: Wartet nicht länger! Handelt! Schließt Euch zusammen! Handelt jetzt, um das Massaker in Syrien zu beenden!", sagte Ban vor dem bosnischen Parlament in Sarajewo . Die gleiche Staatengemeinschaft, die während des Bosnienkrieges dabei "versagte, den Völkermord zu verhindern", werde derzeit "in Syrien einem Test unterzogen", sagte der UN-Generalsekretär.

Die internationale Gemeinschaft sei verpflichtet, schwere Verstöße gegen die Menschenrechte zu verhindern. In Syrien würden Dörfer angegriffen und "Kinder massakriert". Das Land treibe "immer schneller in Richtung Bürgerkrieg", sagte Ban.

Der UN-Generalsekretär verbrachte eine Woche in den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens. Die bosnische Hauptstadt Sarajewo war während des Krieges mehr als 40 Monate belagert worden. Am Donnerstag will Ban als erster UN-Generalsekretär zudem die Gedenkstätte für das Massaker von Srebrenica besuchen, wo über 5.600 muslimische Jungen und Männer beerdigt sind. Insgesamt waren dort 1995 etwa 8.000 Muslime von bosnischen Serben umgebracht worden.

Kampf um Aleppo

Auch der Sprecher von US-Präsident Barack Obama , Jay Carney, verurteilte erneut die "abscheuliche Gewalt" des Regimes gegen unbewaffnete Zivilisten. Es gebe glaubhafte Berichte, dass auch Panzer und Kampfflugzeuge eingesetzt würden. Die USA und ihre Partner würden weiterhin Schritte unternehmen, um das Assad-Regime zu isolieren und um mit Sanktionen dessen finanzielle Basis auszutrocknen. Das werde es für die Regierung in Damaskus schwieriger machen, das brutale Vorgehen gegen das eigene Volk zu finanzieren.

In Syrien selbst dauern die Kämpfe unvermindert an . Nach Angaben von Rebellen versuchten syrische Truppen, die Stadt Aleppo zu besetzen. Mindestens 2.000 Soldaten seien in Marsch gesetzt worden. "Die Schlacht (um Aleppo ) wird entscheidend sein und die Rebellen sind bereit dafür", sagte Abu Omar al-Halabi, ein Kommandeur der Freien Syrischen Armee. Nach Angaben von Aktivisten sollen sich Rebellen aus dem ganzen Land auf den Weg gemacht haben, um für die Eroberung Aleppos zu kämpfen.

Assad-Getreue setzen sich ab

Berichten zufolge glauben selbst einige prominente Mitglieder der Assad-Familie nicht mehr an ein Überleben des Regimes. Baschar al-Assads Onkel Mohammed Machluf und dessen Söhne sollen nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa versucht haben, Kontakte im Ausland zu knüpfen. Sie suchten Schutz, falls Assad untergehen sollte.

Zudem haben sich weitere Spitzendiplomaten von Präsident Assad losgesagt. Der Botschafter in den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie die Botschafterin in Zypern hätten sich nach Katar abgesetzt, sagte ein Sprecher des oppositionellen Nationalrates. Beide sind miteinander verheiratet. Vor etwa zwei Wochen hatte sich bereits der Botschafter im Irak abgesetzt. Die Botschafterin in Zypern ist eine Nichte von Vize-Präsident Faruk al-Scharaa.

Mehr als 100.000 Flüchtlinge

Am gestrigen Mittwoch hatte die Türkei wegen der eskalierenden Gewalt ihre Grenze zu Syrien für den Personen- und Güterverkehr geschlossen . Für Flüchtlinge seien die Grenzen aber nach wie vor offen. Ihre Zahl steigt in den Nachbarländern dramatisch an. Mehr als 120.000 syrische Flüchtlinge sind laut UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR in Jordanien , im Libanon , in der Türkei und im Irak registriert. Zudem gebe es eine große Zahl von nicht registrierten Flüchtlingen. Drei Viertel von ihnen seien Frauen und Kinder.

Syriens Nachbarland Jordanien, in das sich derzeit täglich 1.000 Syrer retten, richtet bereits eine Zeltstadt für 130.000 Bewohner in der Nähe der Grenzstadt Mafrak ein. Die ersten Unterkünfte für 10.000 Menschen sollen am kommenden Montag zur Verfügung stehen.