Armeedienst : Israel plant Wehrpflicht für Ultraorthodoxe

Künftig sollen in Israel auch ultraorthodoxe Juden zum Wehrdienst eingezogen werden. Regierungschef Netanjahu verhindert mit der Entscheidung den Bruch seiner Koalition.
In Zukunft müssen auch ultraorthodoxe Juden Wehrdienst leisten © Goran Tomasevic/Reuters

Angesichts eines drohenden Bruchs seiner Regierungskoalition hat Regierungschef Benjamin Netanjahu verkündet, nun doch ultraorthodoxe Juden zum Wehrdienst heranzuziehen. Kurz zuvor hatte Netanjahus Likud-Partei einstimmig entsprechende Vorschläge einer Kommission gebilligt.

"Wir sind alle Bürger desselben Staates und wir müssen alle die Last des Wehrdienstes tragen", sagte Netanjahu . Das neue Wehrdienst-Gesetz werde alle einschließen : "Nicht-Religiöse, ultraorthodoxe Juden, Juden und Araber – alle", sagte er weiter. Die Einbeziehung der israelischen Araber und ultraorthodoxen Juden müsse jedoch schrittweise erfolgen, um keine "Spaltung unserer nationalen Einheit" zu provozieren.

Mit ihrer Kehrtwende reagierten Netanjahu und seine Partei auf Drohungen der Kadima-Partei von Vizeministerpräsident Schaul Mofas , aus der Koalition der nationalen Einheit auszusteigen, sollten die Empfehlungen der sogenannten Plesner-Kommission nicht umgesetzt werden. Netanjahu hatte diese Anfang Juli aufgelöst.

Wehrdienst oder Zivildienst

Die Empfehlungen der Kommission unter Leitung des Kadima-Mitglieds Johanan Plesner sehen vor allem vor, alle Israelis im entsprechenden Alter zum Wehrdienst einzuziehen oder sie zu einer Art Zivildienst zu verpflichten. Wer sich verweigert, soll bestraft werden. Ein Gremium solle nun ein neues Gesetz auf der Basis der Empfehlungen der Plesner-Kommission ausarbeiten. Darauf hätten sich Netanjahu und Mofas geeinigt, teilte das Büro des Regierungschefs nach der Likud-Sitzung mit.

Männer müssen in Israel für drei Jahre zum Militär, Frauen für zwei. Von der Wehrpflicht ausgenommen sind ultraorthodoxe Juden und Angehörige der arabischen Minderheit. Der Oberste Gerichtshof hatte diese Regelung für verfassungswidrig erklärt und deren Abschaffung zum 31. Juli verlangt. Ein Großteil der Bevölkerung fordert ebenfalls eine Abschaffung der Ausnahmeregelungen. Mehrere tausend Israelis demonstrierten am Samstagabend in Tel Aviv erneut für eine Reform des Militärdienstes. Die ultraorthodoxe Schas-Partei und die Thora-Partei als weitere Mitglieder der Regierungskoalition lehnen diese allerdings bisher ab.

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Kommentare

48 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Frieden in Sicht!

Mit der Einführung des Zivildienstes wird sich die Stimmung im Land wohl drehen. Kein vernünftig denkender Israeli wird es sich nehmen lassen, den Wehrdienst fahren zu lassen, da die Wahrscheinlichkeit immer sehr hoch ist, dass er innerhalb der 2(3) Pflichtjahre zum Kriegsdienst wird.
Orthodoxe wie Araber werden ebenfalls darauf verzichten und am Ende braucht Israel einen stabilen Frieden, da es zu wenige billige Pflichtsoldaten hat, um den permanenten Krisenzustand aufrecht zu erhalten.

Ich geb dem ganzen noch maximal 10 Jahre, dann gibts dort Frieden - vorausgesetzt die Iran Geschichte wird zwischenzeitlich nicht heiss...

Zum Glueck,

wissen die Israelis, dass der Wehrdienst die einzige Moeglichkeit ist, der Bedrohung durch die Araber und die umliegenden Staaten entgegenzutreten.

In den Zeiten wo Juden ihre Waffen aus der Hand gegeben haben und sich nicht gegen Ihre Peiniger gewehrt haben sind zum Glueck vorbei.

Aber anscheinend finden das manche Leute schade. Dies sollte man aber nicht hinter vermeintlichem Wunsche nach Frieden mit den terroristischen Regimen der umliegenden Laender verstecken.

Nicht wetten

"Kein vernünftig denkender Israeli wird es sich nehmen lassen, den Wehrdienst fahren zu lassen, ..."

Mit solchen Aussagen wäre ich sehr, sehr vorsichtig. Denn den Armeedienst zu absolvieren wird von von vielen Israelis als Teil der Identität "Israeli" angesehen. Natürlich gibt es immer welche, die sich drücken. Die große Mehrheit aber sieht im Wehrdienst aber eine nationale Verpflichtung.

Das wäre zu hoffen...

...tatsächlich ist wohl zumindest ein Teil der Wahrheit derart, dass manche Kreise in Israel gar keinen stabilen Frieden wollen, da sie als Hegemon auf diese Weise Fakten schaffen können.

Ob sich das ändert bleibt abzuwarten, tatsächlich wäre eine Berufsarmee wahrscheinlich zu teuer und so mancher wird jetzt die potentiell weniger blutige Zivi-Option wählen, mit zunehmender Tendenz.

Nein, nein Herr Doktor

Dem ist mitnichten so. Neben dem was Sie hier so artikuliert als "Pflicht-Kram" abtun steht nämlich auch der ganz gewöhnliche Selbsterhaltungstrieb. Gäbe es keine IDF gäbe es kein Israel mehr und auch keine Juden in dieser Region. Von daher gehe ich davon aus, dass wenn Sie diesem "Kram" nicht abgewinnen können, es zahlreiche Menschen gibt die dem schon was abgewinnen können. Darüberhinaus bietet der Wehrdienst - da alle hin müssen und Israel sehr klein ist - eine ausgezeichnetes Medium vitale Kontakte und Netzwerke auszubauen die einem im späteren Berufsleben sicher nicht schaden.

Im Keller verstecken?

Sie müssen berücksichtigen, dass für die Israelische Zivilbevölkerung der Krieg nicht so weit weg ist wie für uns. Praktische jeder den sie dort auf der Straße treffen war 2-3 Jahre beim Militär. Die Kinder bekommen von klein auf Sicherheitstrainings (Gasmasken anziehen, Schutzräume kennen, wenn sie noch jünger sind - und dann Schießübung in der Oberstufe).

Praktisch jeder hat Verwandte oder Freunde die in einer Ecke von Israel wohnen wo in letzter Zeit mal ein Anschlag hoch- oder eine Rakete niedergegangen ist. Vergessen sie nicht wie klein dieses Land ist!

Krieg und Terror sind für die Israelis nicht nur Zeitungsmeldungen, sondern Teil ihrer Realität.

Alleine die vollkommen alltäglichen Kontrollen (Metalldetektoren & bewaffnete Sicherheitsleute an quasi jedem Bahnhof, Einkaufspassage etc.) oder die starke Präsenz des Militärs (Mit Waffen, nicht wie bei uns, wo die Wochenendheimfahrer unbewaffnet sind) im normalen Alltag erzeugt eine ganz andere Lebensrealität.

Ich denke daher nicht, dass eine Mehrheit nun zum Zivildienst geht - es wird großen gesellschaftlichen und familiären Druck dagegen geben, auch wenn es möglich wird.

Aber vielleicht wird ihre (und auch meine) Hoffnung auf Frieden ja doch noch Realität, denn erfahrungsgemäß werden Leute friedlicher und kompromissbereiter wenn sie die Folgen ihres Handelns selbst ausbaden müssen. Insofern kann die Wehrpflicht die Ultras vielleicht dann doch zähmen...

Richtig so.

Wenn man die arabische Minderheit und alle für Israel damit verbundenen Probleme ausklammert, bleibt als anderes großes Problem des Landes die Tatsache, dass sich die säkuläre Bevölkerung quasi seit Gründung von ihrer ultraorthodoxen Minderheit erpressen lassen muss, weil deren politische Lobby dauernd nach irgendwelchen Wahlen Zugeständnisse herausgeholt hatten, weil sie das Zünglein an der Waage waren.
Und wenn man bedenkt, dass sie nicht nur nicht dienen, sondern auch nicht arbeiten müssen (da relativ umfangreiche Sozialleistungen für sie) und sich dazu noch extrem vermehren, kann Israel sich diese Großzügigkeit auf Dauer gar nicht leisten.

Ja...

...ich denke das ist auch eines der Grundprobleme von Israel, man will ALLEN Juden ein gutes Leben bieten, das ist so eine Vermischung von Nationalität und Religion, die problematisch ist.

In allen anderen Religionen und aufgeklärten Nationen, ist es normal, die eigenen Extremisten zu beobachten und notfalls auszugrenzen, damit sie keinen Schaden anrichten können, in Israel geschah bisher eher das Gegenteil...