WaffenkontrolleUN scheitern vorerst mit Waffenhandelsabkommen

Die UN-Konferenz für ein weltweites Waffenhandelsabkommen ist ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Aber das Scheitern soll nicht endgültig sein.

Soldaten mit Gewehren während eines Trainings

Soldaten mit Gewehren während eines Trainings

Der weltweite Waffenhandel wird weiterhin nicht kontrolliert. Die New Yorker UN-Konferenz für ein entsprechendes Abkommen ist nach vierwöchigen Gesprächen ohne ein Ergebnis beendet worden. Das teilte der Konferenzvorsitzende Roberto Garcia Moritán mit.

Einige Länder seien mit dem finalen Entwurf für ein Abkommen nicht einverstanden gewesen, "obwohl die große Mehrheit es war", sagte der Argentinier. "Wir werden auf dieser Basis weiter arbeiten." Es sei zudem von Anfang an klar gewesen, dass die Verhandlungen über das Abkommen eine "große diplomatische Herausforderung" sein würden und ein Scheitern immer möglich gewesen sei, sagte Moritán. Trotzdem versicherte er, dass bald ein Waffenhandelsvertrag zustande kommen werde.

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Den Angaben Moritáns zufolge soll nun die UN-Vollversammlung darüber entscheiden, ob und wann die Verhandlungen fortgesetzt werden. Die nächste Sitzung findet Ende September statt. Aus Diplomatenkreisen heißt es, dass Moritán vorschlägt, die Verhandlungen Anfang 2013 im Umfang von zwei Wochen wieder aufzunehmen.

USA und Russland verlangen mehr Zeit

Auf der Konferenz sollte der erste weltweite Waffenhandelskontrollvertrag ausgearbeitet werden. Ein Scheitern der Gespräche hatte sich in den letzten Stunden der Konferenz abgezeichnet, wie Teilnehmer sagten. Demnach wurden vor allem die USA und Russland dafür verantwortlich gemacht. So hätten die Delegationen um mehr Zeit gebeten, sich zum finalen Entwurf für das Abkommen zu äußern. Andere Länder wie etwa China und Ägypten seien diesem Beispiel gefolgt.

Insgesamt 90 Länder, darunter alle EU-Staaten und Länder Lateinamerikas, zeigten sich in einer Erklärung "enttäuscht, aber nicht entmutigt" angesichts des Abbruchs der Gespräche. Sie seien zuversichtlich, bald zu einer Einigung zu kommen und der zuletzt von Moritán vorgelegte Entwurf sei dafür eine gute Basis.

China sieht Geschäfte mit Entwicklungsländern in Gefahr

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich angesichts der jahrelangen Vorbereitung der Konferenz sowie der wochenlangen Verhandlungen ebenfalls enttäuscht. "Das ist ein Rückschlag", sagte er, "wenn auch kein Abbruch" des gesamten Projekts. Die teilnehmenden Staaten hätten sich schließlich bereit erklärt, das Ziel eines globalen Waffenhandelsvertrags weiter zu verfolgen.

Der Kontrollvertrag soll dazu führen, dass jedes Land prüfen muss, ob mit den gelieferten Waffen "schwere Menschenrechtsverletzungen" begangen werden könnten. In diesem Fall soll der Verkauf unterbunden werden. Zwar räumen die meisten Länder die Notwendigkeit einer Vereinbarung ein, die Transparenz und klare Regeln schafft, jedoch wollen viele Staaten Ausnahmen durchsetzen. Die USA wollen etwa nicht, dass der Vertrag auch den Handel mit Munition regelt. China sieht seine Geschäfte mit leichten Waffen in Entwicklungsländern in Gefahr.

 
Leser-Kommentare
  1. Schaft diesen Laden endlich ab. Denn in der jetztigen Form ist dieser Laden völlig Nutzlos und nur als Altersruhe sitz und Geld beschaffungs Institut der dortigen Politiker und Diplomaten zubetrachten. Denn solange einige Staaten mit ihrem Veto mehrheitsentscheidungen Blockieren können, und es nicht nach Demokratischen Mehrheitsrecht geht ist und bleibt die UN ein Zahnloser Papiertiger und ist somit Überflüssig.

    3 Leser-Empfehlungen
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    • Bashu
    • 28.07.2012 um 10:59 Uhr

    Ich bin für keine Abschaffung der UN, sie bietet bei all ihrer Schwäche immerhin eine Plattform, auf der sich die Weltnationen austauschen können.

    Dass die Interessenkonflikte nicht einfach ausgeräumt werden, liegt nicht primär an der UN sondern an dem Opportunismus jedes einzelnen Staates.

    Trotzdem muss die UN reformiert werden. Der historische Anachronismus etwa dass die Siegermächte des 2.WK Veto-Rechte im Sicherheitsrat haben und der Rest der Welt nur die zweite Geige spielt widerspricht wirklich jedem demokratischen Grundverständnis.

    • Bashu
    • 28.07.2012 um 10:59 Uhr

    Ich bin für keine Abschaffung der UN, sie bietet bei all ihrer Schwäche immerhin eine Plattform, auf der sich die Weltnationen austauschen können.

    Dass die Interessenkonflikte nicht einfach ausgeräumt werden, liegt nicht primär an der UN sondern an dem Opportunismus jedes einzelnen Staates.

    Trotzdem muss die UN reformiert werden. Der historische Anachronismus etwa dass die Siegermächte des 2.WK Veto-Rechte im Sicherheitsrat haben und der Rest der Welt nur die zweite Geige spielt widerspricht wirklich jedem demokratischen Grundverständnis.

    • Bashu
    • 28.07.2012 um 10:59 Uhr

    Ich bin für keine Abschaffung der UN, sie bietet bei all ihrer Schwäche immerhin eine Plattform, auf der sich die Weltnationen austauschen können.

    Dass die Interessenkonflikte nicht einfach ausgeräumt werden, liegt nicht primär an der UN sondern an dem Opportunismus jedes einzelnen Staates.

    Trotzdem muss die UN reformiert werden. Der historische Anachronismus etwa dass die Siegermächte des 2.WK Veto-Rechte im Sicherheitsrat haben und der Rest der Welt nur die zweite Geige spielt widerspricht wirklich jedem demokratischen Grundverständnis.

    2 Leser-Empfehlungen
  2. Es sei angemerkt, dass die 5 ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates und Deutschland die grössten Waffenhändler der Welt sind. Was bedeutet dies für die Sicherheitslage der Welt, ... kann jeder täglich beurteilen.

    3 Leser-Empfehlungen
  3. der internationalen Politik zum tragen. Man liefert Waffen an alle Parteien die zahlen können und zeigt sich dann entrüstet, über Massaker, Kriege und blutige Revolutionen. Das schlimmste daran ist jedoch, dass sich die Staaten, wie der Kommentar #3 feststellt, die für "Sicherheit und Frieden" stehen sollten, sich sperren und am meisten Waffen liefern.
    Beliefert man Rebellen und Aufständige, so geschieht dies aus "humanitären" Gründen. Beliefert man dagegen Staaten, wie Saudi Arabien oder Syrien, dann dient es dem Staatsschutz und ist "nur" geschäftlich.
    Es ist diese Unverfrorenheit. Man stelle sich nurmal vor, dass das gesamte Geld, welche in Rüstung und Bewaffnung gesteckt wird für eine gerechtes Sozialsystem, Kultur und Bildung investiert werden würde.Nun kann man das als unrealistisch abstempeln. Sagen wir also die Hälfte der Militär und Rüstungsetats. Es könnte alles so schön sein ...

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