Olympische SpieleKleider machen Wahlkampf

Weil sie in China gefertigt wurden, solle man die Uniformen der US-Olympioniken verbrennen, ereifern sich die Demokraten. Ihre Empörung ist wohl pure Wahlkampf-Strategie.

Die Uniformen der US-Sportler für die Olympischen Spiele in London

Die Uniformen der US-Sportler für die Olympischen Spiele in London

Im US-Präsidentschaftswahlkampf sind die Uniformen des US-Olympiateams zum Thema geworden. US-Medien berichteten, dass die Kleidung der Sportler für die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in London in China produziert worden sei. Daraufhin schimpften Spitzenpolitiker, vor allem der Demokraten, über die Entscheidung des nationalen Olympia-Komitees.

"Es ist beschämend, dass unsere amerikanischen Sportler während der Olympischen Spiele in China gefertigte Uniformen tragen werden", sagte der demokratische Kongressabgeordnete Steve Israel. Der Chef der Demokraten im Senat, Harry Reid, sagte im US-Fernsehen, das Olympia-Komitee "solle sich schämen". Man solle "alle Outfits nehmen, sie auf einen großen Haufen werfen und sie verbrennen und noch einmal ganz von vorn anfangen".

Anzeige

Demokraten planen Gesetz

Sechs Senatoren der demokratischen Partei wollen dagegen sogar ein Gesetz durchsetzen. Sie planen, in der kommenden Woche einen Gesetzesvorschlag einzubringen, der die Produktion der Olympia-Uniformen in amerikanischen Fabriken festschreibt.

Ein Sprecher des Weißen Hauses sagte zwar, dass der Herstellungsort der Olympia-Outfits kein Thema der Regierung sei. Doch US-Präsident Barack Obama glaube an "die hohe Qualität amerikanischer Produkte" – das beinhalte auch in den USA hergestellte Kleidung.

Wahlkampfthema Outsourcing

Dass sich vor allem Politiker aus dem Obama-Lager über die chinesische Produktion der Olympia-Uniformen ereifern, überrascht nicht. Denn dadurch wird ein Thema in den Medien gehalten, das dem designierten republikanischen Präsidentschaftskandidat Mitt Romney im Wahlkampf große Probleme bereitet: Das Outsourcing von Arbeitsplätzen.

In seiner Zeit als Chef des Finanzinvestors Bain Capital soll Romney zahlreiche Jobs von den USA ins Ausland verlagert haben. Das kritisiert Obamas Wahlkampfteam unentwegt. Die Firma Romneys soll gar einer der Pioniere des Outsourcings in Niedriglohnländer gewesen sein, schreibt die Washington Post. Auch gibt es immer neue US-Medienberichte über Firmen, die Arbeitsplätze nach China oder Indien verlagerten, nachdem Bain Capital sie gekauft hatte.

Themenvermischung der Demokraten

"Danke Romney für die olympischen Uniformen der USA. Deine Angestellten in China haben gute Arbeit geleistet", bringt etwa ein Nutzer auf Twitter die Themen zusammen. Der Tweet ist überspitzt, denn von Romneys Firmen ist nicht bekannt, dass sie verantwortlich wären für die Kleidungsproduktion für Olympia. Hersteller der Sportlerkleidung für London ist Ralph Lauren. Der Tweet zeigt aber exemplarisch, dass die Themenvermischung der Demokraten funktioniert.

Das gilt umso mehr, als in den Berichten über Romneys Zeit als Bain-Capital-Chef auch immer wieder die Olympischen Spiele vorkommen – die von 2002 in Salt Lake City. Als 1999 die Vorbereitungen zu scheitern drohten, holte das nationale Komitee Romney als Manager. Seither gilt er als Retter dieser Winterspiele.

Nun wird diskutiert, ab wann Romney die Verantwortung für Bain Capital abgab. Er beteuert immer, dass er seit seinem Olympia-Engagement "absolut keine Rolle" mehr in der Firma gespielt habe. Es gebe einen Unterschied zwischen seiner Rolle als Aktionär und als Geschäftsführer des von ihm gegründeten Unternehmens.

2014 kommen Olympia-Uniformen aus den USA

Medienberichten zufolge verließ Romney das Unternehmen erst im Jahr 2002 – drei Jahre später, als er behauptet. Gerade in dieser Zeit soll Bain Capital Arbeitsplätze ins Ausland verlagert haben. US-Präsident Obama sagte dem Lokalfernsehsender WJLA in Washington, Romney müsse möglichst schnell auf die entsprechenden Nachfragen antworten. Romney wolle Präsident werden und "eine der Sachen, die man lernt, ist, dass man verantwortlich ist für seine Handlungen".

Die Empörung über die in China hergestellten Olympia-Uniformen zeigte indes bereits Wirkung: Für die Winterspiele 2014 will Ralph Lauren die Sportlerkleidung in den USA produzieren lassen.

 
Leserkommentare
  1. Die Zeiten, wo Adidas in Deutschland und Nike in den USA gefertigt haben, dürfte wohl schon länger vorbei sein. Der Drops ist schon länger gelutscht.

    Na ja, in Zeiten des Wahlkampfs kommt so mancher Politiker auf Gedanken, die meist fern der Realität sind. Und wenn jetzt einer nölt, es wäre schon schön, wenn Adidas in Deutschland und Nike in den USA fertigen würden, hat er meinen Segen. Aber er muss dann auch bereit sein, entsprechende Preise zu bezahlen.

    Eine Leserempfehlung
  2. Der Preis ist dort, wo ihn ein Verbraucher akzeptiert und auch sehen möchte. Mit dem Faktor Herstellungskosten hat "Premiumware" (sehr doppeldeutiges Wort, oder?) und deren Preispunkt wenig zu tun. Der Unternehmensgewinn dann schon, da gibt es auch keine Moralgrenzen.

    Und wenn Pakistan oder afrikanische Staaten billiger fertigen - China ist ja fast schon wieder Luxus - dann interessiert auch der Transportaufwand nicht, wenn am Ende bei Gewinn "maximal" steht.

    Beispiel: Adidas und der WM-Ball "Teamgeist" - beißende Ironie eines Weltbildes. Googeln Sie mal, interessante Preisgestaltung und Hintergründe zu z.B. Lizenzen. Gefertigt wo? Genau!

    Trigema schafft es, seine Fertigung in Deutschland zu halten und ohne Ausbeutung zu wirken. Sind die denn teurer oder wesentlich schlechter als andere?

    Nebenbei erlaubt das Szenario der Herstellung am sprichwörtlichen Ende der Welt und die immer noch zu geringen Transportkosten bei (Aus-)Nutzung dieser einen hervorragenden Blick auf das, was wir so naiv mit Globalisierung umschreiben.

    Es ist billiger, Krabben zu fischen, um die halbe Welt zu schiffen, bearbeiten zu lassen und dann wieder zurück zu fahren, als vor Ort, mit anständigen und gerechten Bedingungen, zu verarbeiten.

    Realsatire? Nein, aber Realität.

    Sie haben recht, diese Art der Kritik lag den Wahlkämpfern sicher fern, denn beide Seiten im US-Wahlkampf werden eines ganz bestimmt nicht tun: diesen Kreislauf unterbrechen. Geld regiert die Welt, egal, wo es gedruckt wurde.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Natürlich erhöhen billige Herstellungskosten die Marge des jeweiligen Herstellers. Ich bin mir sicher, die Marge von Trigema ist geringer als die von z.B. Adidas. Aber Trigema zieht aus diesem Faktum, in Deutschland zu fertigen, marketingtechnisch Profit. Würde Trigema in Asien fertigen, wäre der Nimubs des Einzelkämpfers dahin und Trigema sicher Geschichte.

    "Der Preis ist dort, wo ihn ein Verbraucher akzeptiert und auch sehen möchte. " Dann kann der Verbraucher sagen, das ist zu teuer, ich moechte es billiger haben?? Kann das in Deutschland funktionieren??? sicher nicht! Die Verkaeufer geben den Preis vor, das kennt man auf dem Preisschild! Sie senken den Preis sicher nicht freiwillig, nur wegen Wettberbsdruck!!!

    Natürlich erhöhen billige Herstellungskosten die Marge des jeweiligen Herstellers. Ich bin mir sicher, die Marge von Trigema ist geringer als die von z.B. Adidas. Aber Trigema zieht aus diesem Faktum, in Deutschland zu fertigen, marketingtechnisch Profit. Würde Trigema in Asien fertigen, wäre der Nimubs des Einzelkämpfers dahin und Trigema sicher Geschichte.

    "Der Preis ist dort, wo ihn ein Verbraucher akzeptiert und auch sehen möchte. " Dann kann der Verbraucher sagen, das ist zu teuer, ich moechte es billiger haben?? Kann das in Deutschland funktionieren??? sicher nicht! Die Verkaeufer geben den Preis vor, das kennt man auf dem Preisschild! Sie senken den Preis sicher nicht freiwillig, nur wegen Wettberbsdruck!!!

  3. Natürlich erhöhen billige Herstellungskosten die Marge des jeweiligen Herstellers. Ich bin mir sicher, die Marge von Trigema ist geringer als die von z.B. Adidas. Aber Trigema zieht aus diesem Faktum, in Deutschland zu fertigen, marketingtechnisch Profit. Würde Trigema in Asien fertigen, wäre der Nimubs des Einzelkämpfers dahin und Trigema sicher Geschichte.

  4. 4. [...]

    es ueberascht mich, die Amis sind so leicht politisch zu beeinflussen. Ich weiss nicht, ob das Bild in den deutschen Medien nur einseitig gezeigt wird. Was ist mit der Arbeitsteilung, ihre wirtschaftliche Effizenz??? Man soll oekonomische Grundsaetze nicht einfach ueber Bord werfen. Es klingt zwar gut, "Für die Winterspiele 2014 will Ralph Lauren die Sportlerkleidung in den USA produzieren lassen." Aber wer zaehlt am Ende??? wahrscheinlich die leicht manipulierbaren Steuerzaehler, dann werden sie dumm verkauft, ob sie es noch merken koennen???!!!

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Danke, die Redaktion/ls

    2 Leserempfehlungen
  5. "Der Preis ist dort, wo ihn ein Verbraucher akzeptiert und auch sehen möchte. " Dann kann der Verbraucher sagen, das ist zu teuer, ich moechte es billiger haben?? Kann das in Deutschland funktionieren??? sicher nicht! Die Verkaeufer geben den Preis vor, das kennt man auf dem Preisschild! Sie senken den Preis sicher nicht freiwillig, nur wegen Wettberbsdruck!!!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Artikelthema. Danke, die Redaktion/jz

    Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Artikelthema. Danke, die Redaktion/jz

    • Elite7
    • 14.07.2012 um 19:47 Uhr

    Wird schon wieder mit Sport Politik betrieben? Die machen es nur so wie alle anderen und kaufen die Shirts, wo jeder sie kauft. Was soll daran falscher sein? Sollen die nur da ihre Gesetze machen, aber den Sport und die Sportler da raus halten und nicht hinterher noch als Bumänner präsentieren.

  6. 7. [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Artikelthema. Danke, die Redaktion/jz

    Antwort auf "wie schoen!"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ist mir klar! aber ich weiss nicht, worauf sie hinauswollen...Hier geht es eher um die Bildung eines Marktpreises, nicht um individuelle Bewertung eines Objektes!

    ist mir klar! aber ich weiss nicht, worauf sie hinauswollen...Hier geht es eher um die Bildung eines Marktpreises, nicht um individuelle Bewertung eines Objektes!

  7. ist mir klar! aber ich weiss nicht, worauf sie hinauswollen...Hier geht es eher um die Bildung eines Marktpreises, nicht um individuelle Bewertung eines Objektes!

    Antwort auf "[...]"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service