UnruhenBirmas vergessene Minderheit

Birma öffnet sich und damit dringen auch Konflikte eher nach außen. So wie die Gewaltexzesse zwischen Rohingya-Muslimen und Buddhisten. von 

Rohingya-Camp

In einem Rohingya-Camp Mitte Juni nahe der Grenze zu Bangladesch; wegen der Unruhen wollen viele ins Nachbarland flüchten.  |  © REUTERS/Andrew Biraj

Während sich Birma (offiziell Myanmar ) langsam öffnet , fällt der Blick nicht nur auf die neuen Freiheiten dort, sondern mehr und mehr auf einen alten Konflikt: Die muslimischen Rohingya im Westen des Landes sind von Verfolgung und schwerer Gewalt bedroht.

Der Staat Birma schützt die Minderheit nicht, im Gegenteil: Aus einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) geht hervor, dass sich Birmas Sicherheitskräfte bei Ausschreitungen im Juni sogar aktiv an der Verfolgung und Tötung von Rohingya beteiligt haben sollen. Bei den Gewaltexzessen zwischen der Minderheit und den mehrheitlich in Birma lebenden Buddhisten wurden mindestens 80 Menschen getötet, Zehntausende Muslime in die Flucht getrieben und Tausende Häuser und Hütten verbrannt.

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Nur vier Prozent der Menschen in Birma sind Muslime, davon schätzungsweise 750.000 Rohingya. Diese leben vornehmlich in drei Landkreisen von Rakhine, dem birmanischen, vormals Arakan genannten Staat an der Grenze zu Bangladesch . Während der britischen Kolonialzeit wurde diese Region verstärkt besiedelt, zahlreiche Wanderarbeiter kamen seinerzeit aus dem angrenzenden Bangladesch, viele ließen sich in Arakan nieder und trafen auf Muslime, die dort bereits lebten. Deren Vorfahren wiederum waren möglicherweise arabische Händler.

Eine Million lebt im Exil

Obwohl die Rohingya also seit Generationen im Land leben, verweigert ihnen die Regierung Birmas bis heute die Staatsbürgerschaft. Sie bezeichnet sie als Bengalen aus Bangladesch. Ihr Leben in Rakhine unterliegt harten Restriktionen. Sie sind nicht nur staatenlos, sie brauchen auch Genehmigungen, wenn sie ihre Dörfer verlassen oder heiraten wollen. Geburten und Sterbefälle kosten sie hohe Sondersteuern, und wenn sie die Grenzen des Rakhine-Staates überqueren, droht ihnen Haft. Die Kindersterblichkeit hier ist dreimal höher, die allgemeine Sterblichkeit aufgrund von Infektionskrankheiten rund ein Drittel höher als im Rest des Landes.

Verantwortlich für die Repressionen in Rakhine sind primär die Polizisten des birmanischen Grenzschutzes Nasaka, von denen auch bekannt ist, dass sie Rohingyas zu Zwangsarbeiten verpflichten, ihr Land beschlagnahmen oder Frauen sexuell belästigen. Die UN bezeichnet die Rohingya daher als eine der am stärksten verfolgten Minderheiten der Welt.

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