Ein syrischer Flüchtling im Auffanglager Bab Al-Salameh © Muhammed Muheisen/dapd

100.000 syrische Flüchtlinge – das sei die Obergrenze, befand unlängst Ankaras Außenminister Ahmet Davutoğlu. Mehr könne sein Land nicht versorgen . Sein Vorschlag: "Wir sollten sie in Syrien unterbringen." Die UN könnten eine Sicherheitszone innerhalb der syrischen Grenzen einrichten. Kurz zuvor hatten die USA und die Türkei erstmals über die Einrichtung einer Flugverbotszone offiziell beraten, wie US-Außenministerin Hillary Clinton es nach Gesprächen in Istanbul bestätigte. Derzeit leben 70.000 Flüchtlinge aus dem Nachbarland in der Türkei .

Die Errichtung von Schutzzonen auf syrischem Boden rückt damit offenbar näher. Am Montag erklärte erstmals auch Frankreichs Präsident François Hollande , dass seine Regierung zusammen mit anderen Staaten an Plänen für eine mögliche Einrichtung solcher Zonen arbeite. Nur: Wer Schutzzonen will und Pläne für deren Einrichtung erarbeitet, muss auch sagen, was er da fordert. "Schutz" bedeutet ja nicht nur, dass dort keine feindlichen Streitkräfte eindringen dürfen. Auch Luftangriffe, in diesem Fall durch die staatlich-syrische Armee, müssten verhindert werden.

Die Einrichtung von Schutzzonen auf syrischem Boden bedeutet daher nichts anderes, als gegen das Assad-Regime in den Krieg zu ziehen. Doch das auszusprechen, davor scheuen sich die Politiker des Westens.

Flugverbotszonen dienen nicht nur humanitären Zwecken

Irreführend ist auch das, was Frankreichs Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian vergangene Woche dazu sagte: Er warnte im Zusammenhang mit Plänen zur Einrichtung von Flugverbotszonen für Teile Syriens davor, den gesamten Flugraum Syriens abzusperren, denn das hieße, "in den Krieg zu ziehen".

Nein, auch eine partielle und kleine Zone, wie sie die Türkei, Frankreich und die USA diskutieren, wäre ein aktiver Schritt in den Krieg gegen Syrien, allein, weil dafür Staatsgebiet okkupiert würde. Zudem würden zur Aufrechterhaltung eines Flugverbots wohl auch Operationen außerhalb dieser Zone notwendig, beispielsweise um gegnerische Flughäfen oder Luftabwehrsysteme zu zerstören.

Schutzzonen haben überdies mehr Funktionen, als nur humanitären Zwecken zu dienen. Sie wären auch ein sicherer Rückzugsraum für die Aufständischen vor den Kampffliegern des syrischen Militärs und würden zum Training der Oppositionsmilizen und zur Vorbereitung militärischer Schläge gegen die syrische Armee jenseits der Zonen genutzt werden.